Ein Jahr Bürgermeister Klaus Luger: Ja, aber.

Sein Vorgänger Franz Dobusch war 25 Jahre lang im Amt – ganz so lange wird es Klaus Luger altersbedingt wohl nicht schaffen. Zum einjährigen Amtsjubiläum legte Luger jetzt seine erste Bilanz vor, die zwiespältig ausfällt. Im September 2015 stellt sich der Mitfünfziger erstmals den Wählern.

Ein leichtes Amt übernahm Klaus Luger, der am 08. November seinen 54. Geburtstag feiert, jedenfalls nicht: Einerseits schwebt das Damoklesschwert des Swap-Verfahrens über der Stadt. Und andererseits sind die Stadtfinanzen mit Schulden in Höhe von 1,45 Milliarden ein ziemlicher Rucksack.
Bei seiner Bilanzrede zum ersten Jahr als Bürgermeister  waren daher auch die Finanzen ein großes Thema: „Das vergangene Jahr war für mich ein sehr intensives und arbeitsreiches. Vieles wurde erreicht, einige Projekte sind auf einem guten Weg. Aber ich  musste auch einige wenige Enttäuschungen erleben, wie etwa die stockenden Verhandlungen bei der Magistratsreform oder die Diskussionen rund um den Neubau der Eisenbahnbrücke. Ich bin jedoch zuversichtlich, in intensiven Gesprächen und durch konkrete Vorschläge ein gutes Ergebnis für Linz zu erzielen“, so Luger in einem ersten Resumee.

Mega-Thema Verkehr
DAs zweite große Thema neben den Finanzen: die Lösung der vielen Verkehrsprobleme der Stadt. Durch die Einigung mit dem Land Oberösterreich gab es grünes Licht für die dringende benötigte zweite Schienenachse. Darüber hinaus steht die Westumfahrung kurz vor der endgültigen Genehmigung samt Baubeginn – idealerweise passend zum Wahljahr 2015.
Ein Meilenstein konnte auch durch die Gründung der Medizin-Fakultät gesetzt werden, auch wenn Klaus Luger hier lediglich die Lorbeeren von seinem Vorgänger Klaus Dobusch erntete. Apropos Dobusch: Mit dem Altbürgermeister gibt’s weder berufliche noch private Berührungspunkte, seit einem Jahr herrscht – manche sagen eisige – Funkstille.

Problemfälle Eisenbahnbrücke, Arbeitsmarkt und Magistratsreform
Bei den Diskussionen rund um den Neubau der Eisenbahnbrücke hat Klaus Luger – oder besser gesagt sein Kommunikationsteam – mehr als ungeschickt agiert: Statt mit den Abrissgegnern auf Augenhöhe zu reden und auf deren Anliegen einzugehen, wurden Gespräche und Terminansuchen beharrlich verweigert. Mit der medienwirksamen Präsentation des Siegerprojekts zum geplanten Neubau hat er diese Baustelle dann aber gekonnt zugedeckt.
Wenig bis gar nichts ging mit dem ambitionierten Ziel, den Linzer Magistrat einer umfassenden Reform zu unterziehen, weiter. Hier ist zurzeit einiges ins Stocken geraten.
Keine Trendumkehr schaffte Klaus Luger auch beim nahezu zerbröselnden Linzer Arbeitsmarkt: Plus 22,4 Prozent mehr Erwerbslose in nur einem Jahr sprechen eine klare Sprache. Dieses Thema wird die große Herausforderung für die Linzer Stadtpolitik der kommenden Jahre sein – und damit auch für Klaus Luger: “2015 werden gezielt Maßnahmen zur Stabilisierung des Wirtschaftsstandortes Linz gesetzt werden”, kündigt Luger daher an.

2015 erstmals als Spitzenkandidat in die Linzer Wahl
In Summe hat sich Klaus Luger gut ins Amt eingearbeitet, selbst politische Gegner attestieren ihm Reformwillen, Charisma und das nötige Know how. Er legt sein Amt nicht so abgehoben wie Vorgänger Franz Dobusch an – aber das war auch bei Dobusch in den ersten Jahren so. Es bleibt abzuwarten, wie die Bevölkerung bei den Wahlen 2015 die Arbeit Lugers (und seiner Partei) beurteilen wird – und ob es eine Abstrafung für Geschehnisse aus der Vergangenheit gibt, für die Luger zwar nichts kann, die ihm aber nachträglich auf den Kopf fallen könnten. Die Zeiten aus der Ära Dobusch – in der Ergebnisse jenseits der 40 Prozent eine Selbstverständlichkeit waren – sind jedenfalls vorbei.

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