Rad-Highways: der Traum von lauwarmen Eislutschkern

Hurra, endlich entdeckt die Politik Radfahrer als potenzielle, wenn auch unmotorisierte Wähler: Erst waren’s nur die Grünen, die die Velozipedisten umgarnten. Denen kaufte man’s ja noch ab. Dass aber jetzt auch SPÖ und ÖVP aufs Radl aufspringen, lässt unsereins fast von selbigem plumpsen – vor Freude, eh klar. Nur bitte was soll die Idee, überregionale “Rad-Highways” anzukündigen – mit dem bestenfalls satirisch klingenden Ziel, 40 Prozent des Pendlerverkehrs vom Auto aufs Fahrrad umzulenken?

Haben Franz Hiesl (ÖVP) und Reinhold Entholzer (SPÖ), die dieses Konzept präsentierten, vergessen, wo wir leben? Wir helfen gerne: Österreich! Klima! Berge! Wetter! Die Idee dieser überregionalen Highways hält höchstens für fünf Monate im Jahr: Mai, Juni, Juli, August, September – zieht man dann noch die zwei Ferienmonate ab, wird das Ganze zur zeitmäßigen Randgruppe.

Ganz abgesehen davon, liebe Politiker: Investiert eure fahrradmäßigen Energien bitte lieber in realistische, sinnvolle, ehrlich gemeinte und nachhaltige Projekte. Und dort, wo es Sinn macht: dem Radverkehr in der Stadt etwa. Stichwort Nibelungenbrücke; innerstädtische Radwege, die ihren Namen auch verdienen; oder praxistaugliche Grünphasen. Und vor allem: sichere, zentrale Abstellplätze. Einen Hausbau beginnt man ja auch nicht beim Dachstuhl. Erst danach könnt, dürft, ja sollt ihr weiterträumen von lauwarmen Eislutschkern. Oder überregionalen Rad-Highways.

 

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