Nach 200 Jahren Pause: Oberösterreichs Wein kehrt zurück

Gut 1.000 Jahre lang war Oberösterreich eine große und bedeutende Weinbauregion. Die heutige Universität oder das Linzer Schloss waren im 15. Jahrhundert umrahmt von endlosen Weingärten. Durch die Kleine Eiszeit zwischen 16. und 19. Jahrhundert endete die Ära. Jetzt feiert der Rebensaft aus unserem Bundesland eine Renaissance: Alleine im letzten Jahr erhöhte sich die Anbaufläche um fast 20 Prozent auf 82,2 Hektar. Wurden die ersten Belebungsversuche des Weinanbaus in OÖ eher als kaum trinkbarer “Heckenklescher” tituliert, hat sich die Qualität mittlerweile enorm gesteigert: Oberösterreich kann u.a. mit fruchtig-frischen Weißweinen auf tiefgründigen, tonigen Böden punkten. 

Noch heute gibt es eine Vielzahl von Orts-, Haus- und Flurnamen, die an das traditionsreiche Weinland Oberösterreich erinnern: Die Linzer Weingartshofstraße oder die Bauerhäuser “Oberer und Unterer Weingarten” am Schatzweg in St. Magdalena – westlich der heutigen Universität gab es im 17. Jahrhundert sogar 25 Hektar Weingärten. Auch der Name des Schloss Weinbergs im unteren Mühlviertel erinnert an diese Zeit. Weitere große Weinanbaugebiete erstreckten sich die gesamte Donau entlang bis ins Innviertel und ins Kremstal. Das Stift St. Florian lag ebenfalls inmitten von ausgedehnten Weingärten. Sogar im Salzkammergut bis Gmunden und Bad Ischl gab es vereinzelt Weinbauern.

Das Wappen Aschachs erinnert an die große Vergangenheit als Weinbauregion.

Das Wappen Aschachs erinnert an seine große Vergangenheit als Weinbauregion.

Aschach als Zentrum des Weinanbaus
Das Aschacher und Eferdinger Becken waren im Mittelalter das Zentrum des Weinanbaus in unserer Region. 1512 verlieh Kaiser Maximilian I. dem Markt Aschach das charakteristische Wappen mit den beiden Weintrauben, eine blau, eine grün. Der Markt Aschach und vor allem der Aschauer übte auf den Kaiser, der hier mehrmals Station machte, eine hohe Anziehungskraft aus.

Nachweislich über 1.000 Jahre Weinanbau in Oberösterreich
Die Anfänge des oberösterreichischen Weinbaus reichen aber noch viel weiter zurück, möglicherweise bis in die Römerzeit. Schriftlich erwähnt ist der oberösterreichische Wein erstmals im 8. Jahrhundert. Im Raum Aschach lassen sich in der Zeit zwischen 770 und 1400 zwei Bistümer und zwölf Klöster mit großem Weingartenbesitz nachweisen. Klar: Wein war nicht nur für die Liturgie wichtig, sondern auch Herrengetränk. Daher legten die Bistümer und Klöster auf Weingärten besonderen Wert.

Bier auf Wein
Im späten 16. Jahrhundert begann der Niedergang, der sich bis ins frühe 19. Jahrhundert hinzog. In den “Weinzehenttabellen” der Herrschaft Burg Eferding liest sich das nahende Ende dramatisch: 1751 gab es noch 2023 Joch Weingärten, 1789 noch 83, während es 1831 nur mehr 27 Joch waren. In Linz verschwanden die Weingärten um 1740, in St. Magdalena wurde noch bis etwa 1820 Wein angebaut. Grund war die “Kleine Eiszeit” zwischen 1650 und Ende des 19. Jahrhunderts. Alte Berichte sprechen von “erfrorenen Rebstöcken”, der Klimawechsel von Warm nach Kalt muss damals durchaus drastisch gewesen sein. Es gab aber auch Gewinner durch den Niedergang des Weinanbaus: Die Herstellung von Most, Bier und Schnaps kam damals so richtig in die Gänge, speziell der Siegeszug des Biers scheint noch lange nicht zu Ende.

Made in Upper Austria: Der Jahrgang 2018 von Weinbau Gmeiner aus Perg. (Foto: Weinbau Gmeiner)

Made in Upper Austria: Der Jahrgang 2018 von Weinbau Gmeiner aus Perg. (Foto: Weinbau Gmeiner)

Oberösterreich holt auf
Höhere Temperaturen, längere Schönwetterperioden und der frühere Vegetationsbeginn lassen die neuerlichen Klimaänderungen – diesmal aber in die andere Richtung – bereits klar erkennen. Während diese Veränderungen viele Bauern unter Druck bringen, kehrt dadurch der Weinbau nach OÖ zurück. Oberösterreich weist derzeit zwar gerade mal einen Anteil von rund 0,2 Prozent an den gesamten Rebflächen Österreichs auf.  Derzeit  bewirtschaften 47 Winzerbetriebe eine Rebfläche von 82,2 Hektar. Im österreichweiten Vergleich nimmt unser Bundesland derzeit noch eine untergeordnete Rolle ein, holt aber auf: Alleine im Vorjahr wuchs die Anbaufläche um knapp 20 Prozent. Die klassischen Wein-Bundesländer sind Niederösterreich (28.145 Hektar), Burgenland (13.100 Hektar), Steiermark (4.633 Hektar) und Wien (637 Hektar).

Weißwein made in OÖ
Unser Bundesland punktet vor allem mit fruchtig-frischen Weißweinen aus tonigen Böden. Neben den überwiegenden Weißweinen bieten Oberösterreichs Winzer aber auch Rotweine bester Töne: „Oberösterreich bietet sich vor allem für Rebsorten, die es nicht ganz so warm und kontinental brauchen, als optimaler Standort an. Wir haben interessante Lagen entlang der Donau aufzuweisen, bei denen das milde Klima des Donauraums auf die kühlen Strömungen aus dem Mühlviertel treffen. Der Wechsel zwischen warmen Temperaturen während des Tages und regelmäßiger Abkühlung in der Nacht sorgt für die besondere Aromen-Entfaltung “, weiß der OÖ Weinbauverband-Präsident Karl Eugen Velechovsky.  

 

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