Als man zwischen Linz und Urfahr noch den “Brückenpfennig” zahlen musste

Vor genau 100 Jahren wurde das eigenständige Urfahr nach Linz eingemeindet. Die Stadt war damals mit 15.000 Einwohnern die größte Ortschaft des Mühlviertels – und auch so etwas wie die heimliche Mühlviertler Hauptstadt. Im Gegensatz zu den Linzern verfügen zumindest ältere Urfahraner über einen ausgeprägten Lokalpatriotismus. Kein Wunder: Urfahr lag viele Jahrhunderte mit dem größeren Linz im Dauer-Clinch.

1360 wird der Ort nördlich der Donau erstmals urkundlich erwähnt, aber erst 1808 wird Urfahr zum Markt erhoben – Linz hatte sich viele Jahrhunderte lang erfolgreich gegen ein Großwerden der Siedlung gewehrt. Die Markterhebung war übrigens die Voraussetzung, dass Kaiser Franz I. am 20. März 1817 ein Volksfest in Urfahr genehmigte, den Urfahraner Markt. Die Erhebung zur Stadt erfolgte 1882.

Urfahr war größte Stadt des Mühlviertels
Am 01. Juni 1919 wurde Urfahr dann von Linz eingemeindet. Urfahr zählte damals rund 15.000 Einwohner und war damit die größte Stadt des Mühlviertels. Von 1945 bis 1955 war Urfahr von den Russen besetzt, während Linz “amerikanisch” war, die Demarkationslinie verlief mitten in der Donau. Wer von Linz nach Urfahr (oder umgekehrt) wollte, kam über eine oft sehr mühsame Ausweis- und Personenkontrolle nicht hinweg.

Wappen-200

Urfahr verfügt über ein eigenes Wappen, das dem Linzer allerdings sehr ähnlich sieht. Vor einem Stadttor ist darauf ein Fährmann mit Zille und einem Überfuhr-Gast zu sehen.

Der Name “Urfahr” stammt vom Begriff “Überfahrt” ab – hier war viele Jahrhunderte lang ein wichtiger Übergangsplatz, um das begehrte Salz vom Süden über das Mühlviertel nach Böhmen zu transportieren.

Donaubrücken beherrschten die Entwicklung von Linz und Urfahr
Die Beziehung zu den beiden damals eigenständigen Gemeinden Linz und Urfahr nahm  1497 so richtig Fahrt auf: Damals stimmte der römisch-deutsche König und Kaiser Maximilian dem Bau einer Donaubrücke in Linz zu – und stellte ein “Brückenprivileg” aus. Sie sollte nach Wien (1439) und Krems/Mautern (1463) erst der dritte Donauübergang im Herzogtum Österreich sein. Die erste Linzer Brücke war aus Holz, hatte 21 Joche und wurde in der Nacht abgesperrt. Wer nicht in Linz wohnte, musste Maut, den sogenannten “Brückenpfennig” bezahlen. Auch Urfahraner mussten blechen. Für die Fährleute war die Brücke dennoch ein herber Schlag, viele mussten ihr Geschäft aufgeben.

Urfahr vom Westen aus gesehen.

Urfahr vom Westen aus gesehen.

Mit der Pferdeeisenbahn und der Tramway nach Urfahr
Mit dem Bau der Pferdeeisenbahn von Gmunden über Linz nach Budweis wurden 1832 auf die hölzerne Brücke Gleise verlegt. Am 5. Mai 1868 wurde die Holzbrücke durch die Kollision mit einem Schiff zerstört – ein mit Weizen beladener Kahn krachte gegen die Holzpfeiler, dabei kamen mehrere Menschen zu Tode.

1872 folgte der erste stählerne Donauübergang, eine eiserne Gitterbrücke. Sie ist wie die Neue Linz Donaubrücke, die derzeit gebaut wird (Architekt Marc Mimram aus Paris), französischen Ursprungs und stammte von den Firmen Schneider und Castor (ebenfalls aus Paris). 1880 rollte die erste Pferdetramway vom „Westbahnhof“ (heute der Hauptbahnhof), nach Urfahr zum Hinsenkampplatz. 1895 wurde die Pferdetramway dann bis zum Mühlkreisbahnhof verlängert.

Fluch und Segen zugleich: Die Shopping Mail "Lentia City im Zentrum Urfahrs.

Fluch und Segen zugleich: Die Shopping Mail “Lentia City im Zentrum Urfahrs.

Die heutige Entwicklung ist als zwiespältig anzusehen: Linz kümmert sich immer noch zu wenig um seinen nördlichen Stadtteil. Die Hauptstraße als direkte Verlängerung der Landstraße ist verwaist, die Frequenz ist niedrig, aber die Anzahl der (Pendler-) Autofahrten hoch. Bestes Beispiel ist die jährliche Weihnachtsbeleuchtung: Während die Landstraße schimmert und leuchtet, hängen in Urfahr uralte Beleuchtungselemente, die in den letzten Jahren immer weiter ausgedünnt wurde. Auch von vielen (teilweise hochsubventionierten) Veranstaltungen auf der Landstraße bekommt die Hauptstraße nichts ab.

Der 96 Meter hohe Bruckner Tower wird ab 2020 die neue Landmark im Zentrum Urfahrs darstellen.

Der 96 Meter hohe Bruckner Tower wird ab 2020 die neue Landmark im Zentrum Urfahrs darstellen.

Städtebaulich gibt es eine bedenkliche Entwicklung: Das einst beschauliche, fischerdorfartige Alturfahr an der Donau verändert sein Ortsbild durch den Bau von Anlegerwohnungen immer weiter in eine Richtung, die nicht überall Zustimmung findet. Mit dem Bau des Bruckner Towers (96m) erhält Urfahr neben dem Lentia-Komplex (81m) bis 2020 ein weiteres Hochhaus mitten im Zentrum.

Auch das Verkehrsproblem belastet Urfahr – sowohl vom Westen (Rohrbacher Bundesstraße), als auch vom Norden (Haselgraben) und Osten (Mühlkreisautobahn) drängen täglich zehntausende Pendler-Autos in den Stadtteil. Nichtsdestotrotz ist Urfahr aufgrund seines grünen Umlandes und teilweise immer noch kleinstädtischen Charakters der beliebteste Wohn-Stadtteil von Linz.

 

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