Stadt Linz privatisiert Gehsteige

Gemütliches Herumschlendern durch die City wird bald zum Luxusgut: Der Gemeinderat plant die Privatisierung der stadteigenen Gehsteige. Damit soll das Budget weiter konsolidert werden. Die Autofahrerclubs jubeln: “Endlich kommt die echte Kostenwahrheit gegenüber Autofahrern ans Tageslicht!” Eine weitere Exklusiv-Story der verQUERt-Redaktion.

Wo gibt’s denn sowas bitte: Jahrelang trampelten unzählige Passanten die Linzer Gehsteige rücksichtslos kaputt – und das, ohne einen finanziellen Beitrag zu deren Erhaltung zu leisten. Doch damit soll nun endgültig Schluss sein – zumindest, wenn es nach dem Linzer Gemeinderat geht: Der will die innerstädtische Fußwege als “nicht strategische Objeke” um 100 Euro pro Laufmeter verkaufen. Bei 712 Kilometern Gehweg in der Stadt wären das über 70 Millionen, die ins Budget fließen.
Bei der Veräußerung  sollen auch private Anbieter zum Zug kommen: “Zudem erfüllen wir damit auch eine EU-Forderung nach Liberalität des Gehsteigmarktes”, heißt es dazu in einer Aussendung des Rathauses. Die verscherbelten Gehwege können von den neuen Besitzern dann gegen Entgelt (Maut) zur Benützung angeboten werden. Positiver Nebeneffekt: unzählige neue Arbeitsplätze. “Wenn alle hundert Meter ein arbeitsloser Linzer zum Mauteintreiben sitzt, hätten wir auf einen Schlag 712 neue Jobs”, rechnet die Stadt vor.

ÖAMTC & ARBÖ jubeln: “endlich mehr Kostenwahrheit”
Während die Grünen von Abzocke sprechen, jubeln die großen Autofahrerclubs: “Endlich werden auch renitente Autoverweigerer zur Kasse gebeten. Es kann nicht sein, dass wir PKW-Fahrer die Gehsteige mit unserer Mineralölsteuer mitfinanzieren”, freut sich ÖAMTC-Sprecher Karli Kolbenreib. Zudem regte er an, auch Hunde mit einer Gehwegmaut zu belegen: “Vier Beine zertrampeln mehr als zwei, das ist doch logisch.” Einbeinige, Kriegsversehrte und noch nicht gehfähige Neugeborene sollen dafür mit Rabatten rechnen dürfen.

Fußgängerstreik droht
Nicht gefallen lassen will sich die Passantenvereinigung “Flotte Sohle” die geplante Gehwegprivatisierung – sogar ein Fußgängerstreik steht im Raum: “Wir gehen im wahrsten Sinn des Wortes bis zum äußersten”, wird via Presseaussendung gedroht. So sollen jeweils Mittwoch zwischen 15 und 16 Uhr sämtliche Gehsteige der Stadt bestreikt werden. Alle Fußgänger werden ersucht, auf PKWs umzusteigen. In dieser Zeit werden lediglich streunende Katzen und der Ordnungsdienst von den Streikposten auf den Gehwegen geduldet.

 

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