“Probleme sollen die anderen sehen, ich bin lösungsorientiert”

Seilbahnen, Brücken, die zweite Schienenachse, Wohnbau, LASK-Stadion: In Linz sind derzeit viele Infrastruktur-Projekte im Gespräch. Höchste Zeit für ein Update mit dem zuständigen Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein.

Markus Hein – das Vorhaben des LASK, in Pichling ein neues Stadion zu errichten, schlug hohe Wellen. Wie sehen Sie dieses Projekt? 
Ich stehe dem Stadionprojekt am Standort Pichling positiv gegenüber. Man wird sicher noch die eine oder andere Adaptierung machen müssen, aber bis jetzt gibt es ja nur einen ersten vagen Entwurf, fix ist noch gar nichts.

Die Idee, die dort geplanten 3.000 Parkplätze zusätzlich als Park-and-Ride-Fläche quasi doppelt zu nutzen, scheint problematisch. Die dazu nötige S-Bahn-Station liegt auf der anderen Seite des Pichlingersees.
Das lässt sich lösen – und noch dazu in einer wirklich visionären Form: Angedacht ist hier ein tolles Pilotprojekt. Zwischen Bahnstation Pichlingersee und dem Parkplatz könnten autonome Busse als Zubringer verkehren.

Das würde aber auch ein nochmaliges Umsteigen bedeuten. Entwertet so etwas nicht die Park-and-Ride-Idee?
Das denke ich nicht, denn auch in anderen Städten klappt das Umsteigen sehr gut – etwa in Wien: Wenn man dort mit der U-Bahn unterwegs ist, fragt keiner, wie oft man von einer Linie in die andere umsteigt. Natürlich ist ein gewisser Komfortnachteil da, aber wenn ich die Wahl habe, mit der S-Bahn innerhalb von sieben Minuten in der Innenstadt zu sein oder mit dem Auto in 30 oder 45 Minuten, nimmt man so etwas sicher gern in Kauf.

Die direkte Nähe des Stadions zum Naherholungsgebiet Pichlingersee stört Sie nicht? Wie zu hören war, bilden sich bereits erste Bürgerinitiativen, die das Projekt aus genau diesem Grund verhindern wollen. 
Ich glaube, man sollte nicht sofort gegen alles sein. Es gibt bisher ja nicht viel mehr als einen ersten Entwurf, wo das Stadion stehen könnte. Gleich jedes Projekt sofort totzureden und nur die negativen Seiten zu sehen, ohne alle Details zu kennen, halte ich für eine absolute Unkultur. Solange keine konkrete Planung vorliegt, werde ich mich persönlich jedenfalls nicht negativ zum Stadionprojekt äußern. Probleme sollen die anderen sehen, ich bin eher lösungsorientiert.

Kann man das so festhalten: Seitens Ihrer Fraktion wird es eine Zustimmung zur Umwidmung und somit auch zum Projekt LASK-Stadion in Pichling geben?
Aus meiner Sicht ja. Wenn es ein neues Stadion in Linz geben sollte, ist der Stadtrand die beste Lage – und hier wiederum ist der Linzer Süden am besten geeignet.

Bleibt noch die Finanzierung: LASK-Boss Siegmund Gruber geht von einer Mitfinanzierung der Stadt in Höhe von zehn Millionen Euro aus, er beruft sich auf einen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2007, wo dem Verein im Falle eines Stadionbaus ein Zuschuss in dieser Höhe zugesagt wurde. Ist das angesichts der komplett leeren Stadtkassen nicht illusorisch?
Der Antrag kam seinerseits von der SPÖ. Wenn man solche Zusagen macht, muss man halt auch die Konsequenzen bedenken – und dass diese irgendwann völlig zurecht eingefordert werden. Ein Gemeinderatsbeschluss ist ja nicht irgendetwas, daher ist sehr wohl zu überlegen, ob man zu seinem Wort steht.

Man könnte unter dem Motto “Was schert uns das Geschwätz von gestern?” auch argumentieren, dass es heute einen anderen Bürgermeister und andere Stadträte gibt, die sich aufgrund der finanziellen Situation nicht an diesen Beschluss gebunden fühlen.
Das ist aus meiner Sicht keine gültige Argumentation, denn dann würde die Politik noch unglaubwürdiger, als sie es ohnehin schon ist. Die Zusage kam damals ja nicht von Bürgermeister Franz Dobusch oder der zuständigen Stadträtin Dolezal, sondern vom Gemeinderat mit einer entsprechenden Mehrheit.

