Freizeitsport oder gefährliche “Pseudojagd”? Bogensportler wollen mehr Wald

Mit Hochleistungsbögen durch den Wald pirschen und dabei mit bis zu 200km/h schnellen Carbonpfeilen auf originalgetreue Tierattrappen schießen – der Reiz des Bogensports erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Der Bogensportparcour in Kirchschlag bei Linz gilt als einer der größten Europas. Jetzt soll die Anlage nochmals großzügig erweitert werden – sehr zum Unmut von Anrainern, Wanderern und Erholungsuchenden. Sie fürchten teilweise ausgesperrt oder von umherfliegenden Pfeilen gefährdet zu werden. 

“Ein Carbonpfeil fliegt  über tausend Meter. Keiner der Parcour-Nutzer hat einen Ausweis, dass er mit dieser ‘Waffe’ richtig umgehen kann”, befürchtet die Initiative “Breitenstein für alle” eine Gefährdung für Wanderer, Erholungsuchende, aber auch spielende Kinder aus der angrenzenden Siedlung. Der Breitenstein, der mit 957 Metern sogar die gegenüberliegende Gis um 30 Meter überragt, sei ein Berg nicht nur für Bogenschützen, sondern für jedermann. Dennoch: Der Bogensport mit Jagdcharakter boomt allerorts. Alleine im Mühlviertel gibt es bereits 14 derartiger Anlagen. Auch “Nachwuchs-Jäger” sind begeistert bei der Sache.

Im Mühlviertel gibt es bereits 14 Bogensport-Parcours – u.a. in Kirchschlag und am Pfenningberg (Bild).

Im Mühlviertel gibt es bereits 14 Bogensport-Parcours – u.a. in Kirchschlag und am Pfenningberg (Bild).

Tiere als Zielscheibe
80 Hektar groß wäre alleine der Kirchschlager Parcour nach der Erweiterung – was quasi den gesamten Wald rund um den Breitenstein vereinnahmen würde. Bereits jetzt umfasst die Anlage einen beträchtlichen Teil des Gebiets, hier können unter dem Bogensport-Motto ‘Alle ins Kill’ auf ingesamt vier Parcours und 100 Stationen  400 Tiere “erlegt” werden. Der Bogensport gilt als gesund – der Aufenthalt in der freien Natur entspannt, das Begehen des oft hügeligen Parcours fordert Ausdauer und Fitness, Koordination und Konzentration werden geschult und die Nacken-und Rückenmuskulatur werden gestärkt.

Sportgerät oder gefährliche Waffen?
Wie weit das Hantieren mit Waffen und das Schießen auf Tiere jedoch gerade für Kinder pädagogisch wertvoll ist, bleibt eine Streitfrage. Aber nicht nur das: Die verwendeten Hochleistungsbögen sind durchaus gefährliche Waffen und erfordern große Vorsicht beim Hantieren, die Pfeile fliegen bis zu 1.000 Meter weit und erreichen Geschwindigkeiten von 200 km/h, mit sogenannten Compound-Bögen werden die Pfeile sogar bis zu 300 Sachen schnell.
Auch wenn es bei Bogensportparcours ‘nur’ originalgetreue Tier-Kunststoffattrappen sind: “Da bringt man eine falsche Botschaft rüber”, sagt etwa Kurt Eichberger vom WWF. Dass Bogenschießen tatsächlich auch in eine andere Richtung gehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel: Kürzlich etwa wurden nahe Altenberg bei Linz zwei Männer von einer Wildkamera ertappt, die mit ihren Sportgeräten Jagd auf echte Tiere machten.

Initiative “Breitenstein für alle”: www.facebook.com/breitenstein4alle
Bogensportzentrum Breitenstein: www.bogensport-zentrum.at

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