Unterwegs in der Nachtbim

So manche wilde Geschichte rankt sich um die Nacht-Straßenbahnen der Linz Linien. Wir sind am letzten Wochenende eine Proberunde in Richtung Linzer Süden gefahren.

Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2009 verkehren die Straßenbahnen der Linz Linien am Wochenende und vor Feiertagen auch nachts. Knapp 250.000 Fahrgäste nutzen das Angebot jährlich, gerade junge Nachtschwärmer sparen sich so das Geld fürs Taxi oder kommen nicht auf den dummen Gedanken, nach einem Glaserl zu viel noch ins Auto zu steigen. Die Kehrseite der Medaille: Das Ambiente ist zuweilen rustikal.

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Knapp nach drei Uhr früh besteigen wir am Taubenmarkt die Straßenbahn der N1 Nachtlinie Richtung Auwiesen. Was sofort auffällt: Der Zustand des Bim-Innenlebens, der – na sagen wir mal reinigungstechnisch noch jede Menge Luft nach oben hat. Unter der Bank vor uns stehen zwei leere Dosen Zipfer Bier und Zeitungen, daneben Reste eines Döners. Einen Meter weiter hat jemand hingekotzt – ob das der Grund war, weshalb der Döner nicht aufgegessen wurde? Auch sonst fast überall am Boden: Gratiszeitungen, da und dort eine leere Dose und sogar ein Teil eines Damen-Stöckelschuhs. Es sieht ein bisschen aus wie nach einem ausgeuferten Konzert einer üblen Punkband.

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Einsteigen, aussteigen: Was rein kommt, muss auch irgendwann wieder raus.

Apropos Konzert: Laute Musik – ein arabischer Popsong – dringt kurz darauf von ganz hinten durch die Straßenbahn nach vor. Zwei junge – offensichtlich arabischstämmige – Fahrgäste haben ihre Privatdisco eröffnet. Erstaunlich, wie laut man mit einem Handy Musik abspielen kann. Irgendjemand brüllt kurz darauf ein paar fremdsprachige Worte nach hinten. Die Musik verstummt – so funktioniert anscheinend Völkerverständigung in der Nacht-Bim. Vier Reihen weiter vorne hängt ein eingeschlafener Fahrgast halb sitzend, halb liegend, im Plastiksessel… klassischer Fall von „Schware Partie“. Keine Ahnung, wieviele Runden der Mann schon gedreht hat – und noch drehen wird…

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