Aktivpass-Boom drückt auf Linz Linien-Ergebnis

Eine starke Bilanz legt die LINZ AG für das abgelaufene Geschäftsjahr vor: Das Betriebsergebnis (EBT) stieg von 30,4 auf 62,8 Mio. Euro. Cashcows waren dabei die Geschäftsbereiche Linz Strom (+25,7 Mio. Euro) und Linz Service (+26,9 Mio. Euro). Die Linz Linien verzeichnen dagegen mit 28,5 Mio. Euro ein dickes Minus, obwohl der Abgang geringer als geplant war. Ins Gewicht schlagen dabei auch die mitterweile 340.000 Aktivpass-Montskarten, die um zehn statt 45,60 Euro verkauft werden.

Mehr als 300.000 Fahrgäste nutzen die Linz Linien Straßenbahnen und Busse pro Tag, in Summe waren es im Vorjahr 112,45 Mio. beförderte Personen. Dabei zählten die vier Straßenbahnlinien mit täglich rund 178.000 Fährgästen zu den großen Frequenzbringern. Bereits 73 Prozent aller Fahrgäste fahren mit Bus & Bim bereits elektrisch, das zusätzliche Platzangebot in den neuen Obussen lässt hier weitere Steigerungen erwarten.

Boom bei Aktivpass-Monatskarten
Weiter auf hohem Niveau sind die Verkaufszahlen der sog. “Aktivpass-Monatskarten”, mit denen man um nur zehn (statt 45,60) Euro einen ganzen Monat lang alle Strecken der Linz Linien benützen kann. Ca. 340.000 dieser Monatskarten – knapp 1.000 (!) pro Tag – wurden im abgelaufenen Jahr verkauft. Mittlerweile verfügen über 43.000 Linzer über den Aktivpass, vor zehn Jahren war es gerade mal ein Drittel. Die rechnerischen Mindereinnahmen von 12,1 Mio. Euro machen fast die Hälfte des Verlusts der Linz Linien (-28,5 Mio. Euro) aus. In dieser Rechnung sind jedoch die Tages- und Einzeltickets gar nicht enthalten, denn auch diese sind für Aktivpass-Besitzer etwa um die Hälfte billiger: Das 24h-Ticket kostet nur 2,30 (statt 4,50), die Langstrecke kommt auf 1,20 (statt 2,50).

Aktivpass in der Kritik: soziale Treffsicherheit fragwürdig
Seit 28 Jahren ermöglicht Linz einkommensschwachen Bewohnern (Monatsverdienst von max. 1.229 Euro netto) mit dem Aktivpass eine besondere Unterstützung für den Alltag. Damit erhält man Zugang zu Leistungen und Angeboten, die viele sonst nur schwer finanzieren könnten. Neben den vergünstigten Linz Linien Tickets können auch die Linzer Bäder um 50 Prozent günstiger genutzt werden, dazu gibt es eine Menge weiterer Vorteile – so ist etwa der Großteil des Linzer Kulturangebots um bis zu 50 Prozent ermäßigt.
Kritiker werfen ein, dass auch Betuchte – etwa Frauen oder Studenten aus wohlhabenden Familien – einen Aktivpass ohne echtes Hinterfragen der Bedürftigkeit nutzen können.

Bei über 43.000 Besitzern drängt sich die Frage auf, ob Linz in Linz wirklich fast jeder Vierte “Aktivpass-affin” ist. Jedes Familienmitglied kann – unabhängig vom Verdienst des Gatten oder des Haushaltseinkommes – diese eigentlich für Geringverdiener gedachte Einrichtung nutzen. Fakt ist: Aktuell ist eine Generaldirektorsgattin ebenso Aktivpass-berechtigt wie ein millionenschwerer Privatier…

 

 

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