Linz: Seilbahn statt Straßenbahn?

Von der Solar City bis zur Uni hat die Straßenbahn 43 Stationen – macht eine Fahrzeit von 53 Minuten für 18 Kilometer. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 21km/h. Stadtrat Markus Hein bringt jetzt die Idee einer Seilbahn vom Linzer Süden ins Zentrum ins Spiel. Die wäre sogar schneller, günstiger und kreuzungsfreier unterwegs. Auch in Zürich, Graz und München denkt man ganz konkret über City-Seilbahnen nach.

City-Seilbahnen in Südamerika bereits Alltag
Manche Städte liebäugeln neuerdings mit Seilbahnen als staufreie Nahverkehrslösung. In vielen Metropolen Südamerikas bereits längst gang und gäbe, steckt diese Idee in Europa noch in den Kinderschuhen. In Graz wird seit einigen Jahren über das Seilbahn-Projekt „Mur-Gondel“ diskutiert. München will den Bau von City-Seilbahnen in die künftige Verkehrsplanung einfließen zu lassen. Und in Zürich ist die „Zooseilbahn“ mit Anbindung des Zoos an die City bereits im Planungsstadium, sie soll bis 2022 fahren.

Rendering der in Graz geplanten "Murgondel"-Seilbahn. (Foto: Graz Holding)

Rendering der in Graz geplanten “Murgondel”-Seilbahn. (Grafik: Graz Holding)

Anbindung an den Linzer Süden
Für Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein würde sich eine Seilbahn-Verbindung des Linzer Südens mit dem Industrieviertel eignen. Eine Seilbahn war bereits als Ersatzmaßnahme nach dem Abriss der Eisenbahnbrücke im Gespräch. Als temporäre Lösung wäre die Errichtung einer solchen Anlage allerdings jedenfalls zu aufwändig gewesen. Anders stellt sich die Situation im Linzer Süden dar. Ein Weiterkommen mit dem Auto Richtung Zentrum ist dort heute schon oft eine Geduldsfrage, die Strecke könnte auf großen Teilen durch dünn oder unbewohntes Gebiet geführt werden.

Höhere Transportleistung als Straßenbahn
Die Vorteile liegen auf der Hand: geringe Investitonskosten, hohe Kapazität und Umweltfreundlichkeit. Eine kuppelbare Seilbahn mit 15er-Gondeln erreicht eine Geschwindigkeit von 27km/h und kann bis zu 4.000 Gäste pro Stunde befördern. Die in der City völlig überlasteten Straßenbahnen schaffen bei einer 7,5-minütigen Frequenz nur knapp 2.000 Personen – und müssen um ihren Platz mit Fußgängern, Radfahrern und Autos kämpfen. Zudem läuft der Betrieb einer Seilbahn mit sehr geringem Personalaufwand. Die Investitions- und Betriebskosten liegen um ein Drittel unterhalb jenen einer Bim-Linie.

 

Christia Gratzer (VCÖ)

Christia Gratzer (VCÖ)

EXPERTENMEINUNG:
Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich

Ist für eine Stadt wie Linz der Ausbau der Straßenbahn das ideale Mittel zur Verkehrsbewältigung?
Auf den Hauptachsen ist die Straßenbahn das ideale öffentliche Verkehrsmittel für Städte in der Größe von Linz. Straßenbahnen haben höhere Kapazitäten als Busse. Fahrgäste empfinden zudem die Fahrt mit der Straßenbahn komfortabler. Auch die Energie- und Umweltbilanz von Straßenbahnen ist besser.

Von der Solarcity bis zur Universität hält die Bim 43mal und kommt auf durchschnittlich 21km/h.
Die Straßenbahnlinie 2 hat im Schnitt alle 420 Meter eine Haltestelle. In Wien sind es rund 400 Meter, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 15 km/h, bei eigenem Gleiskörper 24 km/h. Für eine schnelle Verbindung wäre eine geringere Anzahl von Halten nötig.

Manche Städte diskutieren den Einsatz von Seilbahnen. Sinnvoll?
Seilbahnen wurden in den vergangenen Jahren vor allem in großen Millionenstädten eingesetzt. Sie sind auf schwierigen Terrain wie Tälern, Hügeln oder als Überwindung von Flüssen gut geeignet. Ihre Kapazität wird von Experten als relativ gering eingeschätzt. Ein Nachteil von Seilbahnen ist die Störungsanfälligkeit bei Stürmen und starkem Wind.

 

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