“Sheriffs oder Rambos haben bei uns nichts verloren”

Ein erfahrener ehemaliger Bundesheersoldat leitet seit 01. Februar 2018 den Ordnungsdienst der Stadt Linz. Mario Gubesch (43), der den Rang eines Oberstabswachtmeisters einnahm, legt als neuer Chef des 30-köpfigen Teams Wert auf Fairness, Engagement und Loyalität. Im LINZA-Talk spricht Gubesch über die Arbeit und Ziele des Ordnungsdienstes.

Mario Gubesch – Ihr Einstieg beim Linzer Ordnungsdienst wurde von einigen Parteien kritisiert. Können Sie diese Vorwürfe nachvollziehen?
Mittlerweile hat sich die Situation zwar beruhigt, nachvollziehen kann ich die Aufregung aber nicht. Da haben sich Menschen über mich ein Urteil gebildet, die mich überhaupt nicht kennen. Die Medienberichte habe ich weggesteckt, aber der eine oder andere Kommentar in den sozialen Netzwerken war extrem untergriffig. Da wurden – teilweise anonym – Dinge von mir behauptet, die jeder Grundlage entbehren.

Warum eigentlich gerade Sie: Was zeichnet Sie für den Job als Ordnungsdienst-Geschäftsführer besonders aus?
Ich verfüge über 22 Jahre Erfahrung beim Österreichischen Bundesheer, war hauptsächlich in der Personalausbildung und -führung tätig. Hier gibt es viele Parallelen.

Ordnungsdienst Linz Geschäftsführer Mario Gubesch

Ordnungsdienst Linz Geschäftsführer Mario Gubesch

Wie beurteilen Sie die bisherige Arbeit des Ordnungsdienstes?
So weit ich das als Bürger und Außenstehender mitverfolgt habe, gehen die Mitarbeiter mit großem Engagement an ihre Sache heran. Ich glaube, der Ordnungsdienst funktioniert ganz gut und kommt auch an bei der Bevölkerung.

Die Akzeptanz des Ordnungsdienstes ist in den letzten Jahren gestiegen. Zufrieden – oder könnte das noch besser sein?
Ich bin zufrieden, bin aber bemüht, die Akzeptanz noch weiter zu verbessern und PR-mäßig noch die eine oder andere Maßnahme zu setzen.

Was könnte das genau sein?
Ich möchte zum Beispiel den Internetauftritt des Ordnungsdienstes userfreundlicher und sympathischer gestalten. Auch unser Büro am Urfahraner Jahrmarktgelände wollen wir sichtbarer als Ordnungsdienst-Standort branden und ‘herzeigen’. Wir haben uns da in der Vergangenheit sicher ein bisschen zu viel versteckt.

Ein politischer Zankapfel ist immer wieder der Kompetenzbereich des Ordnungsdienstes. Sollte es hier eine Ausweitung oder vielleicht auch eine Reduktion geben?
Das ist eine politische Entscheidung, die ich nicht zu treffen habe. Was sicher demotivierend ist: Unsere Mitarbeiter dürfen zum Beispiel zwar die Leinenpflicht bei Hunden einfordern, aber nicht dagegen vorgehen. Wir haben diese Kompetenz bei der Kontrolle der Kurzparkzonen, aber nicht in anderen Bereichen. Hier kann man sicher eine Nachschärfung andenken.

Eine Frage an Sie als “gewöhnlicher” Bürger: Wie sicher ist Linz aus Ihrer Sicht?
Ich fühle mich grundsätzlich sicher, aber wenn man die vielen Vorfälle in den Medien liest, hat Linz da und dort sicher ein Problem.

Immer wieder kommen Stimmen auf, den Ordnungsdienst wieder einzustampfen. Kann bzw. soll sich Linz den Ordnungsdienst weiter leisten?
Linz soll sich den Ordnungsdienst auf jeden Fall weiter leisten, denn durch unsere Tätigkeit wird die Linzer Polizei in manchen Bereichen stark entlastet und kann sich stärker ihren Kernaufgaben widmen. Ich glaube, der Stadt würde ein großer Schaden entstehen, gäbe es den Ordnungsdienst nicht mehr, denn auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß wie nie zuvor.

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit der Polizei? Anfangs gab es da angeblich erhebliche Differenzen.
Der Kontakt ist mittlerweile hervorragend, die gegenseitige Akzeptanz ebenfalls. Mit dem Stadtpolizeikommandanten Karl Pogutter gibt es regen Kontakt und eine entsprechende gegenseitige Wertschätzung.

Sie haben sich in den letzten Wochen bereits vorab im neuen Job eingearbeitet. Gibt es Verbesserungspotenzial – etwa bei der Infrastruktur oder bei der Ausbildung?
Wir müssen künftig sicher noch mehr in die Mitarbeiterschulungen investieren – etwa im Bereich Rhetorik, Konfliktmanagement, Kommunikation. Das sind die besten Instrumente in der täglichen Arbeit draußen auf den Straßen.

Wie muss man sich denn den durchschnittlichen „Ordnungsdienstler“ vorstellen?
Er ist zu zwei Drittel männlich, 41 Jahre alt und kommt aus dem Bereich Dienstleistung/Gastgewerbe.

Zwei Drittel männliche Mitarbeiter – ist der Ordnungsdienst also ein Männerverein?
Gar nicht – es gibt ein streng geregeltes Auswahlverfahren, bei dem das Geschlecht keine Rolle spielt. Die Besten werden genommen, egal ob Frau oder Mann.

Was sollte man alles mitbringen, wenn man beim Linzer Ordnungsdienst anheuern will – und was nicht?
Gesundheit, Robustheit, Kommunikationsfähigkeit. Unsere Mitarbeiter legen nachgewiesenermaßen bis zu 25 Kilometer zu Fuß pro Tag zurück – und das bei jedem Wetter. Die Robustheit bezieht sich natürlich auch auf den Kopf, denn es gibt immer wieder Konfliktsituationen. Auch Sheriffs oder Rambos haben bei uns nichts verloren.

Letzte Frage – bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Linz braucht den Ordnungsdienst auch weiterhin, weil…
… er für die Ordnung und Sicherheit in Linz unabdingbar ist.

 

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