Projekt Linzer Donauinsel: “Visionen scheitern nie am Geld”

Die Autos sind verbannt, die Chance ist gewaltig am Urfahraner Donauufer: ‘Reif für die Insel’ heißt das Siegerprojekt des Architekturkollektivs GUT, das im Rahmen eines gut dotierten Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Jahrmarktgeländes ermittelt wurde. Grundgedanke: ein kleiner Nebenarm der Donau umspült das Areal, fließt bis zu den Häusern heran. Der zweimal jährliche ‘Urfix’ bliebe dabei in seiner vollen Größe erhalten. Klingt fast unmöglich, ist aber machbar. Wir plauderten mit dem Architektentrio Andreas Henter, Martin Urmann und Gerald A. Steiner über ihre Linzer Donauinsel.

Ihr habt mit eurem Projekt ‘Reif für die Insel’ zur Neugestaltung des Jahrmarktgeländes für ziemliche Aufregung gesorgt. Warum habt ihr beim Ideenwettbewerb mitgemacht?
Als Architekt muss man bei so einem wichtigen Thema wie dem frei gewordenen Jahrmarktgelände ein Statement abgeben, das verlangt auch die Verantwortung unseres Berufs. Das Projekt ist natürlich ein ganz besonderes, wo man die gesamte Freude an der Arbeit einfließen lassen kann. Es ist aber sehr schwierig, innovativ FÜR die Stadt zu arbeiten, weil sehr viele Wettbewerbe extrem stark reglementiert sind. Hier war es anders, es gab keine strengen Vorgaben und Grenzen.

So könnte die Linzer Donauinsel am Jahrmarktgelände aussehen.

Siegerprojekt “Reif für die Insel”: So könnte die Linzer Donauinsel am Jahrmarktgelände aussehen.

Wie kam die Zusammenarbeit von drei verschiedenen Architekten zum ‚Architekturkollektiv GUT’ überhaupt zustande?
Andreas Henter brachte die Idee auf, dass wir uns zu dritt als Architekturkollektiv GUT gemeinsam Gedanken über die Neugestaltung des Jahrmarkts machen. Wir waren uns dann auch relativ schnell einig, wohin die Reise gehen sollte.

Es gab zum selben Thema ja auch einen Ideenwettbewerb der Stadt Linz. Warum habt ihr da nicht ebenfalls teilgenommen?
Das haben wir einerseits einfach übersehen. Als wir darauf aufmerksam wurden, war die Frist bereits abgelaufen. Man muss aber auch sagen: Die Ernsthaftigkeit beim Wettbewerb der Stadt hat uns einfach gefehlt. Es gab keine Transparenz, die Zusammensetzung der Jury war intransparent, es wurden keine laufenden Protokolle ausgeschickt. Wenn so vieles unklar ist, will man selber auch nichts an Zeit und Aufwand investieren. Und wenn als Siegerpreise ,Goodie-Bags’ ausgegeben werden, finden wir das unseriös. Natürlich ist es möglich, jede und jeden zu fragen und zum Mitmachen einzuladen. Unter den vielen Ideen ist sicher auch einiges Brauchbares dabei. Man wollte mit diesem Wettbewerb der Stadt Linz aber vermutlich gar keine Stadtplaner oder Architekten adressieren, sondern einfach nur lose Ideen sammeln.

Aus dem Umfeld von Stadtplanern und Architekten ist immer wieder zu hören, es sei schwer, beim Bürgermeister mit innovativen Ideen und Stadtplanungskonzepten durchzudringen.
Viele Leute glauben immer noch, wir Architekten laufen mit dem weißen Mantel herum und zeichnen irgendwelche surrealen Pläne, dieses Bild existiert immer noch. Was wir bei Bürgermeister Klaus Luger oft nicht verstehen: Er scheint zu glauben, man will was gegen ihn oder gegen die Stadt machen, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn man Wettbewerbe ausschreibt, muss man verstehen, dass diese nicht für die Teilnehmer, sondern für die Stadt gemacht werden und ihr auch große Vorteile bringen.

Was war eure Inspiration, auf das Thema einer Donauinsel zu setzen?
Der Projektname „Reif für die Insel“ war für uns im Denkprozess wie ein Befreiungsschlag. Das löst bei jedem ganz spezielle Bilder aus – und diese Bilder sind durchwegs positiv. Man muss aber auch sagen: Die Idee einer Insel ist grundsätzlich ja nicht neu. Aber was bei unserem Projekt sehr gut rüberkommt: Sobald man von einer Insel spricht, schafft man einen speziellen Ort. Jeder hat beim Begriff „Insel“ seine eigene Fantasie, es hat was mit Freiheit zu tun, mit Rückzug. Gleichzeitig aber auch mit Offenheit, Spaß, Lebensfreude. Alleine das Wortspiel löst das Thema von der Stadt im positiven Sinn ab und ergibt was Neues. Unser zweiter Ansatz: Wir wollten eine Art Skyline schaffen und nicht Linz an die Donau bringen, sondern den Fluss in die Stadt, die beiden sozusagen vernetzen.

Ja gut, aber eine Donauinsel gibt’s ja bereits: in Wien.
Uns ist wichtig, ganz klar zu sagen, dass die Wiener Donauinsel kein Vorbild ist und auch ganz anders funktioniert.