Markus Hein vor den Entwürfen der Neugestaltung der Hauptstraße Urfahr

Markus Hein vor den Entwürfen der Neugestaltung der Hauptstraße Urfahr – ebenfalls ein großes aktuelles Infrastruktur-Projekt.

Es wurde damals im Gemeinderat beschlossen, dass diese Zuschuss-Zusage auch für den FC Blau-Weiß Linz gilt, falls dieser auch ein neues Stadion bauen will. Mit welchem Argument könnte man dann dem anderen Klub verwehren, das marode Donauparkstadion zu sanieren?
Wenn es damals die Zusage in dieser Form gab, ist nachzudenken, wie man diese auch einhält. Alles andere ist unglaubwürdig und unseriös.

Ein weiteres großes Infrastruktur-Thema betrifft die Nachnutzung des Jahrmarktgeländes. Jetzt gab es einen Ideenwettbewerb, aber laut Bürgermeister Klaus Luger immer noch keine Roadmap, bis wann sich hier was tut. Für den Sommer 2018 ist der Zug wohl abgefahren, die Fläche wird ungenutzt bleiben.
Man hätte es vielleicht klarer kommunizieren müssen, dass diesen Sommer noch nichts passieren wird. Es sind aber sicher einige Ideen dabei, die umgesetzt werden können. Klar ist aber: Groß gebaut werden kann und darf hier nichts.

Warum gibt es keine Ideen oder Pläne, das Jahrmarktgelände bereits diesen Sommer niederschwellig zu nutzen – etwa mit aufgeschütteten Beachvolleyball-Plätzen und einen ‘Beach-Market’ mit Streetfood-Ständen? Oder einer Probierfläche, auf der man Ideen einfach zulässt und ausprobiert?
Das müsste man den zuständigen Marktreferenten Bernhard Baier von der ÖVP fragen, denn niemand hindert ihn daran, tätig zu werden. Aber leider kam von dieser Seite bis heute leider nichts. Ich bin jedenfalls offen für alles. Auch wenn diesen Sommer heuer noch nicht viel passieren wird: Aus meiner Sicht ist auch das besser als die Fläche weiter als kostenlosen Innenstadt-Parkplatz zu nutzen.

Was wäre denn aus Ihrer Sicht machbar oder passend für das Gelände?
Der Sommer 2018 ist gelaufen. Für die Wintermonate wäre es spannend, eine Eislauffläche mit einem Hüttendorf anzudenken. Man könnte etwa den Jahrmarkt-Wirt Patrick Stützner mit seiner zweistöckigen Donaualm-Holzhütte einbinden. Das alles müsste wegen der Vorlaufzeit aber bald passieren. Vielleicht wird der zuständige Herr Marktreferent diesbezüglich ja noch tätig. Auch das erfolgreiche “Ufern”-Fest könnte man hierher verlegen oder erweitern, weil die Fläche am Steinmetzplatzl mittlerweile viel zu klein ist.

In Sachen Seilbahn sind derzeit zwei Projekte im Gespräch. Eine davon nennt sich ‘Kepler-Planetenseilbahn’ und soll privat finanziert werden. Wie stehen Sie zu dieser Idee?
Das Projekt gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Sie wäre auch ein toller Beitrag zur Aufwertung des Linzer Tourismus. Eine Seilbahn in Form von Planeten, die über die Donau hinweg zwischen den diversen Kultureinrichtungen pendelt, wird man weltweit wohl sehr lange suchen müssen. Linz hätte durch eine Privatinitiative die Chance, dieses einmalige Projekt zu realisieren.

Experten sagen, dass nicht die Errichtung, sondern der Betrieb der Planetenseilbahn kaum zu finanzieren sein wird. Wie sichert sich die Stadt gegen etwaige Millionen Verluste im Betrieb ab?
Dieses Thema fällt zwar nicht in meine Zuständigkeit, aber klar ist, dass vom Errichter Sicherheiten eingefordert werden müssen, dass die Stadt im Falle eines Flops nicht auf dem Betriebsabgang und der nachfolgenden Demontage sitzenbleibt. Da muss es eine vertragliche Regelung inklusive Besicherung in Form einer Bankgarantie geben, denn auch Betriebsgesellschaften können in Konkurs gehen und der Vertrag wäre nicht mal sein Papier wert. Die Stadt selber kann und soll diese touristische Einrichtung zudem auf keinen Fall selber betreiben, ich rate jedenfalls davon ab.

