Cannabis-Legalisierung: scheinheilige Empörung?

Eine – leider relativ scheinheilige – Empörung macht derzeit in Sachen Cannabis in Österreich die Runde – und das, obwohl knapp 500.000 Österreicher regelmäßig Cannabis rauchen. Zum Vergleich: Knapp 700.000 Österreicher sind alkoholabhängig oder pflegen einen “problematischen Umgang” mit Alkohol – und niemand empört sich darüber.

Gestraft wird aufgrund des Eigengebrauchs-Paragrafen 27 des Suchtmittelgesetzes auch in Oberösterreich kaum – von knapp 3.300 Anzeigen jährlich werden über 90 Prozent zurückgelegt, dennoch wird an eine Gesetzesänderung nicht gedacht. Mittlerweile scheint es aber ein Umdenken zu geben: Sowohl die Junge ÖVP, als auch die Sozialistische Jugend, NEOS und die Grünen sind im ersten Schritt für eine Entkriminalisierung (Herausnahme aus dem Suchtmittelgesetz) von Cannabis.

Haupt-Einstiegsdrogen sind Alkohol und Zigaretten
Den Befürwortern geht es in erster Linie darum, den Markt zu entkriminalisieren und den betroffenen Menschen den Gang zum Dealer (der sehr oft nicht nur das relativ harmlose Cannabis verkauft) zu ersparen. Das oft benutzte Argument, Cannabisrauchen sei der Einstieg in eine spätere “Karriere” als echter Junkie, greift laut Brancheninsidern nicht – und geht zudem in die falsche Richtung: “Diese These rührt daher, weil viele Heroinabhängige angeben, sie hätten früher mal Cannabis geraucht. Die wirkliche Einstiegsdrogen sind aber meist Alkohol oder das ‘normale’ Rauchen, nur erwähnt das keiner, weil diese Mittel ja nicht verboten sind”, verrät uns ein Suchtmittelexperte der Linzer Polizei.
Auch zum aktuellen Vorfall in der Linzer Altstadt nimmt er Stellung: “Solche Angriffe sind alles andere als typisch für einen Kiffer. Cannabisauchen holt einen eher runter und wirkt beruhigend. Da waren andere, aggressiv machen Drogen wie Alkohol oder so etwas im Spiel.”

Aktuell gibt es eine Bürgerinitiative, die das Cannabisrauchen entkriminalisieren will. Über 26.000 Menschen habenndiese bereits unterzeichnet – und stündlich werden es mehr. Wer das ebenfalls noch tun will, kann das hier machen:

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/BI/BI_00053/index.shtml

 

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