Jahrmarktgelände: Die kasachische Steppe zu Gast mitten in Linz

Trotz allem Jubel um 200 Jahre Urfahranermarkt (Start diesen Samstag), darf eines nicht vergessen werden: An den restlichen 50 Wochen im Jahr ist der wohl am schönsten gelegene Fleck von Linz so gut wie ungenutzt. Unzählige Touristen und Besucher kommen täglich am Jahrmarktgelände vorbei. Was sich ihnen dort für ein Bild bietet, ist beschämend: eine versiegelte Betonfläche, im westlichen Teil verödete Flächen, unansehnliche Betonklötze und Tristesse pur. So oder ähnlich dürfte es auch in der kasachischen Steppe aussehen…

“Auf 12.600 Quadratmetern entsteht im westlichen Teil des Jahrmarktgeländes ein neuer großer Park“ kündigte 2007 eine von SP-, FP- und grüner Gemeinderatsfraktion initiierte Presseaussendung verheißungsvoll an. Ziel war damals „so viel Fläche wie möglich zu begrünen“. Übriggeblieben ist von diesen ursprünglichen Plänen leider nichts: Öde Flächen mit ein paar verdörrten Grasbüscheln bestimmen die Szenerie. Bis zu 1.000 PKWs nutzen den angrenzenden Parkplatz des Jahrmarktgeländes täglich, viele Gäste bekommen den trostlosen „Park“ auf dem Weg in die City als erste traurige Impression unserer Stadt zu Gesicht.

Die Vergebührung des dortigen XL-Parkplatzes ab Sommer ist zu hundert Prozent richtig und wichtig. 1.000 kostenlose Pendler-Parkplätze haben mitten in der Stadt wirklich nix verloren. Gleichzeitig sollte ENDLICH eine Neukonzeptionierung der Fläche angedacht werden. Es ist gelinde gesagt ein Irrsinn, wenn dieses zentrale Areal wegen zwei Wochen Jahrmarkt-Geiselhaft ein ganzes Jahr lang einer sinnvollen Stadtplanung entzogen wird. Zumindest eine attraktive Ufergestaltung mit Wasserzugang wäre machbar, um das Gebiet als Naherholungszone zu nutzen. Warum keine temporäre Nutzung als “Pop-Up-Hafencity” mit Streetfood-Container im Sommer? Oder eine Erweiterung mit Sportflächen (Hartgummiboden), einer Open Air-Konzertarena mit seitlichen Tribünen, die auch beim Jahrmarkt genutzt werden kann? Ideen und Möglichkeiten gäbe es Dutzende, ohne dabei den Urfix in Frage zu stellen. Das Schlimmste jedoch ist ein Stillstand, ein Verharren im Nichtstun oder ein Riesen-Parkplatz als größtmöglicher Wurf. Dafür ist das Gebiet zu schade.

Ein führender Stadtpolitiker sagte mir kürzlich im vertraulichen Gespräch: “Den Jahrmarkt rührn wir ned’ an, da verbrenn’ ma uns sicher ned die Finger!” – traurig, aber bezeichnend für so manchen Stillstand im Gemeinderat, in dem zukunftsweisende Projekte und die dazugehörigen Entscheidungen wegen politischer Haxlbeißerei immer wieder verunmöglicht werden. Wo ist der Mut, der Wille, das Selbstbewusstsein für einen großen Wurf? Linz, da geht mehr!

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