Das bringt 2018: Josef Ackerl wird neuer Linzer Bürgermeister

2017 hatte es in sich, aber 2018 wird auch nicht ohne. Unsere verQUERt-Redaktion hat einen Blick in die Kristallkugel geworfen und berichtet schon jetzt über die einigermaßen ungewöhnlichen Höhepunkte im neuen Jahr.

01. Jänner 2018: Linzer Stadtbudget saniert!
“Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget” jubelt der Linzer Finanzdirektor Christian Schmid, als er am 01. Jänner 2018 seinen Mailordner checkt: Unter dem Betreff “Gluckwunsch sie habe gewone” fand er ein Mail der “Lotteria Espanol Internacional”. Inhalt: die Verständigung über den Hauptgewinn in Höhe von 973.677.325,43 Euro. Das Linzer Budget 2018 ist damit gerettet. Lediglich eine Bearbeitungsgebühr von drei Millionen Euro sei vorab zu überweisen. “Aber musse mache shnell, weil verfallung von gewin ist moglichkeit bis 31.01.2018”, heißt es weiter in dem von der Anwaltskanzlei “S&G Abogados” aus Granada etwas holprig aufgesetzten Schreiben. Dass das angegebene Konto für die Spesenüberweisung zu einer Bank auf Antigua führt, stört bei der Stadt niemanden: “Wir waren da anfangs auch etwas skeptisch, darum holten wir ein zweiseitiges Gutachten (inkl. Deckblatt, Anm.) bei Ex-Finanzstadtrat Johann Mayr ein. Er meinte, das würde wohl daran liegen, dass dort die Kontoführungsgebühren niedriger sind”, so Schmid erleichtert.

15. Februar 2018: Neuer Linzer Bürgermeister
Oha: Beim sog. “Linzer Aktenskandal” wird’s jetzt ernst. Bürgermeister Klaus Luger wird von der Staatsanwaltschaft angeklagt und wegen Verdunkelungsgefahr sogar hops genommen. Da sich der ehemalige Vize Christian Forsterleitner zu keinem Comeback überreden lässt (“SPÖ? Nie gehört!”), übernimmt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der wortgewaltige ehemalige Parteichef Josef Ackerl den Bürgermeisterposten. Gleich in seiner ersten Rede im Gemeinderat, in der er sämtliche Nicht-SPÖ-Mandatare als “Geistige Nackerpatzerln mit Sandküberlhirn” bezeichnet, stimmt Ackerl in den frischen, griffig-neuen “Kern-Slang” der Bundes-SPÖ ein. Ackerl as it’s best!

Er ist wieder da: Josef Ackerl wird neuer Linzer Bürgermeister

Er ist wieder da: Josef Ackerl wird neuer Linzer Bürgermeister

01. März 2018: Westring-Baubeginn erneut verschoben
Oje: Der für 01. März 2018 fixierte Baubeginn des Westrings muss erneut in die Warteschleife, die 15 angerückten Bagger und die drei Sprengteams ziehen unverrichteter Dinge ab. Grund: die anbrechende Laichzeit des “Donauquakers” – einer seltenen grünen Kröte, die nur hier im Donautal bei Linz ihre Eier legt. Die Umsiedlung der mehrere Dutzend Tiere umfassenden Population wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Der neue Baubeginn im September 2021 – zufälligerweise ein Wahljahr – gilt diesmal aber als “ganz bestimmt fix”.

29. April 2018: Linzer Raucher jubeln
Puuuh – die Linzer Raucher husten – äh, atmen befreit auf: Endlich repariert die neue Regierung das heimische Rauchergesetz. Rauchen ist ab sofort verboten bzw. erlaubt… oder irgendwie so. “Mit der Novellierung ist ein ganz großer Wurf gelungen, alle Klarheiten wurden endgültig beseitigt”, freut sich der umtriebige Linzer Raucherwirt Günter Hager. Das Wichtigste: Ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie wird es nicht geben. An geraden Wochentagen soll in den heimischen Kneipen jedoch das Pofeln rigoros verboten werden, ausgenommen sind hievon lediglich Dienstag, Donnerstag und Samstag. Zudem wird an Sperrtagen das Rauchen strikt verboten, es soll auch am 32. April und 12. Oktember spezielle Nichtrauchertage geben. “Besser als gar nichts”, jubeln die Nichtraucher-Vereinigungen.

