Bayerns “Gastro-Staatsfeind Nr.1” sorgt für Wirbel in Linzer Wirte-Szene

Mit Fremdenführungen und Beisltouren hat der in Bayern als Anti-Raucher-Aktivist bekannt gewordene Sebastian Frankenberger nun in Linz ein weiteres berufliches Standbein gefasst. Der Eklat ist vorprogrammiert: Es regt sich Widerstand gegen den deutschen Ex-Lokalpolitiker, weil auf Frankenbergers Arbeit hin bis zu 200 Anzeigen gegen Linzer Gastronomen eingebracht worden sein sollen – bewiesen ist das freilich nicht. In Deutschland wurde Frankenberger sogar schon als “Nichtraucher-Nazi” beschimpft. “Wie kann man allen Ernstes so einen Mann auf die Linzer Gastronomen loslassen?” fragt Wirt Günter Hager. Wir haben das Gastro-Urgestein dazu interviewt.

Sebastian Frankenberger ist seit 2015 Branchensprecher der oberösterreichischen “austriaguides” und pikanterweise auch Branchen-Mitglied der Wirtschaftskammer Österreich. Er gilt als Verfechter des Nichtraucherschutzes, den er u.a. mit einem Volksbegehren in Bayern durchgesetzt hat. Auch viele anonyme Anzeigen gegen Wirte sollen auf seine Kappe gehen, sagen Kritiker. Frankenberger selbst weist aber alle Vorwürfe von sich: “In Österreich gibt es einige selbsternannte Rauchersheriffs, die Wirtshäuser auf die Einhaltung der Nichtrauchschutzgesetze kontrollieren und teilweise bei Verstößen anzeigen. Ich habe mich nie als ,Rauchersheriff’ bezeichnet und habe auch noch nie einen Wirt deswegen angezeigt.” Der Linzer Wirt Günter Hager warf Frankenberger kürzlich mit einer Reisegruppe dennoch aus seinem Lokal – eine Aktion, die für Diskussion sorgte.

“Sicher ein Dutzend Anzeigen” habe Günter Hager bereits bekommen, “so gut wie alle gingen aber ins Leere”, sagt Hager. Der Großteil der Anzeigen war anonym, Hager ist sich aber sicher, dass sie aus Frankenberges Umfeld kommen: “Einen, der gegen die Wirte und die Gastronomen arbeitet, sollen wir in unseren Lokalen willkommen heißen? Sicher nicht!” In Bayern hätten sie Frankenberger “aus gutem Grund mit nassen Fetzen verjagt, Linz gewährt ihm Asyl”, so Hager. Unter anderem musste Hager wegen einer solchen Anzeige eine 20.000 Euro teure Tür samt Extrazugang bauen. “Eine am Ende komplett sinnlose Investition, weil diese Tür gar nie richtig benutzt wurde.” Auch Sven Jungbauer vom Cheers, der größten Bar Urfahrs, unterstützt das Lokalverbot gegen den Anti-Raucher-Aktivisten “zu hundert Prozent.” Wir haben auch einige andere Wirte telefonisch befragt, aber öffentlich wollte keiner Stellung zur Sache beziehen. Die Meinungen zum Hinauswurf reichen von Zustimmung bis Ablehnung, mehrheitlich wird sie von den befragten Gastronomen aber begrüßt.

Priester, “Öko-Faschist” und Weltrekordler
In Frankenbergers Heimat Bayern weht dem 35-jährigen ein noch heftigerer Wind entgegen: “Gastro-Staatsfeind Nr.1”, “Nichtraucher-Nazi” und “Öko-Faschist” wird er von dortigen Gastronomen aufgrund seiner Aktivitäten genannt, in vielen deutschen Lokalen “genießt” Frankenberger Hausverbot. Sein bisheriger beruflicher Werdegang mutet teilweise durchaus skurril an –  2011 etwa stellte er mit 44 Stunden einen Weltrekord im Dauerdebattieren auf, für die Kleinpartei “ÖDP” holte er bei der Bundestagswahl 2013 als Vorsitzender 0,3 Prozent der Stimmen, auch als Priester versuchte sich Frankenberger bereits (siehe Lebenslauf am Ende des Berichts).

