Der Pöstlingberg als Skisprung-Mekka Oberösterreichs

Ende Dezember steigt in Oberstdorf der Auftakt zur bereits 65. Vierschanzentournee. Was heute keiner mehr weiß: Bis in die 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es auch am Pöstlingberg eine Skisprungschanze. Zeitweise lag dort der Schanzenrekord sogar nur 9,5 Meter unter der damaligen Weltbestweite.

In Wintern wie in den letzten Jahren unvorstellbar, aber vor gar nicht allzu langer Zeit lernten ganze Generationen das Skifahren am Pöstlingberg. Mit 539 Metern Seehöhe und weniger als 200 Metern Gefälle ist die Mayrwiesen heute maximal zum Rodeln gut, früher aber zählte sie zum Ski-Eldorado für tausende Linzer. Bei guter Schneelage – und das war damals ziemlich oft der Fall – wurde sogar noch auf der Knabenseminarstraße auf Schi hinuntergebrettert. So manche Linzer Großeltern-Generation machte hier ihre ersten Versuche auf Skiern. 1954 etwa gab es beim Skifahren in Linz zur Winterzeit 30 verletzte Skifahrer, sehr viele davon mit Knochenbrüchen.

“Jugendskitag” mit 670 Teilnehmern
Es gab auch immer wieder offizielle Schirennen. Besonders beliebt waren dabei Er & Sie-Wettbewerbe, wo die jeweiligen Pärchen erst vor Ort zusammengelost wurden. Am 25. Jänner 1970 wurde auf der Mayrwiesen ein Jugendskitag für Kids von 6-14 Jahren ausgetragen, bei dem 670 Nachwuchsrennfahrer starteten.
Vor einigen Jahren regten die OÖ Nachrichten sogar die Idee an, am Pöstlingberg einen Weltcup-Parallelslalom abzuhalten, die FIS verlangt in ihrem Reglement aber einen Höhenunterscheid von mindestens 200 Metern, auf der Mayrwiesen sind es aber nur 130. Für einen Damen FIS- oder Parallelslalom ginge es sich aber aus. Statt am Pöstlingberg fighteten Hirscher & Co. dann im Münchner Olympiapark um Weltcuppunkte.

Pöstlingberg fast 50 Jahre lang als Skispringer-Mekka
Im Jahre 1905 errichtete der damalige Linzer Schi- und Rodelklub am unteren Ende der Mayrwiesen neben einer Rodelbahn auch eine Sprungschanze. Der bekannte Linzer Bergsteiger und Schirennfahrer Robert Moser sprang kurz nach der Eröffnung den Schanzenrekord von 26 Metern – eine für damalige Verhältnisse gigantische Weite, lag doch der Weltrekord mit 35,5 Metern nur unwesentlich weiter.
In den Folgejahren erneuerte der Linzer Turnverein die Schanze, 1930 fanden hier sogar die oberösterreichischen Meisterschaften statt. Mehrere tausend Zuschauer waren keine Seltenheit. Bis Mitte der 1950er-Jahre bestand die hölzerne Sprunganlage, ehe sie verfiel. Heute sieht man auf der Mayrwiesen selbst bei Schneelage nur noch ein paar Kinder beim Rodeln.

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