blue danube airport trotzt der Krise

Ein weiteres schwieriges Jahr hat die europäische Luftfahrt hinter sich gebracht. Dennoch wird der Linzer blue danube airport auch 2014 mit einer positiven Bilanz und einem leichten Passagierplus abschließen.  Flughafendirektor Gerhard Kunesch im Talk.

Gerhard Kunesch – nächstes Jahr feiert der blue danube airport sein 60-jähriges Jubiläum. Ihr persönlicher Rückblick? 
In den letzten 60 Jahren haben wir  den reinen Regionalflughafen zu einem erfolgreichen und ganzheitlichen Luftverkehrsdienstleister entwickelt. Mehr als 100 Partnerfirmen bilden aktuell den größten Wirtschaftspark OÖs, rund 1.200 Menschen sind hier tätig. Wir sind daher nicht nur Dienstleister, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region.

Welche Aktivitäten und Schwerpunkte  wird es 2015 geben? 
Beginnen werden im Februar 2015 mit dem Linzer Luftfahrttag. Er steht unter dem Motto „Zukunft gestalten“ und wird mit hochkarätigen Referenten besetzt sein. Im Juni werden die Krone OÖ und die Eventagentur KOOP einen 5km-Nachtlauf auf der Runway veranstalten. Fix geplant ist im Oktober ein Tag der offenen Türe am Flughafen, weitere Highlights sind noch in Ausarbeitung.

Sind im Jubiläumsjahr auch neue Flugverbindungen in Aussicht?      
Wir arbeiten intensiv daran, Airlines für neue Strecken zu gewinnen. Allerdings steht die europäische Luftfahrt weiterhin massiv unter Druck, was dieses Unterfangen nicht leicht macht. Letztes Jahr konnten wir mit Zürich und Teneriffa zwei neue Strecken für Oberösterreich akquirieren. Mit etwas Glück werden unsere Anstrengungen auch im nächsten Jahr belohnt und es kommt eine weitere Destination hinzu. Turkish Airline hat sich ja bereits für 2016 mit einer Istanbul Verbindung angesagt.

Wie schaut die vorläufige Bilanz des blue danube airports Linz für heuer aus? 
Im Urlaubsreiseverkehr ist uns neun Monate lang die wichtige Urlaubsdestination Sharm El Sheik ausgefallen, die aufgrund einer Reisewarnung nicht angeflogen werden konnte. Wir liegen daher beim Charterverkehr leicht unter dem Vorjahreswert, holen aber auf. Die für die Wirtschaft wichtigen Linienflugverbindungen weisen ein Wachstum von rund fünf Prozent auf. Insgesamt können wir aktuell auf ein Passagierwachstum von zwei Prozent verweisen. Auch betriebswirtschaftlich rechnen wir für 2014 wieder mit einem stabilen, positiven Ergebnis.

Was ist der aktuelle Stand in Sachen Wien-Flüge? Wird am Ende wirklich nur eine tägliche Verbindung übrigbleiben?
Derzeit stehen alle fünf täglichen Kurspaare weiter am Programm. Hintergrund ist, dass die AUA die Bahnverbindungen zum Flughafen Wien als Ergänzung zum Flugangebot ab Linz sieht. Ob sich das mittelfristig ändern wird, hängt davon ab, ob die Bahnverbindung vom Markt angenommen wird, diese eine zusätzliche Nachfrage generiert oder zu Lasten der Flüge geht. Wir beobachten die Entwicklung ganz genau und tauschen uns natürlich auch mit der AUA zu diesem Thema regelmäßig aus.

Ist die Gesprächsbasis mit der AUA durch die Diskussion um die Wien-Flüge belastet?
Nein, absolut nicht. Die Gesprächsbasis ist auf allen Ebenen intakt, wenngleich wir zu bestimmten Themen unterschiedliche Ansichten haben. Man darf auch nicht vergessen, dass wir mit der AUA auch auf der Düsseldorf-Verbindung zusammenarbeiten und die Ferienfluggesellschaft Austrian My Holiday für uns ein wichtiger Partner im Chartergeschäft ist.

Das Projekt „Linz als zentraler Airport der Donau-Moldau-Region“ steckt noch in den Kinderschuhen. Sind hier dennoch erste spürbare Erfolge zu verzeichnen?  
Durchaus! Wir hatten letztes Jahr die erste Charterkette nach Hamburg, die sowohl für Gäste aus der Donau-Moldau-Region als auch in umgekehrter Richtung konzipiert war. Offen gestanden hätte ich nicht geglaubt, dass wir ein Jahr nach Gründung der ARGE Donau-Moldau bereits Flugprojekte abwickeln könnten.

Weiter sensationell entwickelt sich der Frachtbereich am blue danube airport.    
Der Cargobereich ist in der Tat eine Erfolgsgeschichte. Wir haben vor 20 Jahren unser erstes Frachtterminal errichtet. Mittlerweile sind fünf Terminals in Betrieb, der blue danube airport linz ist damit der mit Abstand größte regionale Frachtflughafen Österreichs.

Kritiker befürchten, dass Linz zum reinen Nur-Fracht-Airport wird.
Wichtig ist, dass wir in beiden Segmenten – Passage und Fracht – Allianzen schmieden. Beispielgebend ist hier unsere ARGE mit dem Tourismusverband Linz und Eurotours, dem größten mitteleuropäischen Reisveranstalter, welche wir im vorigen Jahr gegründet haben.  Aktuell wird auch die Vision verfolgt, den blue danube airport linz als „Donau-Kreuzfahrtflughafen“ zu etablieren.

Ist das Zurückbesinnen auf die Rolle eines reinen Charter- und Ferienflughafen ein sinnvolles Szenario für Linz? 
Eindeutig nein. Der Urlauberreiseverkehr macht bei uns ca. 40 Prozent des Aufkommens aus, der Linien- und Geschäftsreiseverkehr rund 60 Prozent. Oberösterreich ist in erster Linie ein Wirtschaftsbundesland und keine klassische Incoming-Destination. Wir müssen daher alle Segmente im Auge behalten und bestmöglich abdecken, insbesondere aber den Incoming-Tourismus weiterentwickeln.

Ryanair fliegt ab Linz zwei Ziele an: London und Teneriffa. Gibt es weitere gemeinsame Bestrebungen?
Ryanair ist ein wichtiger, aber auch sehr eigenständiger Geschäftspartner, der aufgrund eigener Recherchen Entscheidungen trifft. Letztes Jahr hat Ryanair entschieden, Teneriffa im Winter ab Linz anzubieten. Ab heuer wird Ryanair die Strecke ganzjährig fliegen. Offen gestanden, Ryanair ist immer für Überraschungen gut.

Deutsche Regionalflughäfen wie Hahn, Weeze oder auch Lübeck haben auf Billig-Airlines gesetzt – und sind teilweise gescheitert. Die Low-Cost-Carrier sind weiter gezogen. Sehen Sie diese Gefahr auch für Linz?  
Ryanair bedient den oberösterreichischen Markt seit über zehn Jahren – und das pünktlich und zuverlässig! Man muss aber auch sehen, dass es sich nur um zwei Strecken handelt. Wir wollen ein ausgewogenes Verhältnis von Low Cost Carriern, klassischen Linienfluggesellschaften   und Charter-Airlines haben. Ausschließlich auf ein Segment – in erwähntem Fall etwa Low Cost – zu setzen, ist meiner Ansicht nach eher bedenklich. Deshalb haben wir mit dem blue danube airport linz eine derartige Strategie auch nie verfolgt.

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