Rauchen in der Gastronomie erst ab 22 Uhr als Kompromissvorschlag?

Günter Hager, Linzer Gastro-Legende und Bestsellerautor, redet im LINZA-Talk Klartext und spricht über sein neues Buch “Fucking Gastro Reloaded”: Nicht nur in Sachen Rauchverbot liefert der streitbare Wirt darin neue Lösungsansätze.

Günter Hager – Ihr erstes Buch „Fucking Gastro“ hat im Herbst 2016 eingeschlagen wie eine Bombe. Bitte um einen kurzen Rückblick.
Laut Thalia gibt es in Österreich nur eine Handvoll Buchautoren, die von sich behaupten können, dass sie 10.000 Bücher oder mehr verkauft haben. Von „Fucking Gastro“ wurden bereits über 12.000 Stück abgesetzt: Ein sensationeller Erfolg, der beweist, welchen Stellenwert die heimische Gastronomie bei den Menschen spielt. Die Resonanz war gewaltig, ich wurde zu dutzenden Lesungen eingeladen, unter anderem nach Riga und Frankfurt – oder jetzt gerade erst zur GAST in Salzburg.

Bewirkte Ihr erstes Buch bei der Politik irgendetwas – hat sich zum Beispiel die Bürokratie, mit der die Gastronomen ganz besonders zu kämpfen hat, gebessert?
Mir geht’s vor allem um eines: Die Wirtshauskultur ist es wert, dass man dafür kämpft. Gegen Kontrollen hat niemand etwas, aber es ist die Summe der Verordnungen und Vorschriften, die diesen Wahnsinn ausmachen. Denn am Ende des Tages bezahlt diesen Irrsinn und diesen Mehraufwand der Gast mit seiner Rechnung. Ich glaube schon, dass wir etwas bewegen  konnten. Wir haben zum Beispiel bei der möglichen neuen Regierung erste Impulse für die Gastronomie eingebracht – etwa beim Rauchverbot.

Was wäre denn aus Ihrer Sicht eine mögliche Lösung in Sachen Rauchverbot?
Da gibt es viele Ideen. Vorstellbar wäre zum Beispiel, das Rauchen nach 22 Uhr zu erlauben. Da isst niemand mehr im Lokal, die Jugendlichen sind auch bereits zuhause. Wenn man will, kann es einen guten Kompromiss geben. Teile der neuen Regierung sind da den Wirten bekanntlich auch im Wort.

Das heißt, Sie erwarten sich von Schwarz-Blau fix den Fall des ab Mai 2018 geplanten Rauchverbots?
Ja, das ist vor der Wahl versprochen worden und an Versprechen sollte man sich dann auch halten.

Ab 28.11. im Handel: Günter Hagers zweites Werk "Fucking Gastro reloaded"

Ab 28.11. im Handel: Günter Hagers zweites Werk “Fucking Gastro reloaded”

Und jetzt kommt „Fucking Gastro Reloaded“ – was ist an diesem Buch neu oder anders?
Im neuen Buch kommen unter dem Motto „Jetzt reden wir!“ andere Wirte, Kollegen, Gäste, Mitarbeiter und Lieferanten zu Wort. Sie berichten über ihre Erfahrungen in der Branche, mit Verordnungen, der Bürokratie und dem Alltag in der Gastronomie. Da sind Erlebnisse dabei, wo es einem die Haare aufstellt. Gleich zum ersten Buch ist, dass wir die Form der Kurzgeschichten beibehalten haben. Die Storys sind dabei von ganz kurz bis lang.

Haben Sie von den Kollegen viele Storys geschickt bekommen?
Ja, ich hätte drei Bücher füllen können. Was mich besonders nachdenklich stimmt: Der Großteil der Menschen, die mir ihre Geschichten geschickt haben, baten mich, anonym bleiben zu können. Kaum einer der Kollegen traut sich, seinen Namen öffentlich zu nennen, wenn er den Staat kritisiert, weil er dann besonders viele Prüfungen befürchtet. Die Leute haben blanke Angst –und das in einer Demokratie wie Österreich, unfassbar.

Ist Günter Hager im neuen Buch auch wieder als Autor vertreten?
Ja – etwa ein Viertel des Inhalts hab ich beigesteuert.

Im Buch kommen auch einige Gastro-Kollegen, die im Ausland tätig sind, zu Wort. Wie denken die über die Verhältnisse bei uns?
Die lachen über Österreich mit seinen irren Verboten und Gesetzen. Es ist kein Wunder, dass so viele gute Leute aus der Gastronomie ins Ausland gehen, weil sie dort richtig Gas geben und Geld verdienen können, während man bei uns wegen der vielen Vorschriften ständig mit einem Bein im Gefängnis steht.

Ihnen wird vorgeworfen, nur alles schlecht zu machen und zu jammern.
Absoluter Blödsinn, in Wirklichkeit ist unser Buch eine Vorlage für die neue Regierung, was in unserer Branche zu tun wäre. In „Fucking Gastro Reloaded“ werden sehr viele Lösungsansätze gleich mitgeliefert.

Was tut der Gastronomie neben dem geplanten Rauchverbot derzeit noch ganz besonders weh?
Warum muss Österreich bei der Gastronomie europaweit die härtesten Vorschriften und Gesetze haben, warum kann man nicht liberalere Lösungen andenken? Wir machen unsere Arbeit ja nicht aus Selbstzweck, sondern für die Gäste. Wenn jemand am Abend zur Entspannung eine Zigarre rauchem will, soll er das auch tun dürfen, ohne als Krimineller abgestempelt zu werden. Die völlig überzogene Allergene-Verordnung wurde ja auch wieder aufgeweicht. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Angeblich gab es bereits das eine oder andere Angebot an Gütner Hager, in die Politik zu wechseln. wäre das nicht was für Sie?
Nein, denn dann kann ich nicht mehr sagen, was ich mir denke. Ich fühle mich in meiner Rolle sehr wohl.

Und wann gibt er endlich eine Ruh’, der Hager? Vielleicht jetzt, nach dem zweiten Buch?
Das wird so schnell nicht passieren. Wenn es notwendig ist, schreibe ich auch noch ein drittes Buch.

Interview: wilson holz

Fucking Gastro Reloaded
19,90
300 Seiten
Erscheinung 01.12.2017
Erhältlich im Handel und unter www.guenterhager.at

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