“Das Ganze riecht schon nach altem Fett”: Nicht nur der Parkplatz, auch der Urfahraner Jahrmarkt braucht eine Neukonzeption

Über eine Neugestaltung des Jahrmarktgeländes wird bereits heftig diskutiert. Der zweimal stattfindende “Urfix” soll aber in seiner aktuellen Form unangetastet bleiben – dabei ist genau der das eigentliche Problem. Trotz allem Jubel zum 200. Jubiläum war der Zulauf eher mäßig – und das lag nicht nur am Wetter. Gerade jetzt nach der Sperre des Geländes als Parkplatz ist es höchst an der Zeit, auch dieses Volksfest neu anzudenken, statt sich ständig hinter dem Begriff Tradition zu verstecken.

Der zweimal stattfindende Jahrmarkt erinnert mittlerweile an ein Kuriositätenkabinett, das unter dem Vorwand “Tradition bewahren” vor jeder Neuerung geschützt ist. Da ein Standl mit Jagdmessern und Pfefferspray, daneben gibts Mieder und Bundesheersocken, ein Stück weiter ein Inder mit offensichtlich gefälschter Markenmode. Und gleich daneben preist ein dicker Mann ein Wundermittel für eine glänzende Auto-Kühlerhaube an.

Auf dem ohnehin beengten Gelände stehen dafür gleich drei riesige Autodroms (“aus historisch gewachsenen Gründen”, wie es seitens der ARGE Urfahranermarkt heißt), die sich um die wenigen Fahrgäste duellieren. Auch die seit gefühlten Jahrzehnten am besten Platz aufgestellte Wasserbahn dreht mit großteils leeren Booten ihre Runden – kein Wunder, Anfang Oktober will sich niemand nasspritscheln. Dafür gibt es nur mehr ein einziges Festzelt, eine Konkurrenz beim Angebot oder den Preisen fehlt damit komplett. Die Messezelte im hinteren Bereich des Jahrmarktgeländes lassen keinerlei Thema oder Richtung mehr erkennen, hier findet sich mittlerweile ein Sammelsurium an Glücksrittern und Händlern mit Entsaftern, Wunder-Küchengräten und weiteren “Neuheiten”, die vielleicht auf den Kirtag in Klaffer passen, aber nicht hierher. Mit einer “Herbstmesse” hat das – selbst bei allergrößter Liebe zum Urfix – nichts mehr zu tun.

“Das Ganze riecht schon nach altem Fett”
Geteilt sind die Meinungen der Stadtpolitik, was eine Neukonzeption betrifft: “Der Urfahraner Markt soll im Wesentlichen so bleiben, wie er ist”, erteilt Bürgermeister Klaus Luger einer möglichen Neuausrichtung eine Absage. Detlef Wimmer von der FPÖ meint: “Soweit es für eine konkrete Nutzung nötig und rechtlich zulässig ist, soll man über eine Neukonzeption nachdenken.”
“Der Urfahrmarkt ist gelebte Linzer Tradition und sollte keinesfalls irgendwelchen Experimenten ausgesetzt sein. Nachdenken kann man aber über alles”, sagt Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP). Stadträtin Eva Schobesberger von den Grünen: “Über Weiterentwicklungen nachzudenken kann grundsätzlich nicht schaden.” Und Lorenz Potocnik von den NEOS: “Das Ganze riecht schon nach altem Fett und immer gleicher Zuckerwatte. Ich glaube aber, dass die Neukonzeption des Jahrmarktes nicht Job der Politik ist.”

Das Jahrmarktgelände aus der Vogelperspektive (Foto: Pertlwieser/PTU)

Das Jahrmarktgelände aus der Vogelperspektive (Foto: Pertlwieser/PTU)

Bereits 2007 hätte hier eine parkähnliche Anlage entstehen sollen
“Auf 12.600 Quadratmetern entsteht im westlichen Teil des Jahrmarktgeländes ein neuer großer Park“ kündigte 2007 eine von SP-, FP- und grüner Gemeinderatsfraktion initiierte Presseaussendung verheißungsvoll an. Ziel war damals „so viel Fläche wie möglich zu begrünen“. Übriggeblieben ist von diesen ursprünglichen Plänen leider nichts: Öde Flächen mit ein paar verdörrten Grasbüscheln bestimmen die Szenerie.

Eine Neugestaltung der Fläche bei gleichzeitiger Neukonzeption des Urfix – etwa mit einem neuen Flächenkonzept ohne Hallen – würde Sinn machen und mehr Möglichkeiten einer echten Umgestaltung bieten. Aber wetten: Man traut sich wieder nicht, am Ende wird wieder eine “österreichische” Lösung herauskommen – wie beim aktuellen “Parkverbot”. Immer noch stehen hier täglich bis zu 200 Autos, weil das AEC diese Anzahl an Parkplätzen bewilligt bekam, aber keiner kontrolliert, wer hier wirklich parkt…

 

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