02. Mai 2018: Projekt “zweite Schienenachse” startet
Na es geht ja doch: Trotz leerer Kassen und dutzender offener Planungsfragen startet der Bau der zweiten Linzer Schienenachse. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um einen Nachbau im 1:200 Maßstab, der im Rahmen der Linzer Modellbaumesse im Designcenter verwirklicht wird. “Schienenachse ist Schienenachse, es kommt nicht immer nur auf die Größe an”, heißt es seitens der Linz Linien flapsig auf mediale Vorwürfe des Etikettenschwindels.

17. Juni 2018: Jahrmarkt-Gelände Ideenwettbewerb: Siegerprojekt gekürt
Monatelang wurde getüftelt, hunderte spannende Ideen gingen ein – am 17. Juni 2018 schließlich kürt die hochrangige Jury den Sieger des Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Jahrmarktgeländes. Gewonnen hat das Projekt “LIPA _ Linz Parkt”. Der visionäre Plan sieht vor, dass das Gelände an der Donau zukünftig als “urbaner, kostenloser und ganzjähriger Großparkplatz für Pendler und Linz-Besucher genutzt wird”, zusätzlich soll hier “zweimal jährlich ein Jahrmarkt mit Volksfestcharakter” stattfinden. Die Parkplatz-Idee fand bei der Jury besonderen Anklang, denn “ein Jahrmarkt hat in Urfahr genauso wie ein kostenloser Großparkplatz seit gut einem halben Jahr schmerzlich gefehlt”, so das Experten-Urteil.

12. Juli 2018: Neues XL-Hochhausprojekt für Linz
Anfang Juli 2018 fällt das Urteil im Linzer 450 Millionen-SWAP-Prozess. Im Gemeinderat ist man außer sich vor Freude: Als Dank für den Sieg im Mega-Gerichtsverfahren wird hinter dem Alten Rathaus ein 450 Meter hoher “SWAP-TOWER” errichtet, der an die harte Zeit der Entbehrungen erinnert. Die geplante Turmhöhe von 450 Metern hat natürlich Symbolcharakter: Für jede verspekulierte SWAP-Million soll ein Meter in den Himmel gebaut werden. Die horrenden Kosten – zufälligerweise ebenfalls 450 Millionen Euro – kann sich die Stadt Linz durch den Prozessgewinn locker leisten: “Hätten wir verloren, wäre die Marie sowieso weg gewesen. So gesehen kostet uns das neue Wahrzeichen eigentlich gar nichts”, verlautbart die Magistrats-Pressestelle knapp und bündig. Mehrere Anrainer, die noch mehr Verkehr und Schatten wegen der enormen Höhe des Baus befürchten, verklagen die Stadt auf – erraten – 450 Millionen Euro.

Gewaltig: der Linzer SWAP-Tower mit 450 Metern Höhe

Gewaltig: der Linzer SWAP-Tower mit 450 Metern Höhe

04. August: Linz als Vorreiter im Fußgängerverkehr
Nein, das ist (K)Eine Sommerloch-Geschichte, denn nicht nur die Autos stauen in Linz: Mit über 210.000 Passanten pro Woche stößt jetzt auch die Kapazität der Fußgängerzone auf der Landstraße an ihre Grenzen. Neue Ideen sollen Abhilfe schaffen: “Genug ist genug”, fordern die Linzer Grünen – und präsentieren ein bahnbrechendes Konzept: So sollen bereits ab Jänner 2019 an geraden Stunden nur männliche und an ungeraden nur weibliche Passanten die Landstraße frequentieren dürfen. Stadträtin Eva Schobesberger: “Das wäre nicht nur für unsere muslimischen MitbürgerInnen die beste Lösung.” Die Exekutive favorisiert hingegen die oft erprobte und leichter zu kontrollierende Einbahnregelung: Am Montag wäre demnach das Begehen nur in Nord-Süd-Richtung erlaubt, am Dienstag dann umgekehrt und so weiter. Fazit: Auch zu Fuß gehen bleibt 2018 spannend & flüssig!

