Eine Greenpeace-Verkehrsstudie für den Sondermüll

Auf dem vorletzten Rang reiht Greenpeace in seiner neuen “Studie” die Stadt Linz im Verkehrsranking der Landeshauptstädte. “Fußgängerunfreundlich, weil zu wenig Fußgängerzonen, zu wenige E-Autos, zu lange Öffi-Intervalle in den Nachtstunden” lauten die Haupt-Kritikpunkte. Explizit gelobt wird Linz hingegen wegen seiner hohen Parkgebühren. Mit Verlaub: Selten einen größeren Mist gelesen. Hier dürfte ein klassischer Schreibtischtäter am Werk gewesen sein.

“Ein Vergleich anhand sieben verkehrsrelevanter Kriterien” nennt Greenpeace sein 92-seitiges Werk etwas ungelenk – und genauso kommt das Pamphlet dann auch daher. Dass eine zweifellos anerkannte Umweltschutzorganisation sich an eine (eigentlich) komplexe Verkehrsstudie heranwagt, ist bereits fragwürdig genug. So wundert es auch nicht, dass im Papier mit den klassischen Vorurteilen nur so um sich geworfen wird. Linz sei “Fußgängerunfreundlich”, weil es zu wenig Fußgängerzonen gebe. Und zwar nur 0,179 Quadratmeter je Einwohner. Fein raus dagegen ist Bregenz mit 0,86 Quadratmeter Fußgängerzone je Einwohner. Was die Bevölkerungszahl mit den FUZO-Quadratmetern zu tun hat? Keine Ahnung, aber: Linz muss also mehr Fußgängerzonen bauen, damit sich mehr Leute per Pedes fortbewegen. Denn das geht bekanntlich nur dort. Genauso, wie man mit dem Auto auch nur auf Autobahnen fahren kann, weiß doch jeder.

Auch beim öffentlichen Verkehr – hier liegt Linz immerhin auf Rang 4 – bediente man sich einer sinnentleerten Methodik. Verglichen wurden nämlich u.a. die Anzahl der Öffi-Linien mit der Anzahl der Bewohner – absurder geht’s ja fast nicht mehr. Ja – in Linz gibt es vielleicht relativ wenige Straßenbahn- und Buslinien. Mehr würden aber bei einer Stadt, die stark Nord-Süd-orientiert ist, auch keinen Sinn machen. Spannender und weit aussagekräftiger wäre gewesen: das Alter bzw. die Umweltfreundlichkeit der eingesetzten Busse/Straßenbahnen oder die Anzahl der beförderten Passagiere je 1.000 Einwohner. Das hätte Sinn gemacht.

Der Preis der Jahreskarte wurde ebenfalls verglichen. Hier schnitt die 14.000-Einwohner-Weltmetropole Eisenstadt mit 95 Euro für die Jahreskarte am besten ab. Nur: Für gerade mal drei Linien kann man wohl auch nicht mehr verlangen – und absolut nicht ist dieser Preis mit jenem in Linz, Graz oder Wien ernstlich gegenüberstellbar. Auch der Vergleich eines Einzeltickets von Eisenstadt (ein Euro) mit Wien (2,20 Euro) ist bestenfalls oberflächlich, in Wirklichkeit aber dumm. Ein Cityrunner der neuesten Generation kostet eben mehr als ein Dorfbus.

Völlig abstrus wird das präsentierte Papier, wenn man sich vor Augen hält, dass Citys wie Eisenstadt (14.241 Einwohner), Linz (204.651 Einwohner) oder Wien (1,867 Millionen Einwohner) nicht in einen Topf geworfen werden können – schon gar nicht, wenn es den (öffentlichen) Verkehr betrifft. Das wäre in etwa so, als würde man die Anzahl der Linienflüge des Linzer Airports mit jenen in London-Heathrow vergleichen und zum Schluss kommen, dass der Linzer Flughafen Aufholbedarf hat.

Was Linz mit dieser Studie machen soll? Am besten ignorieren – oder wie es Greenpeace ausdrücken würde: Bitte fachgerecht auf der Sondermülldeponie entsorgen.

wilson holz

 

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