Kein Denkmalschutz mehr: Auch der “Post-Turm” hat ein Ablaufdatum

Über das stetige Niederreißen von geschichts- und erinnerungsträchtigen Linzer Bauten könnte man mittlerweile Buchregale füllen. Im Zuge der Neubebauung des Postareals beim Bahnhof verschwindet mit dem markanten “Uhrturm” des Hauptpostamts nun auch die letzte Landmark aus dem vorigen Jahrtausend. Grund: Mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes (2000) entfiel auch der Schutz für Postgebäude. Und den politischen Willen, den Turm zu bewahren, gibt es im vor lauter Bauwut blinden Linz leider nicht. 

Rückblick: Zur Nazizeit war geplant, den neuen Hauptbahnhof zwischen Bulgariplatz und Wagner-Jauregg Krankenhaus anzusiedeln, nach den Kriegswirren beließ man es aber beim heutigen Standort. 1949 wurde das bis 2002 bestehende Gebäude errichtet. Mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs  und des Landesdienstleistungszentrums (2004) sowie einer fast schon jährlich wachsenden Zahl an Hochhäusern hat sich das Bahnhofsviertel in den letzten 15 Jahren völlig neu erfunden. So gut wie nichts ist mehr da von der alten Eisenbahnromantik, den dunkel-stickigen, drückenden Hallen und den wuchtigen Bauten im romantischen Stil, wogegen grundsätzlich ja nichts einzuwenden ist. Gerade im öffentlichen Nahverkehr braucht Neues seinen Platz. Lediglich die zwei Löwen (1941) vor der neuen Bahnhofshalle haben alle Zeiten überstanden – auch wenn sie heute nicht mehr als der „Treff ma uns bei die Löwen“-Meeting Point herhalten. Zu unscheinbar wirken sie angesichts des wuchtigen Hallen-Flügeldachs direkt dahinter.

Charakterbau mit Ablaufdatum: das Hauptpostamt mit seinem markanten Turm – beides wird bis 2028 geschliffen.

Charakterbau mit Ablaufdatum: das Hauptpostamt mit seinem markanten Turm – beides wird bis 2028 geschliffen.

Wie ein letztes Ausrufezeichen des vorigen Jahrtausends steht aber noch das Bahnhofspostamt samt seinem „Uhrturm“ da – ein typisches Beispiel für die Architektur der 1950er-Jahre. Vor allem ältere Generationen erinnern sich noch an die mit Marmor verkleidete Schalterhalle und die damals vielgenutzten Fernsprechzellen.
In Linz mit seinem Umgang mit alten Gebäuden verwundert es fast nicht, dass auch dieser markante Bau bis 2028 aus dem Stadtbild verschwinden wird und elf (!) neuen Hochhäusern weichen muss. Zumindest den Turm mit seiner markanten Optik und der weithin sichtbaren Uhr (als bewusst prägnantes Symbol der Pünktlichkeit der Post) hätte man erhalten können, wenn man denn wollte. Aber wie gesagt: Wir sind in Linz, wo das Abreißen fast schon mehr Tradition als die Linzer Torte hat.

Kommentar
Denkmalschutz, aber auch der Naturschutz sollten, nein MÜSSEN in Stein gemeißelte Gebote sein – gerade in der heutigen Zeit. Die Realität schaut aber anders aus: Im bis vor kurzem noch sehr strengen Naturschutzgebiet der Urfahrwänd’ wird eine XL-Autobahnhängebrücke gebaut, die nicht nur die Uferbereiche, sondern auch die Felswände komplett zerstört. Zum Drüberstreuen wird 200 Meter weiter (aber immer noch im Naturschutzgebiet) eine weitere Hängebrücke für Touristen geplant, für die ebenfalls Rodungen und Felsabtragungen in Kauf genommen werden. Auch die – Achtung Gänsefüßchen – “streng” geschützten Traunauen (ein Natura 2000 Schutzgebiet) sollen ohne große Diskussion Platz für eine Transitautobahn (alias Ostumfahrung) machen. Alles kein Problem – zumindest nicht in der angehenden Klimahauptstadt Linz.
Einer ähnlich “laissez-fairen” Einstellung erfreut sich der Denkmalschutz. Taucht irgendwo ein Investor auf, spielt die historische Bedeutung eines Gebäudes keine Rolle mehr. Ein Grund, ein Objekt aus dem Denkmalschutz zu entlassen oder gar nicht mehr aufzunehmen, findet sich gerade hierorts blitzschnell. In absehbarer Zeit ist Linz eine sterile Stadt mit neu gebauten Stadtvierteln, Hochhäusern, Anlegerwohnungen und schönen Autobahnen – ganz ohne altem Mief. 

 

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