23. September: Aufwind für den Linzer Flughafen
Ein weiterer Horror-Sommer für den Linzer Flughafen: Nach einem neuerlichen Einbruch der Fluggast-Zahlen (heuer blieb man sogar erstmals auf dem Blumenstrauß für den 100.000. Passagier sitzen) erscheint jetzt endlich ein Lichtblick am Horizont. In Hörsching sollen statt der immer spärlicheren Flieger jetzt andere Zielgruppen landen: Der verwaiste blue danube airport wird zur größten Asphaltstockschützen-Anlage der Welt. Der Flughafenvorstand schrieb einen beherzten Brief an den Asphaltstockschützenverband. Inhalt: ein Angebot zur Miete der kaum frequentierten Start- und Landebahn. Im Winter könnte sogar problemlos eine Eisdecke aufgetragen werden: Die unkündbare Flughafenfeuerwehr wäre jederzeit einsatzbereit, lechzt sie doch ebenfalls nach einer sinnvollen Beschäftigung: “Wieder mal so richtig rumspritzen, ja das wäre schon was”, so Brandobermeister Franz Tobusch.
“Wird Zeit, dass sich hier wieder was rührt”, jubelt auch Kellnerin Dragica Slankovic. (23). Die Angestellte des Airportcafès hatte in den letzten Monaten kaum zu tun: “Die ganze Woche hab ich nur ein Glas Leitungswasser und ein Packl abgelaufene Erdnüsse verkauft – letzteres sogar an mich selbst”, jammert Slankovic.
Der Vorsitzende des Asphaltstockschützenverbands, Josef Bauernfotz (69) aus Munderfing an der Polsenz, ist außer sich vor Freude: “Des san oftat ungeahnte Möglichkeitn. Unsere Asfoitbauhnen unta da Voestbruckn sand hoffnungslos übafüllt, außerdem streit’ ma si dort jed’n Tog mit de Skateboard-Krüppin und de freilaufendn Hundsviecha umadum”, so Bauernfotz, der am 23. September 2018 den offiziellen Spatenstich für das neue Asphaltstockbahnen-Mekka übernimmt.

12. November 2018: Linz wird Hipster-Hauptstadt!
Erst waren es Vollbärte, dann pink gefärbte Achselhaare, danach die vegane Küche… doch das ist erst der Anfang. Besonders schräg und trendig treibt’s die Linzer Hipster-Community. Dort hat man sich jetzt zu einem ganz besonders hippen Step entschlossen: Man will nur mehr rückwärts gehen: “Es sieht nicht nur cool aus, sondern wir setzen damit auch ein Zeichen, dass wir anders sind”, erklärt BWL-Student Simon Handstanger aus Urfahr, während er tapsig an uns rückwärts vorbeihampelt. Der 23-Jährige lässt sich auch sonst in keine Schublade stecken und kreiert quasi im Minutentakt neue Trends: “Ich bin total crazy, esse etwa sogar mein Butterbrot immer ohne Butter, hihi!”

01. Dezember 2018: Pestsäule diskriminiert Anderskranke
Oha, just zum Beginn der Vorweihnachtszeit wird in Linz ein erschütternder Fall von Diskriminierung bekannt. Täter: die Pestsäule am Hauptplatz.  Seit fast 300 Jahren erinnert der Bau an die letzte große Pest-Epidemie in der Stadt. Tausende Menschen mit einem anderen Krankheitsbild haben von dieser Herabwürdigung jetzt genug. Andreas Sengstbratl von der Interessenvereinigung der Asthmakranken brachte den Stein ins Rollen: “Wir haben lange genug gewartet und wollen jetzt endlich auch mal zum Zug kommen: Wir fordern die Umbenennung der Pestsäule in Asthmasäule.” Das wird wohl nicht so einfach werden, denn auch die Zuckerkranken haben Bedarf angemeldet: “Für uns kommt nur der Begriff Insulinsäule in Frage.” Logisch, dass jetzt weitere, von Krankheiten Geplagte auf den Zug der Zeit aufspringen: Auch die Selbsthilfegruppen der Blähungs-Opfer (“Inflatulenzsäule”) und Suizidgefährdeten (“Deprisäule”) haben Bedarf auf ein entsprechendes Denkmal angemeldet. Eine gütliche – und logische – Lösung empfiehlt eine begleitende Studie der Uni Linz: Um niemanden auszugrenzen, fordert diese die Installierung eines “Säulenparks” am Jahrmarktgelände: “Dort wäre Platz für 7.472 weitere Säulen und somit für jedes bis dato bekannte Krankheitsbild.” Die beste Bezeichnung für die Pestsäule am Hauptplatz wäre aber wohl Linzsäule – angesichts der chronisch kranken Finanzen der Stadt.

 

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