“Wir wollen keine One-Man-Show mehr sein”

Eine Runde vor Schluss fixierte Erste Liga-Aufsteiger FC Blau-Weiß Linz den Klassenerhalt. Am 01. Juli übernimmt bekanntlich Walter Niedermayr den Geschäftsführer-Posten bei der neugegründeten Gmbh, die sich um den Profibetrieb des Vereins kümmert. Der LINZA! plauderte mit dem neuen starken Mann bei den Linzern, der am 31. Mai die Umwandlung des Klubs in einen Mitgliederverein präsentieren will.

Walter Niedermayr – was für ein Frühjahr! Waren Sie davon überzeugt, dass der FC Blau-Weiß Linz am Ende doch noch den Klassenerhalt schafft?
Ja ich war mir schon sehr sicher und hatte aufgrund der schon sichtbaren besseren Performance unter dem neuen Trainer im Herbst gesehen, dass da noch weit mehr möglich ist. Trotzdem hat mich dann dieses sensationelle Frühjahr positiv überrascht, auch wenn es am Schluß durch einige Langzeitverletzungen von Stammspielern und unnötigen Last-Minute-Toren Toren noch enger geworden ist.

Am 01. Juli übernehmen Sie den Chefsessel bei Blau-Weiß Linz. Ganz provokant gefragt: Wissen Sie überhaupt, worauf Sie sich da einlassen? Schließlich sind Fußballfans keine Spezies, die man leicht zufriedenstellen kann.
Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe und ich glaube, dass man beim FC BW Linz noch einiges bewegen kann. Natürlich ist mir bewußt, dass auch einmal wieder schlechtere Zeiten kommen können und dann viel Kritik über den Chef des Klubs abgelassen wird. Aber mein blauweißes Herz ist einfach größer.

Bitte um drei Punkte, die Sie und Ihr Team ganz konkret anders machen wollen als Ihr Vorgänger Hermann Schellmann.
1) Wir sind ein großes Team und alle werden dort eingesetzt, wo Sie Ihre Stärken haben.Wir sind also breit aufgestellt und wollen keine One-Man-Show mehr sein.
2) Wir bekennen uns zum Profifußball und werden sukzessive die Strukturen und das Umfeld für einen Profiklub aufbauen.
3) Wir werden ein offener und transparenter Verein sein und die Nähe zu unseren Fans suchen.

Sie sind wahrscheinlich bereits jetzt schon voll in der Materie drin. Wieviele Stunden wenden Sie aktuell pro Woche für den FC Blau-Weiß Linz auf – und um wieviel hat sich das im Vergleich zu früher geändert?
Für mich ist es inzwischen ein Fulltime-Job, der auch an Wochenenden nicht Halt macht. Die Stundenanzahl habe ich mir noch nicht ausgerechnet, da die Arbeit momentan so richtig Spaß macht. Früher hatte ich nur sporadisch etwas im Verein zu tun.

Gibt es ein berufliches Motto – und/oder ein privates?
Als berufliches Motto gefällt mir in Bezug auf unser Teamwork und meiner Rolle als Präsident folgender Satz:”Ich bin für nichts zuständig, aber für alles verantwortlich.” Privates Motto: “Es gibt viele Wege zum Glück. Einer ist aufhören zu jammern.”

Vor einigen Wochen haben sie die „Agenda 2027“ ausgerufen, einen Zehnjahresplan. Welche aktuellen Punkte dieses Plans sind bereits erledigt oder auf Schiene?
Der Schlüssel für das neue Büro in der Tabakfabrik wurde bereits übernommen und wir werden Anfang Juni einziehen. Intensive Gespräche mit allen bestehenden und potientiellen neuen Sponsoren wurden geführt. Die Umsetzung des Mitgliedervereines wird wie versprochen am 31. Mai präsentiert. Alle anderen angekündigten Aktionen, speziell im Finanz- und Marketingbereich – sind im Laufen und werden zeitnah bekanntgegeben.

Es war zu hören, dass das Budget des Klubs in der kommenden Saison steigt. Wie ist das möglich und welche Höhe wird es betragen?
Ja das Budget ist gestiegen und beträgt  zwei Millionen Euro. Wir sind aber zuversichtlich, dass im Laufe der Saison noch der eine oder andere Sponsor dazukommt.

Nach dem sensationellen Frühjahr werden da und dort bereits Begehrlichkeiten nach Mehr laut. Was, wenn dieser Zehnjahresplan nicht hält und man möglicherweise schon in zwei oder drei Jahren in der Ersten Liga ganz vorne mitspielt?
Eine der Hauptpunkte der Agenda 2027 ist, dass wir nichts überstürzen, keine wirtschaflichen Abenteuer eingehen und step by step unsere Strukturen für einen Profiklub aufbauen.

Neo-Blau-Weiß Linz Boss Walter Niedermayr

Neo-Blau-Weiß Linz Boss Walter Niedermayr

Im kommenden Jahr steigen bis zu drei Klubs aus der Ersten Liga in die Bundesliga auf. So billig wird’s einen Aufstieg so schnell nicht mehr geben. Sollte man da nicht schwach werden und „All in“ gehen?
Sollten wir schon früher sportlich, budgetär und strukturell für die Bundesliga bereit sein, nehmen wir das natürlich auch gerne an – aber ohne finanzielle Abenteuer.

Das Zuschauerinteresse beim FC Blau-Weiß Linz ist sein Jahrzehnten gleich niedrig – wie bei anderen Klubs auch. Ist es realistisch, beim Fanaufkommen einen Turnaround zu schaffen?
Das Zuschauerthema macht mir am meisten Bauchweh. Man sieht ja momentan auch, dass gute Leistungen im Frühjahr nicht honoriert werden. Da werden wir intensiv auch mit externen Beratern versuchen, einen Turnaround zu schaffen. Von heute auf morgen wird es aber nicht gehen.

Was wäre denn beim Zuschauerschnitt für Sie ein reales Ziel für die Erste Liga bzw. für die Bundesliga?
In Linz müsste es schon realistisch sein, irgendwann in der Ersten Liga einen Zuschauerschnitz von 2500 zu haben, in der Bundesliga wären mittelfristig um die 5.000 möglich.

Noch kurz zum Lokalrivalen: Meistertitel, Stadionneubau, neue Sponsoren… der LASK ist derzeit mit einer extrem hohen Schlagzahl unterwegs, während man von den Blau-Weißen eher wenig hört. Oder täuscht dieser Eindruck?
Der Eindruck täuscht – unsere Agenda 2027 mit vielen Eckpunkten und der Turnaround mit einem sportlich tollen Frühjahr spricht für sich.

 

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