FC Blau-Weiß Linz Mitgliedschaft NEU: kein Mitspracherecht bei elementaren Fragen

Im Frühjahr 2017 wollte Erstligist FC Blau-Weiß Linz den Klub in einen “mitgliedergeführten Verein” umstrukturieren. Jetzt verriet Vorstandsmitglied Manfred Arthofer in einer Radiosendung erste Details: Eine echte, direkte Mitbestimmung bei elementaren Fragen ist nicht vorgesehen, dafür gibt es aber exklusive Fanutensilien und weitere spezielle Konditionen. Preislich liegt man mit der neuen Mitgliedschaft im deutsch-/österreichischen Spitzenfeld.

Erst “in den nächsten Wochen” sei man mit der Änderung der Satzungen durch, vorher könne man mit der Umsetzung der neuen Mitgliedschaft nicht starten, erklärt Rechtsvorstand Manfred Arthofer die halbjährliche Verspätung: “Das nehme ich auf meine Schulter, dass ich das ein bisschen zu leicht genommen habe.”
Einige Eckpunkte stehen aber bereits fest. So wird die klassische Mitgliedschaft 199,70 Euro pro Jahr kosten. Als besonderes Zuckerl ist hier der einmalige Besuch des VIP-Klubs bei einem Heimspiel im Stadion inkludiert. Auch Mitbestimmen werde man laut Arthofer vom ersten Tag an dürfen, allerdings nur bei nachrangigen Entscheidungen – etwa, wie die neue Dress aussehen soll.

1997 Euro für eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit
Ein  “erweitertes” Stimmrecht soll es erst nach drei Jahren Mitgliedschaft geben, der Verein will sich damit vor einer allfälligen feindlichen Übernahme schützen. Zudem entscheidet der Vorstand, wer Mitglied werden darf und wer nicht. Pro 100 zahlende Mitglieder soll eine (von den Mitgliedern gewählte) Person in den Vorstand entsandt werden. Neben der Jahresmitgliedschaft (199,70) Euro wird es auch eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit geben. Kostenpunkt: 1.997 Euro – angelehnt an das Gründungsjahr des Vereins (1997). Weiteres Zuckerl für alle zahlenden Mitglieder: Fanuntensilien, die es nicht am freien Markt zu erwerben gibt, Ermäßigungen auf das Jahresabo sowie ein jährlicher Event exklusiv für Mitglieder.

Linzer bei den Preisen Spitzenreiter
Preislich ist der FC Blau-Weiß Linz mit seiner Membership heimische Spitze: Bei Rapid Wien zahlt man für die Mitgliedschaft 100 Euro/Jahr, die lebenslange Mitgliedschaft kommt auf 1.899.-. Bei der Wiener Austria sind 65 Euro/Jahr zu bezahlen, Sturm Graz nimmt 100.- pro Jahr. Beim FC Wacker Innsbruck sind (inklusive Stimmrecht bei der Generalversammlung) 72 Euro pro Saison fällig – ein knappes Drittel von Linz.
In Deutschland sind Vereinsmitgliedschaften ebenfalls um einiges günstiger als bei den Blau-Weißen: Am meisten kostet diese bei Werder Bremen mit 168 Euro im Jahr, 100 Euro zahlen die rund 500 Vereinsmitglieder vom Bundesliga-Aufsteiger Leipzig, der FC Bayern nimmt 60 Euro.

England als Vorbild
Die Idee von echt mitgliedergeführten Vereinen ist zwar alt, hat sich bislang aber kaum wo durchgesetzt. Beim englischen Club Swansea etwa gehören 20 Prozent des Vereins den Fans, inklusive anteiligem Mitbestimmungsrecht. Positivstes Beispiel ist der FC United of Manchester, der in der sechsthöchsten englischen Liga spielt. Er gehört den Mitgliedern und wird demokratisch und finanziell verantwortlich geführt. Entscheidungen, die von den Mitgliedern getroffen werden, werden nach dem Prinzip „Ein Mitglied – eine Stimme“ entschieden.

“Echte” Mitgliedervereine: eine Idee, die in Europa zu kämpfen hat.
In Kontinentaleuropa schwächelt die Idee dagegen. Bei Fortuna Köln etwa wurde mit “deinfussballclub.de” ein ähnliches Projekt nach kurzer Zeit wieder eingestampft. Grund: “Abstimmen durften wir nur über Belanglosigkeiten”, sagt Fortuna-Fan Sascha Maurer. “Sobald es um ernste wirtschaftliche Entscheidungen ging, hat man mit allen Mitteln versucht, die Fans rauszuhalten”, ergänzt Anhänger-Kollege Rainer Lingmann.

Bleibt abzuwarten, wie sich das Projekt beim FC Blau-Weiß Linz entwickelt. Aber auch hier ist wohl abzusehen, dass allzugroße Fangelüste – etwa das Mitsprachrecht bei Trainerentlassungen oder Spielerverpflichtungen – verständlicherweise kaum umsetzbar sein werden. Sponsorenverträge oder wirtschaftliche Zahlen sind nicht unbedingt dazu geeignet, unter Fans in jedem Detail diskutiert zu werden – ebenso wenig wie Personalentscheidungen oder die Höhe von Spielergehältern.

 

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