Klimaschutz: Den Linzer Beton- und Steinwüsten wird jetzt der Kampf angesagt

Hauptplatz, Pfarrplatz, Domplatz, AEC-Freifläche – die Neugestaltung vieler Linzer Plätze erschöpfe sich in der Vergangenheit in asphaltierten oder mit Steinplatten ausgelegten Flächen, die gerade im Sommer zu wahren “Heißluftschleudern” werden. Bodentemperaturen von bis zu 60 Grad – wie etwa jetzt am Jahrmarkteglände gemessen – sind keine Seltenheit – und das wird wohl noch viele Jahre so bleiben. Jetzt kommt aber von mehreren Seiten Wind in die Sache.

Zurück geht die “Versteinerung” der Innenstadt übrigens auf Ex-Bürgermeister Franz Dobusch: Er wollte keine Bänke und Sitzgelegenheiten, aus Angst, dass sich Sandler niederlassen. In anderen Städten gibt es Brunnen, Bänke, Kioske und echte Orte der Begegnung. Löblich: Dobusch-Nachfolger Luger will Linz jetzt zur “Klimastadt” machen, wirkliche Schritte dazu gab oder gibt es von ihm aber noch nicht.

Stadtentwickler und NEOS-Mann Lorenz Potocnik am Jahrmarktgelände, das im Sommer zur echten "Heißluftschleuder" wird.

Stadtentwickler und NEOS-Mann Lorenz Potocnik am Jahrmarktgelände, das im Sommer zur echten “Heißluftschleuder” wird.

Jahrmarktgelände: Stillstand soll gebrochen werden
Das aktuellste Beispiel ist das Gelände des Urfahranermarkt Jahrmarkts. Vor knapp zwei Jahren wurde die 70.000 Quadratmeter große, bis dahin als Parkplatz genutzte Fläche gesperrt. Seitdem passiert nichts mehr. Das asphaltierte Areal sorgt gerade jetzt im Sommer für eine enorme Hitzeentwicklung, die das gesamte Stadtklima beeinflusst. Eine eigens eingesetzte Zukunftswerkstatt für die Nachnutzung hat zwar die Arbeit aufgenommen, es fehlen aber nicht nur erste Ergebnisse, sondern auch eine klare Road Map: „Bis es zur Umsetzung einer Idee kommt, vergehen vielleicht noch weitere sieben oder acht Jahre. Es braucht unbedingt klare Zielsetzungen mit einem Zeitplan, das Projekt versandet sonst wie leider viele andere“, sagt Stadtentwickler und NEOS Linz-Fraktionsobmann Lorenz Potocnik.
Er fordert zudem die sofortige Ermöglichung einer Zwischennutzung des Geländes. „Die acht Fußballfelder große Stadt direkt an der Donau darf den Menschen nicht noch viele Jahre weiter vorenthalten werden.“

Pfarrplatz & Lutherplatz: Ideenlose Leere und jede Menge heiße Luft
Ein anderes – leider ebenfalls schlechtes – Beispiel ist der noch relativ neue Martin-Luther-Platz zwischen Mozartkreuzung und Vereinshaus: vier große Bäume mussten einer öden Steinfläche weichen. Gepflanzt wurden bei der Neugestaltung drei dürre Bäumchen ohne zusätzliche Grünfläche, zudem fehlen Sitzgelegenheiten. Seitens der Stadtplanung sieht man die Neugestaltung hingegen als gelungen: “Die gesamte Platzgestaltung erfolgte mit dem Ziel, dem Vorplatz der Evangelischen Kirche einen möglichst kommunikativen Charakter zu verleihen.”
Ein ähnliches Bild bietet sich am Pfarrplatz, der 2007 im Zuge eines Tiefgaragenbaus neu gestaltet wurde: viel Stein und Leere, keine Grünflächen, aber nur einige wenige Sitzgelegenheiten direkt an der Durchzugsstraße prägen den Platz.

Altstadt: Noch mehr Stein & Beton statt Grün
Jüngste Errungenschaft: der “Lichtbrunnen” am Hofberg in der Altstadt. Hier hätte ein großer Baum (oder ein Wasserbrunnen) das Klima enorm positiv beeinflussen können, stattdessen wurde eine fast neuen Meter hohe Stahl-/Steinskulptur in eine ohnehin schon öde Steinwüste gepflanzt.

Der "Lichtbrunnen" in der Linzer Altstadt

Der “Lichtbrunnen” in der Linzer Altstadt

Hein: Mehr Bäume in die Stadt
Auch Vizebürgermeister Markus Hein will sich dieses Problems annehmen: “Auf eine Begrünung wurde auf Linzer Plätzen oft fast gänzlich verzichtet, vielleicht auch aufgrund der günstigeren Pflege. Gestaltungen dieser Art rächen sich natürlich besonders an Hitzetagen im Sommer. Die Steinflächen speichern über den Tag die Wärme und geben diese am Abend frei, sodass ein wirkliches Abkühlen über Nacht nicht mehr möglich ist. Wir werden uns nun vermehrt um Baumalleen entlang der Straßen kümmern.“
Ziel sei, den Linzern eine bessere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu bieten. Während es beispielsweise bei Privatbauten seit langem vorgesehen ist, dass nach jedem fünften Parkplatz ein Baum gepflanzt werden muss, gilt dies nicht für den öffentlichen Raum. Diese Vorgabe will Hein nun ändern.

Vizebürgermeister Markus Hein.

Vizebürgermeister Markus Hein will mehr Grün in die Stadt bringen.

Für Hein ist es auch vorstellbar, dass man einige innerstädtische Parks über grüne Adern verbinden könnte. “Wo Platz ist, sollen Straßenzüge von Bäumen flankiert werden. Solche Alleen haben bereits in der Antike zur Gestaltung von Freiräumen und zur Betonung von Wegachsen ihre Verwendung gefunden.” Alleen würden nicht nur den öffentlichen Raum aufwerten, sie haben auch eine kühlende Wirkung.

Linzer Grüne: EU-Projekt soll Klimaszenarien für Linz untersuchen
Bei den Grünen ist man derzeit noch am Prüfen der Auswirkungen: Welche Klimaszenarien für Linz in den nächsten Jahrzehnten realistisch sind und welche Anpassungsmaßnahmen die städtische Überhitzung reduzieren können, wird derzeit im Rahmen des EU-Projekts CLARITY untersucht. Linz ist dabei eine von vier Schwerpunktregionen zur Entwicklung von Maßnahmen gegen städtische Überhitzung. 

 

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