Die Hauptstraße in Urfahr könnte schon heuer “LKW-frei” werden

Ein klares Ergebnis brachte das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Neugestaltung der verkehrsbelasteten Urfahraner Hauptstraße: Fast 65 Prozent wünschen sich eine Begegnungs- oder Fußgängerzone, lediglich 19,1 Prozent wollen die Hauptstraße in ihrer derzeitigen Form erhalten. Die Linzer ÖVP will als Gegenmodell die Verlegung der Straßenbahn durch die gesamte Länge der Hauptstraße. Jetzt ist die Politik am Zug: “Läuft alles glatt, könnte es in zwei bis drei Jahren zur Umsetzung kommen”, sagt der zuständige Stadtrat Markus Hein. Positiv: Bereits heuer soll der LKW-Verkehr (über 3,5t) aus der Hauptstraße verbannt werden.

Seit 25 Jahren leiden die Anrainer, aber auch Gewerbetreibende wie die Gastronomie unter dem massiven Durchzugsverkehr auf der Hauptstraße. Nach einem Vierteljahrhundert Stillstand kommt jetzt aber endlich Bewegung rein: Im Rahmen eines umfassenden Bürgerbeteiligugungsverfahrens, in dem Anrainer und Wirtschaftstreibende an möglichen Lösungen mitarbeiten und dann abstimmen konnten, setzen sich der Vorschlag einer Fußgängerzone mit 41,37 Prozent klar durch. Am zweitöftesten wurde eine Begegnungszone gewünscht (22,39 Prozent). Für eine “Verkehr light”-Variante stimmten 14,06 Prozent. Ein Beibehalten der aktuellen Situation wollen 19,08 Prozent.

“Ich hoffe, dass alle Parteien dieses so wichtige Projekt aus dem täglichen Hickhack heraushalten und das Ergebnis dieser vorbildlichen Bürgerbefragung anerkennen. Das Projekt setzt neue Maßstäbe in Linz. Hier müssen alle an einem Strang ziehen, statt den 25 Jahre langen Stillstand weiterzuführen”, sagt Stadtplaner und NEOS-Fraktionsobmann Lorenz Potocnik, der ebenfalls hinter dem Projekt steht. Auch von der SPÖ und den Grünen soll es eine zarte, aber grundsätzlich positive Zustimmung zum Projekt geben.

Erfolgsmodell Landstraße als Vorbild
Dass eine Fußgängerzone ein absolutes Erfolgsmodell ist, beweist die Linzer Landstraße. Seit der Einführung einer FUZO stieg dort die Passantenfrequenz stetig, die Landstraße ist heute österreichweit die am zweitmeisten frequentierte Einkaufsstraße: 263.406 Menschen werden hier pro Woche gezählt, während es auf der Hauptstraße in Urfahr lediglich 49.945 sind.

Markus Hein vor den Entwürfen der Neugestaltung der Hauptstraße Urfahr

Markus Hein vor den Unterlagen des Bürgerbeteiligungsprozesses für die Hauptstraße Urfahr

Hauptstraße: LKW-Fahrverbot ab Ende 2018
Die Kosten für eine Fußgänger- oder Bewegungszone in der Hauptstraße blieben relativ überschaubar: Architekt Matthias Seyfert rechnet “ganz grob mit etwa 300.000 Euro.” Dieselbe Summe wird in den vollwertigen Ausbau der (nur sehr gering verbauten) Reindlstraße fließen, der noch heuer über die Bühne gehen soll. Zeitgleich wird dann auch ein LKW-Fahrverbot in der Hauptstraße erlassen, um dieses dicht besiedelte Gebiet entlasten zu können. Auch die ab Herbst zu bauende Westring-Brücke wird Urfahr um bis zu 50 Prozent von Schwerverkehr befreien.

IG Hauptstraße: “Endlich ein Zentrum für Urfahr schaffen”
Einer der Fürsprecher für eine Neugestaltung ist auch Erwin Schodka, Wirt des Lokals “Hasenstall” und Sprecher der IG Hauptstraße: “Es gehört endlich und ohne Verzögerung eine Fußgängerzone eingerichtet. Sehr viele meiner Stammgäste sind aus dem Grätzel hier und es gibt fast keinen, der das nicht auch so sieht. Damit wäre der unzumutbare Verkehr aus der Hauptstraße draußen und wir können endlich einen adäquaten Mittelpunkt für den Stadtteil Urfahr schaffen.”

Erwin Schodka, Sprecher der IG Hauptstraße: "Wir werden seit 25 Jahren von der Politik hingehalten."

Erwin Schodka, Sprecher der IG Hauptstraße: “Wir werden seit 25 Jahren von der Politik hingehalten.”

Straßenbahnführung durch gesamte Hauptstraße als Gegenentwurf
Es gibt aber auch Kritik an einer Fußgänger- oder Begegnungszone: Die Linzer ÖVP fordert ein – freilich langwieriges und sehr schwierig umsetzbares – “Gesamtkonzept für Urfahr”, an deren Ende eine Verlegung der Straßenbahn auf die gesamte Länge der Urfahrener Hauptstraße stehen soll. “Das würde einen echten Frequenzschub, eine Belebung im öffentliche Raum sowie eine Aufwertung für die Wirtschaft bedeuten”, sagt Martin Hajart von der ÖVP Linz.

WKOÖ-Spartenobmann Leo Jindrak:

WKOÖ-Spartenobmann Leo Jindrak: “Kunden bleiben aus”

Kritik kommt auch von Leo Jindrak, Konditor und Spartenobmann der WKOÖ, der einen Filialstandort in der Hauptstraße hat: „Fallen so viele Parkplätze weg, verschlechtert sich die Belieferungsmöglichkeit der Geschäfte massiv, finden Kunden noch schwieriger Parkplätze und bleiben dann aus.” Die WKOÖ wünscht sich “keine Schnellschüsse und Experimente”. Befürchtet werden zudem “massive Einschränkungen und Verbote beim grundsätzlichen Zufahren, Durchfahren, Be- und Entladen sowie beimHalten und Parken bei einer Fußgängerzone.”
Dieselben Ängste und Argumente gab es in noch viel massiverer Form in den 1970er-Jahren, als die Fußgängerzone auf der Landstraße eingerichtet wurde. Dennoch würde sich heute in der zweitbeliebtesten Einkaufsstraße Österreichs wohl die Autokolonnen zurückwünschen…

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