LASK-Pressesprecher als “Outwachler” bei Lokalrivalen

LASK-Pressesprecher Lino Heiduck hat ein Hobby: Als Schieds- und Linienrichter ist er bis in die Regionalliga Mitte hinauf im Einsatz. Eine besonders pikante Situation ergab sich letztes Wochenende: Heiduck stand beim Derby Blau-Weiß Linz gegen Vorwärts Steyr an der Linie. Pikant deshalb, weil die LASK-Amateure ebenfalls in derselben Liga spielen. Das Problem der Befangenheit sehen die Verantwortlichen nicht, manche Fans naturgemäß schon. Die Leistung an der Linie war jedenfalls tadellos.

Seit dem Vorjahr ist Lino Heiduck als LASK-Pressesprecher aktiv, zuvor hatte er dieselbe Position beim FC Pasching inne. Seine Schiedsrichterkarriere begann Heiduck bereits 2008. Der 21-Jährige pfeift derzeit noch in der OÖ Liga, aber als Schiedsrichter-Assistent (Linienrichter) ist Heiduck auch in der Regionalliga im Einsatz. Wie jüngst beim Regionalliga-Derby zwischen Blau-Weiß Linz und Vorwärts Steyr. Das wirft natürlich Fragen auf: Wie kann es sein, dass der Pressesprecher eines Regionalliga- (SPG Pasching/LASK) und Bundesligaklubs (LASK) als Teil des Schiedsrichterteams Spiele von Ligakonkurrenten leitet?

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Blau-Weiß Linz Sportchef David Wimleitner

Unauffällige Leistung beim Derby
Die Schiedsrichterleistung beim Spiel Blau-Weiß Linz gegen Vorwärts Steyr ist als unauffällig zu bezeichnen, dennoch war man sich bei den Linzern über die Brisanz der Schiedsrichterbesetzung bewusst. David Wimleitner, Sportchef des FC Blau Weiß Linz: “Die  Thematik wurde unsererseits nicht öffentlich angesprochen, da wir den Druck auf die Unparteiischen bei diesem Derby nicht unnötig erhöhen wollten. Wir gehen prinzipiell von einer professionellen Einstellung der Schiedsrichter bzw. deren Assistenten in der Regionalliga Mitte aus, vertrauen in diesem Zusammenhang der Schiedsrichter-Kommission und haben speziell Lino Heiduck als absolut fairen Sportsmann kennengelernt.”

OÖFV-Sprecher Raphael Oberndorfinger

OÖFV-Sprecher Raphael Oberndorfinger

OÖFV: “Verflechtungen unvermeidbar”
Beim OÖ Fußballverband sah man im konkreten Fall keine Gefahr der Befangenheit. Raphael Oberndorfinger, OÖFV-Sprecher: „Gewisse Naheverhältnisse zwischen Schiedsrichtern und Vereinen oder deren Akteuren sind aufgrund von privaten oder beruflichen Verflechtungen unvermeidbar. Daher wird im Vorfeld von der Kommission Schiedsrichter auch eingehend geprüft, ob es zu einer tatsächlichen Unvereinbarkeit kommt. Diese konnte im Fall von Lino Heiduck nicht festgestellt werden.” Daher gab es folglich auch keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Strafausschusses, sofern dieser mit einem Einspruch eines Vereins konfrontiert werden sollte. “Wir können versichern, dass für jeden Schiedsrichter im oberösterreichischen Fußballwesen Objektivität die oberste Maxime ist“, so Oberndorfinger.

OÖFV-Schiedsricher-Kommission-Vorsitzender Thomas Prammer

OÖFV-Schiedsricher-Kommission-Vorsitzender Thomas Prammer

Schiedsrichter-Vorsitzender Prammer: “Nahverhältnisse sind meldepflichtig”
Ins selbe Horn stößt auch Thomas Prammer, Vorsitzender der OÖFV-Kommission Schiedsrichter: „Jeder Schiedsrichter muss etwaige Naheverhältnisse zu Vereinen melden. Das ist in diesem Fall passiert, weshalb Lino Heiduck bei Spielen des Regionalligisten  SPG Pasching/LASK Juniors nicht eingesetzt wird. Wir sehen aber kein Problem darin, wenn er bei anderen Partien in dieser Spielklasse als Assistent zum Einsatz kommt. Zumal sich Heiduck in keinem Angestelltenverhältnis beim LASK befindet, sondern neben seinem eigentlichen Hauptjob  im Rahmen einer selbständigen PR-Beratertätigkeit den Verein aus der Sky Go Erste Liga betreut.“

Alles gut, schön und richtig. Was aber, wenn genau dieser Lino Heiduck eine strittige Torentscheidung trifft? Eine endlose Diskussion wäre noch die harmloseste Folge. Bei einer Blitzumfrage beim Match zwischen Blau-Weiß Linz und Vorwärts Steyr fanden sich nur wenige Stadionbesucher, die über die Schiri-Besetzung glücklich waren: “Die Leistung war okay, aber wenn der LASK-Pressesprecher eine spielentscheidende Szene in so einem brisanten Derby falsch anzeigt, dann brennt die Bude”, so eine der vielen kritischen Antworten.

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