Parallel zur Fahrtrichtung: Neue Sitzanordnung soll das Bimfahren revolutionieren

Längs- statt Quersitze – so wie in vielen Citys bereits üblich: Ist das die Lösung für die überfüllten Linzer Straßenbahnen? Der weniger als einen Meter breite Gang macht aktuell nicht nur das Aussteigen schwer, sondern auch die Sitzplatzsuche zur akrobatischen Übung. Ein Überdenken der Sitzanordnung nach internationalem Vorbild könnte den geänderten Bedürfnissen Rechnung tragen. Das Thema soll im nächsten Gemeinderat behandelt werden.

Die aktuelle Sitzanordnung in den Linzer Straßenbahnen gibt es fast identisch seit den 1970er-Jahren und ist nur sehr bedingt alltagstauglich: Die Sitzbereiche sind breit angeordnet, die Gänge und Eingangsbereiche teilweise sehr schmal – zu schmal für die heutigen Anforderungen.

Nur 80cm breite Gänge als Hindernis
Die Menschen wurden einerseits größer und schwerer, es gibt aber auch mehr alte Menschen, die beim Hinsetzen und Aufstehen Platz brauchen. Viele Fahrgäste haben einen Rucksack mit, der bei den Doppelsitzen schier unmöglich unterzubringen ist. Und selbst bei einer Standard-Körpergröße stoßen die Knie an den Vordersitz, ein unkompliziertes Aus- und Einsteigen ist fast unmöglich, da oft ein nur 80 Zentimeter breiter Gang zur Verfügung steht.

Berlin, Barcelona, Strassburg und andere setzen bereits auf die Idee
Auch Rollstuhlfahrer und Kinderwägen können aktuell nur einen ganz kleinen Bereich der Straßenbahn, der sehr schnell überfüllt ist, nutzen. Eine relativ einfache Lösung liegt auf der Hand: breitere Gänge und damit großzügigere Ein- und Ausstiegsbereiche durch eine Sitz-Anordnung in durchgehender Längsrichtung. Das würde auch dem geänderten Fahrgast-Verhalten mit schnellen, kurzen Wegen und Umstiegszeiten Rechnung tragen. Diese Lösung ist bei vielen Verkehrsmitteln mit ähnlich schmalen Fahrzeugen wie in Linz bereits erprobt und bewährt – etwa in Berlin. Die dortigen Triebwägen der IK-Baureihe haben breite Gänge, da die Sitze parallel zur Fahrtrichtung angeordnet wurden. In Summe stehen sogar mehr Plätze zur Verfügung als bei einer Quer-Anordnung.

Auch für Linz eine Lösung? Berliner U-Bahngarnitur der Baureihe IK – mit etwa gleicher Breite der Linzer Straßenbahn und Längsbestuhlung

Auch für Linz eine Lösung? Eine Berliner Öffi-Bahngarnitur der Baureihe IK – mit etwa gleicher Breite der Linzer Straßenbahn und Längsbestuhlung.

In vielen anderen Städten, egal ob Berlin, Barcelona oder Strassburg, New York, Tokio oder Bangkok ist eine Längsanordnung der Sitze schon lange üblich – bzw. sind die Garnituren offener und flexibler gestaltet. Man vermeidet beim Hinsetzen zudem ein mühsames “Hineinwurschteln” und Vorbeizwängen am Sitznachbarn. Platzwechsel und das für viele äußerst unangenehme Gedränge beim Ein- und Aussteigen werden dadurch ebenfalls entschärft.

Nahverkehrsgarnitur der MTR Hongkong mit Längsbestuhlung und großzügigem Mittelgang

Nahverkehrsgarnitur der MTR Hongkong mit Längsbestuhlung und großzügigem Mittelgang.

“Im Nahverkehrs-Bereich von heute braucht es vermehrt geräumige Steh- und Abstellflächen für Rollis, Kinderwägen und Gepäckstücke. Das lässt sich nicht nur mit einer Längsanordnung der Bänke lösen, sondern etwa auch mit dem vermehrten Einbau von Klappsitzen”, sagt NEOS-Mann und Stadtplaner und Lorenz Potocnik. Ein weiterer Vorteil: Dann ließe sich auch die Mitnahme von Fahrrädern möglich machen – diese Idee scheiterte bislang stets an den schmalen Gängen.

“Alle sind eingeladen, mitzumachen”
Lorenz Potocnik sucht jetzt das Gespräch mit Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein (FPÖ), aber auch mit den anderen Fraktionen, um das Vorhaben mittels Gemeinderats-Antrag auf Schiene zu bringen: “Ich hoffe auf eine gemeinsame Resolution an die LINZ AG, ein bis zwei Straßenbahn-Garnituren ganz oder teilweise umzubauen und zu testen, wie sich die Idee bewährt. Die Kosten wären gering, der Nutzen vielleicht enorm. Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, gegen diese Idee zu sein.”

Eng, schmal, kein Durchkommen: Die Linzer Cityrunner mit ihrer Querbestuhlung.

Eng, schmal, kein Durchkommen: Die Linzer Cityrunner mit ihrer Querbestuhlung.

Mit einer Längsbestuhlung bei gleichzeitiger Aufwertung des Stehplatzbereichs wie hier im Tokioter Nahverkehr ließe sich viel Platz gewinnen

Mit einer Längsbestuhlung bei gleichzeitiger Aufwertung des Stehplatzbereichs wie hier im Tokioter Nahverkehr ließe sich viel Platz gewinnen.

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