Kritiker sagen: Das geht ja gar nicht, wegen des Urfahraner Jahrkmarktes.
Im Mittelpunkt aller Überlegungen stand: Der Urfahranermarkt kann und soll hierbleiben. Was wir tun, ist lediglich die Kanten des Gebiets zu bearbeiten. Es wird auch keine grüne Wiese oder Auenlandschaft werden, das ist aufgrund der Nutzung nicht möglich. 35.000 Quadratmeter braucht der Jahrmarkt, diese 35.000 Quadratmeter wird der Markt auch bei einer Realisierung des Projekts Donauinsel wieder zur Verfügung haben.

Das Jahrmarktgelände aus der Vogelperspektive (Foto: Pertlwieser/PTU)

Das Jahrmarktgelände (bis Ende 2017 als Parkplatz) aus der Vogelperspektive (Foto: Pertlwieser/PTU)

Was ist aus eurer Sicht das Spezielle, das Besondere am derzeitigen Jahrmarktgelände?
Das Jahrmarktgelände gibt es ja bereits seit einer kleinen Ewigkeit. Trotzdem gibt es kaum einen Linzer, der über diese Fläche und ihre Verwendung positiv spricht. Wir wollen, dass sich die Linzer wieder stärker mit dieser zentralen Fläche identifizieren. Auch die schon öfters diskutierte Fahrradbrücke wäre hier ein ganz wichtiges, verbindendes Element, die beiden Donauufer und Stadtteile würden so noch enger zusammenrücken. Die Kepler-Planetenseilbahn könnte direkt beim Pylon der Brücke eingebunden werden. Die Idee der Donauinsel wird mit jedem Gedanken positiver und dichter.

Wie engmaschig ist euer Donauinsel-Konzept bereits gestrickt?
Es ist noch fast alles offen. Die weitergehenden Fragen – etwa, wie sich die Donauinsel im östlichen Bereich mit dem Sportplatz des SV Urfahr auflöst, sind nun zu entwickeln. Der Donauarm soll aber auf jeden Fall flache Bereiche mit Wasserzugang haben. Die Donauinsel birgt die große Chance, die Donau zu den Menschen zu bringen. Gerade mit Kindern ist es aufgrund der Strömung gefährlich, direkt in der Donau zu baden. Hier könnte man einen ganz neuen Bereich schaffen. Wir könnten hier eine klassische Waterfront schaffen, zur Donau hin könnten Sitzstufen entstehen. Das alles wird nun noch detaillierter ausgearbeitet.

Wie bei jedem Projekt in Linz sind die obersten Fragen: ‘Was kostet das?’ und ‘Wer soll das bezahlen?’
Die Kosten zur Realisierung des Projekts lassen sich in diesem ersten Schritt natürlich noch nicht abschätzen, dazu fehlen zu viele Details. Visionen und große Ideen scheitern aber nie am Geld, sondern immer am Willen. Man muss daher nicht fragen ‘Was kostet das Projekt, wenn wir es machen’, sondern ‘Was kostet es, wenn wir es nicht machen?’

Wer soll alles eingebunden werden beim Projekt Donauinsel?
Als nächster Schritt arbeiten wir daran, dass die Bürger und die Öffentlichkeit unser Projekt ‘Reif für die Insel’ unterstützen und die Idee Rückenwind bekommt. Im Idealfall sind ALLE Gemeinderatsparteien als Unterstützer mit dabei, wir suchen offensiv den Kontakt mit allen. Auch Anrainer und Unternehmen wie das AEC oder die viadonau müssen mit an Bord, es finden auch bereits erste Gespräche statt.

Wurde bereits mit dem Jahrmarkt-Verantwortlichen als Hauptbetroffene gesprochen?
Natürlich ist auch die ARGE Urfahranermarkt einer unserer wichtigsten Ansprechpartner. Wie gesagt bliebe der Markt in voller Größe am derzeitigen Standort erhalten – ja mehr noch: Der ‘Jahrmarkt auf der Insel’ wäre für den Urfix ein absoluter USP!

Welche Nutzung des Areals könnte oder sollte es außerhalb der Jahrmarktzeiten geben?
Auf keinen Fall soll das Projekt ein Abklatsch der Wiener Donauinsel werden. Auch eine nächtliche Partymeile soll es hier auf keinen Fall geben. Das Thema Streetfood wäre aber sicher spannend. Es braucht viel Platz für neue Ideen und Sportflächen, hier sind der Input der Bevölkerung und die Wünsche der Stadt wichtig. Linz ist gefordert!

Was sind die nächsten Schritte?
Jetzt geht’s ans Eingemachte, Richtlinien und Normen müssen mitbedacht werden, bevor’s an die detaillierte Planung des Projekts geht. Die wichtigste Frage: Was ist möglich und was geht auf keinen Fall? Zudem sollen vorhandene Vorbehalte, Vorurteile und Ängste entkräftet werden. Die Idee soll in den Köpfen der Linzer verankert werden. Wir könne uns sogar einige medienwirksame aktionistische Aktionen vor Ort vorstellen – etwa einen fiktiven Spatenstich mit Bautafel, Schaufel und Bagger.

Und der weitere, mittelfristige Zeitplan?
Den echten Startschuss kann nur die Stadt Linz geben. Es kann sehr schnell gehen, aber wir haben jetzt mal genug an Hausaufgaben, um die Idee durchgehend griffig zu machen. Es kann aber auch sein, dass die Zeit für diese Idee noch nicht reif ist und wir einige Gemeinderatszyklen überspringen müssen. Wir hoffen, Bürgermeister Klaus Luger nimmt sich Zeit für diese Idee, die die Stadt ein großes Stück weiterbringen würde.

 

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