Herr Hager, warum die Aufregung zur Person Frankenberger? 2018 ist sowieso mit dem Rauchen in der Gastronomie Schluss.
Das spielt keine Rolle. Gegenfrage: Würden Sie jemanden zu sich nach Hause einladen und bewirten, der durch seine Arbeit für dutzende Klagen und Strafen sorgte und der der gesamten Branche schweren Schaden zugefügt hat?

Sehen Sie’s doch pragmatisch: Die von Herrn Frankenberger angebotenen Lokaltouren sind doch auch ein gutes Geschäft für die Gastronomen.
Aber wo denn: Der kommt mit einer Gruppe Touristen vom Schiff, die alle höchstens ein Seiterl trinken und wieder abhauen. Und hinterher gibt’s dann vielleicht noch eine Anzeige vom Herrn Frankenberger. Nein Danke.

Man könnte es auch als Auszeichnung für Ihr Lokal sehen, wenn sogar ein Sebastian Frankenberger ins JOSEF kommt – trotz Rauch.
Wie passt das zusammen? Erst gegen Raucherlokale herziehen, dass diese mit Anzeigen überhäuft werden, dann aber trotzdem die Gastlichkeit genießen wollen – das passt doch hinten und vorne nicht. Herr Frankenberger soll sich mit seinen Gästen in die Systemgastronomie oder in eine Wiese setzen, dort wird nicht geraucht.

Wie war die Resonanz auf den Hinauswurf von Herrn Frankenberger aus Ihrem Lokal?
95 Prozent haben mir gratuliert – auch viele Nichtraucher. Jemand, der gegen die Gastronomen arbeitet und vielleicht auch noch anonym anzeigt – mit so einem will ich weder zusammenarbeiten noch gibt es da eine Gesprächsbasis. Ich hoffe, der Herr fliegt auch aus anderen Lokalen hinaus. Viele echte Wirte gibt’s durch solche gastrofeindlichen Aktionen eh nicht mehr in unserer Stadt.

Ein Bayer wie Sebastian Frankenberger in Linz: Wie das?
Das ist mir schleierhaft. In Bayern haben sie diesen Menschen mit nassen Fetzen verjagt. Man muss sich ja nur seinen Werdegang anschauen. Von versuchter Pfarrer über Politiker einer seltsamen Mini-Partei bis hin zum Weltrekordhalter im Dauerreden pflastern jede Menge großartiger ‘Leistungen’ seinen Weg. Ob so einer wirklich ein Gewinn für Linz und die Tourismusbranche ist, soll jeder selbst entscheiden.

Zur Person Frankenberger
Wer ist dieser Sebastian Frankenberger überhaupt? Der erst 35-jährige Bayer hat in seinem Leben schon so einiges hinter sich gebracht. Erst wollte er Pastoralassistent werden, dieses Ziel gab er aber bald auf. Danach versuchte er sich an mehreren verschiedenen Ausbildungen und wurde Notfallseelsorger. In weiteren Stationen wirkte er als “Kostüm-Theaterführer mit pädagogischen Spielelementen”, 2011 brach er mit 44 Stunden den Weltrekord im “Dauer-Debattieren”. Vor einigen Jahren war er Parteivorsitzender der Deutschen Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die bei den letzten Bundestagswahlen 0,3 Prozent der Stimmen schaffte. 2014 zerkriegte er sich mit anderen Parteimitgliedern und verordnete sich selbst eine politische “Auszeit”. In Bayern mutierte Frankenberger in den letzten Jahren zum Wirtefeind Nummer 1, weil er sich für ein Nichtrauchergesetz stark machte und durch unzählige Aktionen viele Gastronomen an den Rand des Ruins gebracht haben soll. In den letzten Jahren war Frankenberger auch in Linz aktiv, bis zu 200 großteils anonyme Anzeigen gegen Wirte sollen aus seinem Umfeld kommen, behaupten seine Gegner. Seit 2015 bietet Frankenberger am WIFI Linz Kurse an und ist zudem Branchensprecher der austriaguides in Oberösterreich.

 

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