Das zweite Seilbahnprojekt kommt von Ihnen und soll den Linzer Süden entlasten. Zur Trassenführung gibt es bereits erste Ideen und Wünsche. 
Der erste Schritt ist eine Verbindung zwischen den Süden und dem Industriegebiet, der zweite Schritt wäre eine Weiterführung über die Donau zum Pleschingersee, wo Flächen für eine große Park-and-Ride-Anlage zur Verfügung stünden. Wichtig ist auch die geplante Einbindung der S1 und der S6. Der große Vorteil beim Umsteigen auf eine Seilbahn: Es gibt keine Wartezeiten, weil ständig eine Kabine zur Verfügung steht. Ein weiterer großer Punkt ist eine Anbindung an die Innenstadt, wobei eine Streckenführung über bewohntes Gebiet mit großen Hürden behaftet ist.

Wie stehen die Linz Linien zu diesem Projekt ?
Mit der LINZ AG gab es noch keine konkreten Verhandlungen. Wir schauen jetzt erstmal die Eckpunkte wie Kosten, mögliche Strecke und Behördenverfahren an. Die Geschäftsführung der Linz Linien steht der Idee aber, soweit ich das herausgehört habe, positiv gegenüber. Klar ist: Ohne Zusammenarbeit mit den Linz Linien ist das Projekt aus meiner Sicht nicht umsetzbar.

Von welchen Kosten und welchem Zeitplan sprechen wir bei diesem Seilbahnprojekt überhaupt?
Ganz grob kann man davon ausgehen, dass eine Umlaufseilbahn, wie man sie aus Skigebieten kennt, ohne Donauquerung zum Pleschingersee in etwa auf 50 Millionen Euro käme. Eine 3-S-Seilbahn, die wesentlich windstabiler und frequenzstärker wäre, käme auf den dreifachen Betrag. Kostenintensiv ist nicht die Seilbahn an sich, sondern die Haltestellen mit ihrer Infrastruktur wie Rolltreppen und sanitäre Einrichtungen. Und zur Frage des Zeitplans: Diesen gibt es im aktuellen Projektstadium naturgemäß noch nicht.

Bild eines "3S-Seilbahnsystems" des Unternehmens Doppelmayr, wie es auch bald in Linz verkehren könnte. (Foto: Doppelmayr)

Bild eines “3S-Seilbahnsystems” (in Lushan/China) des Unternehmens Doppelmayr, wie es auch bald in Linz verkehren könnte. (Foto: Doppelmayr)

Was ist eigentlich mit der zweiten Schienenachse passiert? Seit einigen Monaten herrscht hier völlige Funkstille – so zumindest der Eindruck. Wann gibt es hier eine Entscheidung über die Streckenführung?
Geplant wird seitens der Stadt nur die unterirdische Streckenführung, weil es vom Verkehrsfluss gar nicht anders geht. Wir würden nicht nur den Individualverkehr zum Stehen bringen, sondern auch die gesamten Ost-West-Buslinien. Wir haben uns mit dem Land darauf geeinigt, die Finanzierungsgespräche heuer so weit abzuschließen, dass wir 2019 zumindest mit der Generalplanung beginnen können.

Was bedeutete das für den weiteren Zeitplan?
Von der Generalplanung bis zum Baubeginn vergehen zumindest drei Jahre, im günstigsten Fall können wir 2023 mit dem Bau beginnen. Der Bau selbst beansprucht dann um die sechseinhalb Jahre. Vor 2030 wird die neue Straßenbahn also nicht fahren.

Letzte Frage: Wann und wo standen eigentlich Sie zuletzt im Stau?
Als häufiger Straßenbahnnutzer ist das bei mir fast unmöglich. Das letzte Mal im Stau stand ich daher nicht in Linz, sondern auf der Tauernautobahn am Weg nach Kärnten.

 

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