(K)Eine Chance für eine Neuauflage des Linzer Bandenzaubers?

21 lange Jahre ist’s her, als das Linzer Fußballpublikum in der Winterpause mit einem top-besetzten Hallenturnier bei Laune gehalten wurde. Mit Krachern wie Dynamo Kiew, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Spartak Moskau, FC Santos, Rapid Wien, den Färöer Inseln oder Dynamo Berlin waren auch große Teams in der alten Linzer Sporthalle zu Gast. Seit 1998 herrscht aber Tote Hose in Sachen Bandenzauber. Linz ist aber keine Ausnahme – auch das Wiener Stadthallenturnier entschlummerte 2009 – ebenso wie in Graz, wo man 2005 das letzte Mal in der Halle aufgeigte.

Auch die Hallen sind mittlerweile in der Geiselhaft von Hooligans, Ultras & Co.: In der steirischen Landeshauptstadt sollte es im Vorjahr ein Comeback des dortigen Turniers geben, allerdings nur in einer ‘lauwarmen’ Version, weil der GAK nicht eingeladen wurde. Grund: mögliche Fan-Ausschreitungen. Dann hat man das Turnier aus Angst vor Tumulten ganz abgesagt. Der steirische Veranstalter Rudi Hinterleitner brachte es damals in einem Interview auf den Punkt: „Wir hatten 115 Polizisten und 30 Ordner vorgesehen. Trotzdem wären Sturm- und GAK-Fans zusammen ein völlig unkalkulierbares Risiko. Früher einmal hat‘s nach einem handfesten Aufeinandertreffen 15 Pflaster gebraucht, heute brauchst du fünf Chirurgen. Bitter.“

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Das Linzer Hallenturnier sorgte vor 21 Jahren für volle Ränge in der alten Sporthalle – an zwei Tagen kamen 8.000 Fans. (Foto: Holzleitner)

Was ist nur aus der Fanszene geworden: Auch in Wien oder Linz ist es mittlerweile  wohl undenkbar, dass Rapid- und Austria-Fans oder LASK- und Blauweiß-Anhänger mehr oder weniger friedlich nebeneinander in einer engen Halle sitzen und sich am Bandenzauber erfreuen. Ja, früher war das wirklich noch besser: Selbst die damals schon gefürchteten Eintracht Frankfurt-Fans verhielten sich in Linz vorbildlich, auch die Fanabordnungen von Rapid Wien präsentierten sich in der alten Sporthalle zwar lautstark, aber lammfromm. Was heute bei einem Hallenturnier in der TIPS-Arena abgehen würde? Man mag angesichts der im Wochenrhytmus präsentierten Bilder aus den Stadien nicht daran denken. Stichwort Pyrotechnik, Randale, Wurfgeschoße, Rauchbomben. So ist es keinem Veranstalter zu verdenken, dass niemand dieses Risiko auf sich nehmen will. Schade eigentlich: Wer will schon ständig wochenlang nur Marcel Hirscher oder flügellahme Skihupfer als Fußball-Ersatzprogramm?

R.I.P. – der Linzer Bandenzauber
Bereits in den 1970er-Jahren gab es dreimal ein großes Hallenturnier in Linz: Zweimal gewann der SK VOEST, einmal die Vienna. Die goldenen Jahre in Sachen Bandenzauber folgten aber in den 1980er-Jahren, als sich die stadteigene LIVA entschloss, nach Wiener Vorbild auch in Linz ein großes Hallenturnier zu organisieren: „Nach dem Internationalen Brucknerfest und der Ars Electronica hat Linz nun seine dritten Festspiele: Fußball-Festspiele“ – jubelte der damalige LIVA-Vorstandsdirektor Karl Gerbel.

Große Namen in der Linzer Sporthalle
Eingeladen werden sollten neben den oö. Top-Teams auch internationale Klubs mit klingendem Namen. Das Konzept ging auf: Die Sporthalle war an den beiden Turniertagen meist brechend voll, 8.000 Fans stürmten die Halle. Dabei waren u.a. Dynamo Kiew mit Superstar Oleg Blochin, DDR-Serienmeister Dynamo Berlin, Spartak Moskau, Hajduk Split, FC Zürich, Bayer Leverkusen, Feyernoord Rotterdam, Eintracht Frankfurt, 1860 München und sogar die Nationalmannschaft der Färöer Inseln (holten 1991 sogar den dritten Platz) verzauberten das Linzer Publikum. Dem Platzhirschen LASK gelang dabei kein einziger Turniersieg, die Fans trösteten sich aber mit den (emotional wohl viel wichtigeren) fünf von sechs Siegen im direkten Duell gegen die ungeliebten blau-weißen Stadtrivalen.

FC Linz: Turniersieg und Vereinsauflösung
Danach legte das Linzer Hallenturnier eine vierjährige Pause ein, um sich 1996 neu zu erfinden: Statt internationaler Teams waren nur mehr oö. Klubs (mit Ausnahme von Austria Salzburg) mit dabei. Just im Jänner 1997 – dem Jahr der Vereinsauflösung – sicherte sich der FC Linz bei der vorletzten Auflage den Hallentitel in der alten Sporthalle. Irgendwie war die Luft aber draußen, trotz gutem Besuch gab es auch viel Leerlauf. 1998 stieg das traditionelle Linzer Hallenturnier zum letzten Mal, als Sieger krönte sich der LASK mit einem klaren 6:2 Sieg gegen SV Ried.
2004 gab es von der Bundesliga das Projekt “Österreichischer Hallencup”, der auch in Linz Station machte. In der TIPS Arena siegte der LASK, die Idee einer eigenen Hallenmeisterschaft wurde aber mangels Interesse von der Bundesliga, vor allem aber der Zuschauer, nicht weiter verfolgt.

 

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