Die verlogene Diskussion über Gewalt im Stadion

Gutes Eishockey – böser Fußball: Diesen Vergleich hört man immer wieder, wenn sich bei einem Bundesligaspiel ein paar “Fans” ordentlich einschenken – so wie kürzlich beim Spiel Blau-Weiß Linz gegen SV Ried. Im Forum einer großen Tageszeitung schrieb ein aufgebrachter Leser dazu: “Ich gehe mit meinen Kindern lieber zum Eishockey – dort herrscht eine gute Stimmung, ohne dass sich die Fans den Schädel einhauen.” Eine wirklich nette Ansage, die an der Realität aber sowas von vorbeigeht.
Denn während im Fußballstadion niemand auf die Idee käme, sich in die Goschen hauende “Fans” cool zu finden oder gar anzufeuern, passiert es in unseren Eishallen im Wochenrhythmus, dass Familienväter in Anwesenheit ihrer Kinder johlend und applaudierend prügelnden Eishockeycracks minutenlang zujubeln – obwohl die Vorbildfunktion eines Sportprofis um ein Vielfaches höher ist als jene eines besoffenen Hooligans.
Und auch die gerne und ständig mit dem belehrenden Zeigefinger herumfuchtelnden Medien finden Eishockeycracks, die sich die Zähne ausschlagen und dabei nicht selten eine Blutlache am Eis hinterlassen, lustig bis vorbildlich, weil sie gar so gut Einstecken können und Einsatz zeigen. Und wohl jeder kennt den Werbespot eines Wettbüros, in dem ein “zahnluckerter” Eishackler die Hauptrolle spielt. Das erinnert an die verlogene Diskussion um den Alkohol: Auch Saufen wird mit einem Augenzwinkern gerne akzeptiert, solange es die Richtigen tun. So gesehen ist Prügeln durchaus salonfähig – kommt drauf an, wer’s macht.
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