“Linz hat schon lange einen eigenständigen Fußabdruck”

Als Geschäftsführer des Design Centers und der LIVA laufen bei ihm in Sachen Events, Konzerten und Großveranstaltungen viele Fäden zusammen: Thomas Ziegler spricht im LINZA-Talk über seine Aufgaben und Herausforderungen.

Thomas Ziegler, welche Herausforderungen waren bei Ihrem Antritt bei der LIVA die wichtigsten, die es zu beheben galt?
Als ich vor zwei Jahren als Kaufmännischer Geschäftsführer bestellt wurde, war das Unternehmen zunächst mit einer sehr knappen Liquidität ausgestattet und auch die Auslastung ließ in manchen Betrieben zu Wünschen übrig. Deshalb habe ich eine Stablinienorganisationsform zur Vermeidung von Parallelstrukturen vorgeschlagen. Diese wurde im Aufsichtsrat beschlossen und es entstanden zentrale Stabstellen wie die Unternehmenskommunikation sowie die Abteilung Service-Center, Ticketing und Kassa, wodurch das Unternehmen effizienter, schlanker und schneller wurde.

Wie läuft der Querpass zwischen künstlerischer und kaufmännischer Leitung?
Die Zusammenarbeit zwischen mir und meinem künstlerischen Kollegen läuft hervorragend. Jeder von uns ist für seine Angelegenheiten innerhalb der Geschäftsführerebene zuständig und leitet die Aufgaben an die Abteilungsleiter weiter. Dass unser System greift, zeigen auch unsere Auslastungszahlen. Wir stehen in diesem Jahr vor Plan.

Wie geht‘s Ihnen angesichts zurückgehender Budgets und öffentlicher Förderungen?
Wir reagieren innerhalb der LIVA mit ausgefeilten Sponsorship-Paketen unter dem Aufhänger „Wirtschaft trifft Kultur“. Die Subventionen von öffentlichen Stellen sind endlich und müssen durch Partner von der Wirtschaft entsprechend ergänzt werden. Sonst sind zukünftige tolle und anspruchsvolle Programme nicht finanzierbar.
Wieviel Politik darf, soll oder muss in Kultur und deren Einrichtungen stecken?
Kultur ist seit jeher ein politischer Auftrag. Dies umfasst nicht nur unsere Region, sondern auch alle anderen Länder dieser Welt. In unseren Gremien steht die Sache, das Vorantreiben der LIVA mit all ihren Produkten, im Vordergrund.

So mancher in Linz würde sich gerne – was das kulturelle Angebot und die Qualität betrifft – mit Wien und Salzburg messen. Illusorisch, oder?
Die Marke Linz ist groß und geprägt von vielen Alleinstellungsmerkmalen wie dem Internationalen Brucknerfest Linz, dem Brucknerhaus, dem Ars Electronica Festival, Crossing Europe u.v.m. Durch diese Vielfältigkeit hat Linz schon lange einen eigenständigen Fußabdruck innerhalb von Österreich und braucht sich nicht verstecken.

Da und dort war zu lesen: Durch die Eröffnung des Neuen Musiktheaters hat Linz zu viele „Kultursesseln“. Wie sehen Sie das?
Das durchschnittliche Ausgabeverhalten aller KundInnen sämtlicher Kultureinrichtungen in Linz und Oberösterreich wird sich nicht durch ein Mehrangebot heben. Deshalb sehe ich eine Abstimmung mit allen Kultureinrichtungen und die Zusammenarbeit mit den Tourismusorganisationen von Stadt und Land als sehr wichtig.

Medial wurde auch immer wieder eine stärkere Zusammenarbeit von Neuem Musiktheater, Landestheater und Brucknerhaus gefordert. Kurz: Schluss mit Stadt gegen Land. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Es gibt eine routinemäßige Abstimmung in Form von Jours fixes zwischen dem Brucknerhaus und dem Musiktheater sowie mit den Kulturdirektoren der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich.

