“Stadtclowns statt Ordnungsdienst”

Der Linzer Stadtentwickler Lorenz Potocnik (43) wagt den Sprung ins Haifischbecken: Als voraussichtlicher Spitzenkandidat wird er die NEOS-Wahlbewegung in den Linzer Wahlkampf 2015 führen. 

Lorenz Potocnik – Sie  engagieren sich für die neue Partei NEOS in Linz. Warum hat es Sie mit 43 noch in die Politik verschlagen?
Ich habe eine ,normale‘ Architektenlaufbahn hinter mir. 2008 habe ich dann das gemacht, was ich immer schon wollte: Stadtentwicklung. Dabei habe ich die Politik immer als Innovationshemmer erfahren. Als NEOS auftauchte, war klar: Das ist ein neuer Stil, eine Bürgerbewegung. Da will ich dabei sein.

Der Reiz des Neuen scheint bei NEOS  bereits verpufft zu sein:  Nur 6,9 Prozent bei den Landtagswahlen im Heimat-Bundesland von Matthias Strolz. Eher mau.
Das Ergebnis ist okay. Der Einzug in den Vorarlberger Landtag ist seit 30 Jahren keiner neuen Partei mehr gelungen. Ein neues Spiel der Kräfte ist dank NEOS entstanden. Aber es stimmt: Wir liegen dort unter unserem Potenzial. In Linz und OÖ wird  das nicht passieren.

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Apropos Potenzial: Wie sieht‘s damit in Linz für 2015 aus?
Wir wollen mitgestalten, das heißt in die Stadtregierung hinein.

Warum sollte man die NEOS in Linz überhaupt wählen?
Wir werden der absolute Innovationsträger sein, die Stadt bunter machen, neu erfinden und wo es nötig ist, als Mediator agieren. Und wir wollen beim Wohnen neue Impulse setzen. All das wird getragen von einer Vision, die ich aber noch nicht verraten kann. Denn gerade in Linz sind die Parteien auf das Klauen von Themen spezialisiert.

Bei der Europa-Wahl, in Vorarlberg, in Wien und auch in OÖ treten NEOS mit einer Frau als Spitzenkandidatin an. 
In den erwähnten Fällen waren die jeweiligen Frauen die besten. In Linz wird das Team ausgewogen sein. Insgesamt sind Frauen aber weniger motiviert, aktiv im politischen Feld zu arbeiten, das merken wir schon auch.

Medial wird gerne die dünne Personaldecke von NEOS kritisiert: Nach Matthias Strolz kommt angeblich lange nichts.  
Dieses falsche Argument kommt gerne von den anderen Parteien. Wir haben unglaublich gute Leute. Gerade diese vielen klugen und sympathischen Persönlichkeiten sind der Hauptgrund meines Engagements.

Sie gelten als aussichtsreichster Kandidat für die Nummer 1-Position der NEOS in Linz. Die Kandidatenliste steht aber noch aus.  
Uns zeichnet aus, dass wir ein dreistufiges Auswahlverfahren haben. Zuerst Online-Vorwahlen, wo jeder wählen kann, dann stimmt das Landesteam ab und dann die Mitglieder. Das Linzer Team wird so voraussichtlich April 2015 stehen.

Ihr Programm für Linz liegt bis jetzt ebenfalls noch nicht am Tisch.
Es liegt bereits auf dem Tisch, ist aber noch nicht öffentlich einsehbar. Rund 30 Leute arbeiten bis Ende Oktober am Feinschliff.

NEOS waren in Linz bisher kaum sichtbar. Wo bleibt das große Kino?
Unsere 200m2 große ,Neosphäre‘ an der Mozartkreuzung ist bereits geöffnet. Wir arbeiten gründlich, sind aber auch wie ein Start-up unterwegs. Bei uns werken praktisch nur Freiwillige und Ehrenamtliche. Eine Mitgliedschaft ist nicht nötig. Jeder, der will, kann mitarbeiten und sich einbringen.

Wie stehen Sie zu folgenden aktuellen Linzer Themen: Leistbares Wohnen in Linz?
Da wird an den falschen Schrauben gedreht. Statt Vorschriften sollten die echten Kostentreiber angegangen werden: teure, politisch durchfärbte Genossenschaften, Stellplatzverordnungen, perverse Normen und Brandschutzbestimmungen oder gesetzliche Mindestgrößen bei Wohnungen.

Die Schulden der Stadt Linz?
Sind hausgemacht und viel zu lange auf die lange Bank geschoben worden. Der Wahnsinn ist: Aus wahltaktischen Gründen wurde und wird die Sanierung immer wieder weiter verzögert.

Betteln in Linz?
Das Thema ist zu heikel für populistische Antworten. Statt dessen müssen sachliche und professionelle Lösungen entwickelt werden.

Ordnungsdienst?
Schlimmste Law-and-Order-Mentalität. Wir benötigen Innovation, Kommunikation und keine Pseudo-Polizisten um über eine Million Euro. Ich würde sie – und das meine ich ernst –  zu den ersten ,Stadtclowns‘ Europas machen. Sie sollen die Menschen unterhalten, vermitteln und als Konfliktmanager agieren. Schaffen wir das, kommen die Leute aus ganz Europa angereist, nur um das anzuschauen.

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