Bummel-Bim fährt nur mit 21km/h

Öffis im Test: 53 Minuten mit der Bim, nur 18 mit dem Auto – so verwundert es nicht, dass Autofahrer nicht auf Öffis umsteigen. Mit einem Ausbau und immer mehr Haltestellen alleine ist es nicht getan. Es braucht auch neue Ideen zur weiteren Attraktivierung. Es hapert aber (noch) an Visionen und Willen zur Umsetzung.

Keiner käme heute mehr auf die Idee, die ÖBB-Railjets zwischen Linz und Wien in jedem kleinen Ort anzuhalten. Genau das aber tun die Straßenbahnen der Linz Linien: Von der Solar City bis zur Uni sind es 43 Stationen – was die Fahrzeit von 53 Minuten für 18 Kilometer erklärt. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 21km/h. Der Sieger des heurigen Linz Marathons lief mit 19,2km/h durch die City, wäre zu Fuß also fast genau so schnell. Mit dem Auto schafft man die Strecke in 18 Minuten Das beste Öffi-Netz hilft nichts, wenn man nur im Schneckentempo vorankommt.

Express-Straßenbahnen als Lösung?
Eine Idee wäre – analog zu den bestehenden vier Schnellbuslinien der LINZ LINIEN – die Einführung von ‚Speed-Bims’: Express-Straßenbahnen, die nicht an allen 43 Haltestellen, sondern nur an den zwölf wichtigsten Umstiegspunkten halten. So ließe sich die Fahrzeit von 53 auf unter 30 Minuten optimieren. Die Investitionskosten würden sich im Rahmen halten: Lediglich vier Ausweichstellen zum Überholen wären zu errichten. Wer Fahrzeit spart, zahlt auch gerne mehr: Vorstellbar ist, für die Benutzung der ‚Speed-Bims’ einen Express-Zuschlag zu entrichten. Zum Beispiel drei statt zwei Euro für die Langstrecke. Diese Mehreinnahmen würden die überschaubaren Investitionen wieder hereinspielen.
Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) zur Idee von Speed-Straßenbahnen: „Diese Frage wäre erst im Zuge der Planungen für die zweite Straßenbahnachse zu klären. Der derzeitige dichte Straßenbahnverkehr lässt ein solches Modell nicht zu.“ Detlef Wimmer (FPÖ) hält eher „eine S-Bahn von Urfahr zum Hauptbahnhof und in den Linzer Süden für sinnvoller und günstiger.“

Vorzeigeprojekt: die City-Seilbahn von La Paz

Vorzeigeprojekt: die City-Seilbahn von La Paz

Zukunftsidee City-Seilbahnen
Manche Städte liebäugeln neuerdings mit Seilbahnen als staufreie Nahverkehrslösung. In vielen Metropolen Südamerikas bereits längst gang und gäbe, steckt diese Idee in Europa noch in den Kinderschuhen. In Graz wird seit einigen Jahren über das Seilbahn-Projekt „Mur-Gondel“ diskutiert. München will den Bau von City-Seilbahnen in die künftige Verkehrsplanung einfließen zu lassen. Und in Zürich ist die „Zooseilbahn“ mit Anbindung des Zoos an die City bereits im Planungsstadium. Die Vorteile liegen auf der Hand: geringe Investitonskosten, hohe Kapazität und Umweltfreundlichkeit. Eine kuppelbare Seilbahn mit 15er-Gondeln erreicht eine Geschwindigkeit von 27km/h und kann bis zu 4.000 Gäste pro Stunde befördern. Die in der City völlig überlasteten Straßenbahnen schaffen bei einer 7,5-minütigen Frequenz nur knapp 2.000 Personen – und müssen um ihren Platz mit Fußgängern, Radfahrern und Autos kämpfen. Zudem läuft der Betrieb einer Seilbahn mit sehr geringem Personalaufwand. Die Investitions- und Betriebskosten liegen um ein Drittel unterhalb jenen einer Bim-Linie.

Die visionäre Idee stößt bei der Stadtpolitik auf wenig Gegenliebe. Man setzt lieber auf Bewährtes: „Uns ist bislang kein realisierbares Konzept bekannt, das in der Kosten-Nutzen-Rechnung überzeugen könnte“, sagt Eva Schobesberger von den Grünen. „Wir brauchen zunächst die Umsetzung der zweiten Straßenbahnachse und Park-And-Ride-Anlagen. Das ist das Pflichtprogramm, für die Kür fehlen derzeit Planungen und auch Finanzierungen“, meint Bernhard Baier von der ÖVP. Und Detlef Wimmer von der FPÖ ergänzt: „Solange Linz nicht einmal eine S-Bahn hat, ist diese Idee etwas utopisch.“


Luger-400x500-c-GruberBÜRGERMEISTER KLAUS LUGER (SPÖ)
Schnellere Öffis: „An einer Lösung wird mit einer S-Bahn in den Linzer Süden bereits gearbeitet.“
Neue Nahverkehrsideen: „Kreative Ansätze und Transportmittel sind immer denkbar. Es stellt sich hierbei die Frage der Praktikabilität für die NutzerInnen.“
Gratis-Öffis: „Ich kann kostenlosen Öffis nichts abgewinnen. Das würde uns finanziell überfordern. Wichtig ist, auch für finanziell Schwächere leistbare Tickets wie unsere 10-Euro-Monatskarte anzubieten.“


Baier-400x500VIZEBÜRGERMEISTER BERNHARD BAIER (ÖVP)
Schnellere Öffis: „Die Lösung liegt in der Arbeitsteilung zwischen Straßenbahn/Bus und Regionalbahn.“
Neue Nahverkehrsideen: „Wir brauchen zunächst die Umsetzung handfester Lösungen wie 2. Straßenbahnachse und Park-And-Ride-Anlagen. Das ist das Pflichtprogramm, für die Kür fehlen derzeit Planungen und auch Finanzierungen.“
Gratis-Öffis: „Das war zuletzt Thema im Linzer Gemeinderat. Es hat sich aber keine Mehrheit dafür ergeben.“

Wimmer-400x500STADTRAT DETLEF WIMMER (FPÖ)
Schnellere Öffis: „Eine City-S-Bahn via Eisenbahnbrücke kann mit weniger Stationen viel schneller sein. Auch die Donau soll für öffentlichen Verkehr genutzt werden.“
Neue Nahverkehrsideen: „Solange die Stadt Linz nicht einmal eine S-Bahn hat, sind City-Seilbahnen etwas utopisch.“
Gratis-Öffis: „Wir können uns eine Gratis-Nutzung außerhalb der Stoßzeiten zur Belebung der City-Wirtschaft vorstellen.“


Schobesberger-400x500STADTRÄTIN EVA SCHOBESBERGER (GRÜNE):
Schnellere Öffis: „Für große Entfernungen brauchen wir Schnellbahnen, die auf den ÖBB-Gleisen verkehren. So wäre die Strecke Solar-City zum Hauptbahnhof in sieben Minuten zu schaffen.“
Neue Nahverkehrsideen: „Visionären Projekten stehen wir immer aufgeschlossen gegenüber.“
Gratis-Öffis: „Wir wollen attraktive, leistbare Mobilität in der Stadt und unterstützen die Idee von kostenlosen Öffis.“

 

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