Warum Diskont-Fitness-Studios nur auf den ersten Blick billig sind

In Linz boomen vor allem die Diskont-Fitness-Studions. Der Teufel steckt aber in Form der meist kleingedruckten Zusatzkosten im Detail. Ohne echte Gegenleistung werden Extras wie eine „Aktivierungsgebühr“ von 39,90 Euro verrechnet. Ganz keck ist eine in Linz neu gestartete Kette, die zusätzlich noch eine halbjährliche „Servicepauschale“ kassiert. Am Ende des Tages ist es oft dann oft doch nicht so weit her mit den günstigen Monatsbeiträgen…

Über eine Million Österreicher trainiert mittlerweile regelmäßig in einer der landesweit knapp 1.300 Fitnessbetrieben, der Markt wächst jährlich im Schnitt um sechs Prozent. Einst war die Fitness-Branche ein ertragreiches Geschäft, die Mitgliedschaft in einem der top-ausgestatteten Studios war mit 70 und mehr Euro Monatsgebühr keine billige Sache. Auch der Servicegedanke wurde damals fast allerorts groß geschrieben. Sauna, Dusche, hat sogar Handtücher waren teilweise in den Studiogebühren inkludiert. Das Blatt hat sich aber gewendet. Jetzt drängen immer mehr große Diskont-Ketten auf dem Markt und erfinden den Markt neu – allerdings oft nach unten hin – und da ist nicht nur der Preis gemeint.

Sparmeister-Treff statt noblem Studio-Flair
Die Airline-Branche hat es vorgemacht: Geht es den Unternehmen (zu) gut, werden andere Mitbewerber auf den Plan gerufen, die auch was abhaben wollen vom Eiweißriegel. Ideen oder Qualitäts-Innovationen gibt es dabei aber kaum, es wird vornehmlich an der Preisschraube gedreht. Mit den Monatsgebühren gingen dabei oft auch die angebotenen Serviceleistungen runter. Heutzutage ist es zum Beispiel nicht mal mehr Standard, dass man nach dem Indoor-Training kostenlos duschen darf. Beratung oder eine Einschulung bei Neueintritt? Manchmal unmöglich, das entsprechende Personal ist meist gar nicht mehr vorhanden. Viele Billig-Studios kommen mit einer Handvoll Mitarbeiter aus, die sich nur um das Allernötigste kümmern, um den – man möchte fast sagen „Notbetrieb“ aufrechtzuerhalten. Eine einst edle, mondäne Freizeitwelt, in der auch das Thema Wellness eine immer größere Rolle spielte, wurde zum Treff der Monatsgebührensparmeister.

“Gratis-Duschen” als USP
Im Kampf um neue Kunden geht es vornehmlich um eines: den Preis. Dabei scheint sich die Monatsgebühr von 19,90 als kleinstmöglicher gemeinsamer Nenner herauskristallisiert zu haben. Manche Studios ziehen dabei die Trainingshosen noch weiter runter. Bei Happyfit etwa trainiert man bei einem Zweijahres-Vertrag um nur 6,99 Euro (Basic), in der VIP-Version (9,49 Euro) sind sogar die Sauna und das Solarium inkludiert. An der Linzer Dametzstraße befindet sich einer der bekanntesten Standorte des Steyrer Unternehmens. Direkt gegenüber eröffnet diesen Herbst eine „Clever Fit“-Filiale. Die Deutschen betreiben bereits 455 Studios in Europa und drängen jetzt auch auf den Markt in Österreich. Gelockt wird zum Start mit 19,90 Euro/Monat-Mitgliedschaften. Eine der Extra-Leistungen: „Gratis Duschen“.

Preismodell wie bei Billig-Airlines: Vorsicht vor den Zusatzkosten
Der Teufel steckt aber im Detail in Form der (meist kleingedruckten) Zusatzkosten. Denn wovon sich die neuen Studios partout nicht trennen wollen, sind die 12-Monats-Mindestbindung und die ohne echte Gegenleistung verlangte „Aktivierungsgebühr“ bei Vertragsbeginn – bei FitInn etwa 29,90 Euro. Bei Happyfit nennt sich das Ganze „Startgebühr“ und kostet 39,99 Euro, CleverFit kassiert neben der „Karten- und Verwaltungspauschale“ (39,80) zusätzlich eine halbjährliche (!) „Servicepauschale“ von 19,90. Am Ende des Tages ist es – siehe Gepäckgebühren bei Ryanair & Co. – dann doch nicht so weit her mit den günstigen Preisen…

Gleich zweimal in Linz neu aufgesperrt hat „FitInn“, mit 42 Groß-Studios in Österreich ein Big Player, ebenfalls mit einem Kampfpreis von 19,90 Euro: „Bei FitInn bezahlst du nur einen geringen Grundpreis und hast die Möglichkeit, bei Bedarf Zusatzleistungen und Produkte zu fairen und günstigen Preisen in Anspruch zu nehmen“ – dasselbe Modell kennt man von Billig-Airlines….

 

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