Fahrradiebe haben in Linz Hochsaison

In Linz gibt es immer mehr Fahrraddiebstähle, Tendenz weiter steigend. Kein Wunder: Erschreckend einfach lässt sich der Großteil der handelsüblichen Radschlösser knacken. Mit einer Bolzenzange, die in jede Handtasche passt, sind die meisten Schlösser in Sekundenschnelle durchgezwickt, wie die Linzer Feuerwehr in unserem Check demonstrierte.

2012 wurden in Linz 976 Fahrraddiebstähle gemeldet, 2013 waren es bereits 1.747 – fünf Fahrräder pro Tag. Schätzungen gehen davon aus, dass die wirkliche Zahl aber weit über 2.000 liegt, weil gut 25 Prozent den Diebstahl gar nicht melden. Kein Wunder: Lediglich 7,6 Prozent wurden 2013 in Linz aufgeklärt. Oberösterreich liegt mit einem Plus von 34,1 Prozent an der Spitze der Fahrraddiebstähle.

Viele Fahrradschlösser untauglich    
Wir machten die Probe aufs Exempel – und baten die Linzer Feuerwehr, einige der gängigsten Fahrradschlösser auf ihre Sicherheit zu testen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sämtliche Kabel- und Seilschlösser waren binnen weniger Sekunden geknackt, es bedurfte nur geringer Kraftanstrengung. Als Werkzeug diente eine 25cm-Bolzenzange, wie sie um 20 Euro überall zu haben ist. Lediglich die großen Ketten- und Bügelschlösser bieten einigermaßen Sicherheit. Diese lassen sich nur mit XL-Bolzenschneidern und hohem Kraftaufwand öffnen. „Teure Räder sollte man aber gar nicht erst alleine stehen lassen – und wenn, dann nur im Blickfeld“, rät Hannes Gründlinger vom Bikepalast in Leonding.

Forderung nach sicheren Abstellplätzen
Nicht nur der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert mehr Präventivmaßnahmen in Form sicherer Abstellplätze. Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer: „Die Entwicklung in Linz ist wirklich dramatisch. Spezielle Fahrradgaragen, wie es sie in Eferding bereits gibt, sollten Linzer Fahrradbesitzern nicht vorenthalten bleiben. Das entsprechende Angebot muss vor allem an zentralen Orten wie Hauptplatz oder Landstraße  schleunigst verbessert werden.“ Laut Wimmer bremsen vor allem SPÖ und Grüne: „Mit dem Argument, „Überwachung“ verhindern zu wollen oder weil sie glauben, dass diese sicheren Abstellplätze niemand will.“ Wimmer will an diesem Thema aber dennoch „dranbleiben“.

Wir testeten beim Bike Bikepalast in Leonding einige der gängigsten Radschlösser. Einen halbwegs verlässlichen Schutz bieten aber nur wenige:

Radschlösser im Check: Für Diebe wird‘s erst schwer, wenn die ganz große Bolzenschere ran muss.

Radschlösser im Check: Für Diebe wird‘s erst schwer, wenn die ganz große Bolzenschere ran muss.

1 MICROSAFE BYCICLE LOCK – EUR 9,90     
Dünnes Litzenseil, das maximal für Fahrten mit dem Klapp-Radl zum nächsten Billa taugt. Schützt nur vor Gelegenheitsdieben. Hält maximal einem Nagelzwicker stand.

2 CODESAFE BYCICLE LOCK – EUR 14,90     
Etwas dickeres Litzenseil, Sicherheitsstufe 4 (von 15), nach fünf Sekunden geknackt.

3 MICROSAFE BYCICLE LOCK – EUR 9,90     
8mm-Litzenseil, Werks-Sicherheitsstufe 5, kein Unterschied zum Vorgängermodell. Chancenlos gegen unsere kleine Bolzenzange.

4 U VAULT BÜGELSCHLOSS – EUR 27,90
Trotz seines günstigen Preises relativ stabil. Ohne XL-Bolzenschneider geht hier aber gar nix. Sind zudem praktisch zu öffnen und am Rad zu befestigen.

5 CODE ARMOR – EUR 29,90     
Sicherheitsstufe 9. Dickes Litzenseil mit 18mm Blechösen (die nachgeben und sich darum nur schwer schneiden lassen) ummantelt. Dank des Durchmessers ebenfalls nur was für die große Bolzenschere.

6 POWER CHAIN – EUR 49,90     
Schaut stark aus, bietet aber bei entsprechendem Kettenglied-Durchmesser guten Schutz. Nachteil: extrem schwer und klobig. Auch hier musste die große Bolzenschere (mit der man nicht so einfach durch die Stadt läuft) ran.

Nicht am Bild, aber ebenfalls getestet:
BORDO COMBO FALTSCHLOSS – EUR 98,99     
Metallstäbe, die mit Gelenken verbunden sind. Klein, handlich und ebenfalls nur mit dem großen Bolzenschneider zu knacken. Bietet trotz des hohen Preises aber kaum mehr Schutz als das Bügelschloss.


FAHRRADSCHLÖSSER: DO‘s & DONT‘s
– Großer Durchmesser (keine Chance für kleinere Zangen mit geringem Öffnungswinkel)
– Achtung: Massive Kunststoff-Ummantelung täuscht oft dickeren Durchmesser vor!
– Keine Billigschlösser (Seile, dünne Ketten)
– Bügelschlösser (ab 30 Euro) bieten die größte Sicherheit

 

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