Bedroht ein nächtliches Alkoholverbot in Linzer Parks die “Weltoffenheit”?

Mit Händen und Füßen stemmt sich eine  knappe Gemeinderats-Mehrheit nach wie vor  gegen ein temporäres nächtliches Alkoholverbot in Linzer Problemparks. Doch ein Blick über die Stadtgrenzen zeigt: Ähnliche Verbote sind anderswo eine Selbstverständlichkeit, die funktioniert. In Tokio etwa gibt es ein Alkoholverbot in sämtlichen Parks – detto in den USA, wo Freiluft-Tschechern praktisch überall und rund um die Uhr nicht geduldet wird. Der von manchen Lokalpolitikern in Gefahr sehenden Weltoffenheit tut das dort ganz offensichtlich keinen Abbruch…

Hessenpark, Volksgarten, oder das Gelände rund um den Bahnhof: Linzer Drogen- und Alkohol-Problemzonen, die seit Jahren nicht zur Ruhe kommen. Ein Lösungsansatz: ein nächtliches Alkoholverbot, um  die betroffenen Gebiete für Treffs und Partygelage unattraktiver zu machen. Doch vor allem SPÖ und Grüne machen diesen Wünschen nach wie vor einen Strich durch die Rechnung und fürchten, ein Alkoholverbot würde die Freiheit einschränken und „den Ruf von Linz als weltoffene, liberale Stadt beschädigen“. Aha.

Andere Städte zeigen‘s vor
Da muss im Gegenzug die Frage erlaubt sein, warum unzählige kleine und größere Städte auf der ganzen Welt auf genau so ein Alkoholverbot setzen. In den Vereinigten Staaten etwa ist es grundsätzlich fast überall verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu konsumieren. In Tokio gibt es in Parks ein Rund-um-die-Uhr-Alkoholverbot, in Tschechiens Hauptstadt Prag besteht an vielen öffentlichen Plätzen und der Innenstadt ebenfalls ein Alkoholverbot. München hat aufgrund ganz ähnlicher Probleme wie Linz Anfang 2017 von 22 bis 6 Uhr ein Alkoholverbot in und rund um den Bahnhof beschlossen. In Augsburg und in Nürnberg darf man ebenfalls zwischen 22 und 06 Uhr an öffentlichen Plätzen nicht tschechern, na und?  Selbst im trinkfreudigen Dublin ist Alkoholgenuss (Ja, Genuss) in der Öffentlichkeit verboten und wird mit bis zu 500 Euro geahndet, auch in Rom (150 Euro) und Madrid (bis 600 Euro) kann das Freiluftbier teuer zu stehen kommen.

Keine Frage der Weltoffenheit: Alkoholverbot in den Parks von Tokio, Host City der Sommerolympiade 2020.

Keine Frage der Weltoffenheit: Alkoholverbot in den Parks von Tokio, Host City der Sommerolympiade 2020.

Aber auch vergleichbare österreichische Städte haben derlei Regelungen eingeführt – etwa Innsbruck. Dort denkt man jetzt sogar daran, diese Zonen auszuweiten. In Salzburg setzte man 2016 in drei ausgewiesenen Bereichen einen ähnlichen Schritt, ohne dass die freie Welt aus den Fugen geriet – im Gegenteil:  Sowohl Anrainer als auch Barbetreiber äußerten sich nach dem ersten Jahr positiv über diese Maßnahme.

(K)Eine ideologische Frage?
In Linz macht man aus diesem Problem völlig unnötigerweise eine aufgeheizte ideologische Frage: „Maßnahmen wie ein Alkoholverbot sind das Indiz dafür, dass der öffentliche Raum der Allgemeinheit zunehmend entzogen werden soll“, poltert etwa das politische Ultraleichtgewicht Gerlinde Grünn (KPÖ) inhaltsschwer.  „Ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen kann nicht im Sinne einer weltoffenen Stadt sein“, argumentiert Ursula Roschger von den Linzer Grünen in derselben ideologischen Tonlage. Auch Bürgermeister Klaus Luger stemmt sich vehement gegen ein Alkoholverbot in Problemzonen: “Mit Vertreiben alleine hat noch keine Stadt ihre sozialen Probleme gelöst”, wischt Luger in einem Interview mit den OÖN die Vorgehensweise anderer Citys vom Tisch. „Was muss noch alles passieren, dass Klaus Luger endlich im Interesse der Bevölkerung handelt?“, fragt im Gegenzug Bernhard Baier von der ÖVP.

Kein Zusammenbruch der Weltoffenheit in Salzburg
Wie seltsam das Abstimmverhalten zu diesem Thema bisher war, zeigt Vizebürgermeister Detlef Wimmer (FPÖ) auf:  „In Salzburg haben SPÖ und NEOS einem Alkoholverbot zugestimmt. Ideal wäre es daher, wenn sich die Linzer Parteifreunde in unserem Nachbarbundesland erkundigen.“ Das Verbot könne zudem evaluiert und dem Ergebnis entsprechend angepasst werden. Wimmer: „Immer mehr Städte machen es uns vor – warum sollen sich in Linz dann Unruhestifter sammeln, die anderswo keinen Platz haben?“

 

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