Stichwort Brucknerhaus: In den letzten Jahren hatte man oft den Eindruck, jedes Publikumssegment bedienen zu wollen – Oper, Pop, Musical, Klassik, Dance… geht das so weiter oder wirft es Schwerpunkte geben?
Grundsätzlich ist ein vielfältiges Programm unterschiedlichster Genres und Alterszielgruppen wichtig. Für das kommende Programm ist bei uns der neue künstlerische Leiter Mag. Dietmar Kerschbaum verantwortlich, der schon vielversprechende Ideen hat.

Anders gefragt: Was soll das Brucknerhaus können, was nicht?
Das Brucknerhaus ist ein Konzerthaus mit einer der besten Akustiken in ganz Europa. Die Architektur ist nicht nur einzigartig, sondern auch zeitlos modern. Wichtig ist für mich, dass die Infrastruktur und Substanz laufend den hohen Standards entspricht.

Thema Posthof: Läuft, oder?
Durch die großartige Arbeit der KollegInnen aus dem Posthof läuft es sehr gut. Im Jahr 2016 haben mehr als 90.000 BesucherInnen insgesamt 205 Veranstaltungen besucht. Mit dem AHOI Pop im Linzer Donaupark wurde ein neues Format geschaffen, welches auch die Synergien aller LIVA Häuser bündelt.

Das Brucknerfest ist alle Jahre wieder eines der ganz großen Themen: Die einen sagen, es seien zu viele Konzerte, andere sagen zu wenige, die Künstlerauswahl, die grundsätzliche Richtung… wohin geht die Entwicklung hier?
Das Internationale Brucknerfest Linz ist die wichtigste Produktion der LIVA und die Stadt Linz hat dadurch jährlich ein internationales Kulturprodukt. Die Programmgestaltung obliegt meinem künstlerischen Kollegen.

Ihr Lieblingskonzert oder-aufführung im heurigen Jahr?
Wenn ich so darüber nachdenke……das Konzert mit dem Violinisten Nigel Kennedy am 7. Oktober und der spannende Abend mit Franz Welser-Möst und dem Cleveland Orchestra am 13. Oktober.

So „ganz nebenbei“ schupfen Sie auch noch das Design Center. Wie läuft‘s hier?
Ich bin seit der ersten Stunde im Design Center, wobei ich zunächst ab 1991 für Sales und Marketing zuständig war und seit 2003 dessen Geschäftsführer bin. Wir haben es über die Jahre geschafft, dass das DC heute europaweit führend unter den Convention Centers liegt. 2008 konnten wir uns in einem Ranking (Auslastung, betriebswirtschaftliche Kennzahlen) gegen 58 Häuser durchschlagen und den sensationellen 1. Platz sichern. Darüber hinaus sind wir ständig bemüht das Beste vom Besten anzubieten. Dies betrifft vor allem die veranstaltungstechnische Ausstattung, mit der wir technische Inszenierungen und Erlebnisräume schaffen.

Die LIVA nutzt nun – auf Ihre Initiative hin – gemeinsam viele Synergien mit dem Design Center. Wie läuft das konkret ab?
Als Geschäftsführer des Design Centers und als kaufmännischer Geschäftsführer der LIVA bin ich eine Ansprechperson beider Unternehmen für die Eigentümerin in meinen Kernbereichen. Dies betrifft vor allem Abstimmungsprozesse wie Sanierungen, Reporting, etc. Seit meinen zwei Jahren als Geschäftsführer in beiden Häusern ist es mir ein ständiges Anliegen, bestehende Synergien zu nutzen – gerade hier liegt ein großes Potenzial. Dies betreiben wir schon recht erfolgreich. Hierbei denke ich an den Austausch von Technik (zwischen Design Center und Brucknerhaus oder LIVA Sport für Veranstaltungen) Bereich Hardware und Personalpooling. Durch die intensive Vermarktung des Design Centers als Location profitiert auch die LIVA, da wir diese bei allen Sales-Auftritten mittransportieren.

 

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