Blau-Weiß Linz: Willkommen in der Wohlfühlzone

Fußball-Linz bleibt weiterhin eine One-Klub-Show: Neben dem LASK wird es wohl auf Dauer keinen überregional relevanten Fußballverein in Linz geben: Nach OÖ Liga-Leader Donau Linz hat nun auch Zweitliga-Topklub Blau-Weiß Linz bekanntgegeben, nicht aufsteigen zu wollen. Während man die Entscheidung der Kleinmünchner nachvollziehen kann, kann man über Blau-Weiß nur den Kopf schütteln. Das, was Hartberg (6.537 Einwohner), Altach (6.844 Ew.) oder Mattersburg (6.887 Ew.) teilweise seit Jahren schaffen, traut man sich im zweitgrößten Wirtschaftsraum Österreichs nicht zu. Man bleibt lieber weiter in der Wohlfühlzone. Leidtragender ist die beherzt spielende Mannschaft, die sensationell engagiert.

Blau-Weiß Präsident Walter Niedermayr gibt nach dem millionenschweren Verkauf seiner Firma Inkasso.at seit einigen Jahren den – wohlverdienten – Genussmenschen und Privatmann. Den Elan und Biss, den er früher als erfolgreicher Unternehmer hatte, lässt er als Präsident des Erstligisten bislang schmerzlich vermissen. Beim FC Blau-Weiß Linz hat man es sich gemütlich gemacht, man befindet sich in einer Wohlfühlblase, in der es weder Rücken- noch Gegenwind gibt. Die 2017 präsentierte, mutlose “Agenda 2027” zeichnete bereits den Weg in die Bedeutungslosigkeit vor: Viele schöne Worte, aber keine richtigen Ziele waren da zu lesen.

Die Frage bleibt: Was hat der neue Vorstand seit der Übernahme Anfang 2017 eigentlich gemacht? Bereits die im Mai 2016 verkündete Umwandlung in einen “Mitgliederverein” ließ über ein Jahr auf sich warten. Sonst war da noch nicht viel. Da mussten dann schon skurrile Erfolgsmeldung wie im heurigen Frühjahr herhalten, als man verkündete, man habe “die Digitalisierung des Vereins nun erfolgreich abgeschlossen” – was immer das sein soll.
Auch bei der Kaderzusammenstellung gibt eher Kurz-, als Weitsicht: Im heurigen Sommer wurden 20 neue Spieler geholt, nahezu alle mit einem einjährigen Vertrag – was bedeutet: Im Sommer 2019 muss wieder alles umgekrempelt werden. Aktuell funktioniert dieses Modell zwar sportlich, Beständigkeit und Langfristigkeit hat das aber keine. Wenn etwas wirklich von Dauer ist, dann das leider immer noch oft nicht bundesligataugliche Agieren des Klubs, das Ex-Präsident Hermann Schellmann eingeführt und viele Jahre lang vorgelebt hat. Der Großteil des ‘neuen’ Vorstandes stammt übrigens aus genau dieser Ära Schellmann. Eine echte Öffnung des Vereins mit frischen Kräften hat nicht stattgefunden – und das spürt man.

Als es noch brannte im Linzer Donaupark...

Als es noch brannte im Linzer Donaupark…

Ein von den Fans gefordertes und zum Überleben eigentlich unabdingbares eigenes Stadionprojekt in Form einer Sanierung des Donauparkstadions? Kaum ein Thema für Niedermayr & Co. Der Verein hängt nach wie vor sehr stark am Tropf der Stadt (mitsamt seinem zu bespielenden Stadion) und Bürgermeister Klaus Luger, einem der treuesten Anhänger des Klubs. So gelang es seit 2016 nicht, wirklich zug- und finanzkräftige neue Partner an Land zu ziehen. Mit der LINZ AG ist nach wie vor ein stadteigener Betrieb der einzige echte Großsponsor; beim letzten Heimspiel trat die Stadt Linz als “Matchsponsor” auf. Und auch ein weiterer Premium-Sponsor – der Flughafen Linz – ist ebenfalls zu 100% im Eigentum von Stadt (und Land). Diese Art von ‘Sponsorenpool’ ist zwar eine angenehme Sache, zeitgemäß ist das aber nicht.
Der Einfluss von Bürgermeister Luger in der Stadt schwindet, es kann gut sein, dass er nach der Wahl 2021 Geschichte ist – und damit zum Teil auch das Budget von Blau-Weiß Linz. Spätestens dann wird es dem Klub auf den Kopf fallen, nicht zeitgerecht für eine breit aufgestellte Partner- und Sponsorenriege – wie man sie bei den Black Wings oder vielen anderen Fußballklubs findet – gesorgt zu haben. Es fehlt nach wie vor an professionellem Marketing und einer wirklichen Öffnung nach außen.

Der Vorstand führt das zu kleine Budget in Spiel, wenn es um den Aufstieg geht. Andere Klubs haben vorgezeigt, dass es auch mit wenig Geld geht. Hartberg etwa hat ein kaum größeres Budget als die Linzer, zudem gibt es in der Bundesliga mindestens zusätzliche 500.000 Euro an TV-Geldern zu verdienen. Und das – sauteure – Lizenzansuchen würde von der Bundesliga mit 250.000 Euro mitfinanziert werden. Es gäbe also mehr Wege als Ausreden, wenn man denn wirklich will.

Sehr wohl ist aber die Frage zu stellen,  ob es Sinn macht, in dieser Form und ohne echte Ziele weiterzumachen. Bei der Übernahme durch den neuen Vorstand letztes Jahr ging kein Ruck durch den Klub – im Gegenteil: Es plätscherte weiter gemütlich dahin. Obwohl der FC Blau-Weiß Linz seit Monaten die Tabellenspitze beherrscht, geht der Boom auch an den Fans komplett vorbei: Beim letzten Heimspiel – bei dem es um die Tabellenspitze ging – waren gerade mal 1.013 Augenzeugen anwesend. Sogar im Vergleich zur letzten Saison, als der Klub Letzter wurde, gab es trotz heuriger Top-Performance ein Minus von fast drei Prozent. Ein absolutes Minderheitenprogramm.

Ex NEOS-Boss Matthias Strolz würde sagen: “Blau-Weiß, wos is los mit dir?” Mit der Verlautbarung, nicht aufsteigen zu wollen, hat sich der Klub jedenfalls von jeder sportlichen und öffentlichkeitsrelevanten Ebene gepustet. Die wenigen, aber treuen Fans des FC Blau-Weiß Linz klopfen dem Vorstand dennoch auf die Schulter und zeigen Verständnis. Das kann und wird auch so bleiben. Und das kann man auch gut finden – mit dem Verweis, “nicht größenwahnsinnig wie andere” werden zu wollen. Mit Größenwahn hat ein Aufstieg in die österreichische Bundesliga genauso wenig zu tun wie Blau-Weiß Linz mit einem Profi-Verein. Auch der umstrittene Alt-Präsident Hermann Schellmann hatte Nein zum Aufstieg gesagt. So gesehen muss man dem neuen Vorstand zum kontinuierlichen Weg gratulieren. Bis auf Weiteres geht es um Nüsse bei Blau-Weiß Linz. Aber vielleicht sieht es ja 2027 ganz anders aus. Wir sehen uns dann!

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