Ferdinand Milanovich – der letzte Linzer Fußball-Meisterkapitän

Er holte als Kapitän des SK VOEST in der Saison 1973/74 den österr. Meistertitel nach Linz, spielte im Meistercup gegen den FC Bareclona, gewann zweimal den Intertoto-Cup und wurde als Trainer Vizemeister: Ferdinand „Milo“ Milanovic. Jahre später heuerte die Linzer Fußball-Legende auch bei ASKÖ DONAU Linz als Coach an – und blieb dem Verein bis heute als Freund, Förderer und treuer Anhänger erhalten. Der Kult-Kicker im LINZA-Talk:

Ferdinand Milanovich – jetzt ist es schon unglaubliche 45 Jahre her, als du als Kapitän mit dem SK VOEST LINZ den Meistertitel nach Linz holtest. Wirst du heute noch auf diese Zeit angesprochen?
Vor fünf Jahren gab‘s das 40. Jubiläum unseres Meistertitels, das war ein großes Wiedersehen. Da wurde auch die Erinnerung wieder in der Öffentlichkeit aufgefrischt. Ja, immer noch sprechen mich sehr viele Menschen auf diese Wahnsinns-Saison 1973/74 an.

Auch als Trainer machte "Milo" stets eine gute Figur...

Auch als Trainer machte “Milo” stets eine gute Figur…

Du warst damals Kapitän des österreichischen Meisters. Warum hat es eigentlich nie mit dem Nationalteam geklappt?
Ich war einige Male auf Abruf nominiert, zu einem Einsatz kam es aber nie. Damals gab es aber auch ein Amateure-Nationalteam. 1967 wurden wir dort Europameister – mit mir als 21-jährigem Spieler. Der Titel hatte damals durchaus ein Gewicht.

Wird es in absehbarer Zeit wieder einen Meister aus Linz oder Oberösterreich geben – oder dauert es nochmals 45 Jahre?
Also in Ried wird es sich sicher nie ausgehen, die sind mit ihrem derzeitigen Umfeld am Plafond. Wenn die finanzielle Kraft nicht da ist, geht gar nix. Falls der LASK sich so weiterentwickelt, springen vielleicht einige weitere Partner auf und alles bekommt eine Eigendynamik. Aber es muss so vieles mitspielen, um den ganz großen Erfolg zu haben.

Immer wieder ist zu hören, in Linz schlummert ein so großes Potenzial und das Publikum wäre hier so toll. Sind wir in Wahrheit nicht lahme Stubenhocker?
Die großen Zeiten sind vorbei, es gibt auch keine Derbys mehr. Konkurrenz belebt hat das Geschäft, das fehlt in Linz leider komplett. Und wenn die Konstanz fehlt – sowohl bei der Leistung als auch in der Vereinsführung –, spüren das die Leute. Dazu kommen noch die ständigen Terminkollissionen in den Ligen, plus Eishockey: Da teilt sich der ohnehin schon kleine Kuchen noch weiter auf.

Die „Weltsensation“ – zumindest aus Linzer Sicht – war 1978 der Transfer von Teamkapitän Willy Kreuz nach Linz. Es heißt, du hast den Deal damals eingefädelt.
So war es auch. Es ging das Gerücht herum, dass Willy Kreuz nach der Erfolgs-WM 1978 in Argentinien vom holländischen Top-Klub Feyernoord Rotterdam nach Österreich zurück will. Ich habe in dem Jahr als Trainer beim SK VOEST begonnen und mit den Klubbossen gesprochen, ob es nicht interessant wäre, den Willy zu holen. Das Werk wollte damals unbedingt die dominante Wiener Austria übertrumpfen und wieder Meister werden. Ich bekam das Okay, rief beim Flughafen an und erkundigte mich, wann das Team in Wien landet. Ich rein ins Auto, ab nach Wien in den Ankunftsbereich, wo ich mir den Willy Kreuz schnappte. Ich kannte ihn noch aus Jugendtagen sehr gut, wir spielten gemeinsam im Nachwuchs von SV Donau (Wien). Ein paar Tage später war der Willy ein Linzer.

Apropos Nachwuchs: Du hast in Wien mit einigen echten Kapazundern gekickt.
Ja, ich spielte als 15-Jähriger gemeinsam mit dem späteren legendären Teamkapitän Robert Sara, Willy Kreuz und dem Boxer Hans Orsolic in einer Mannschaft. Der Orsolic hat schon damals bei jedem zweiten Zweikampf seine Fäuste ausgepackt. Dass er später Boxer wurde, hat also ganz gut gepasst (lacht).

Du warst Spieler, dann gleich viermal Trainer und Manager beim SK VOEST, danach noch Coach bei Vöcklamarkt und ASKÖ DONAU Linz. In welcher Rolle hast du dich am wohlsten gefühlt?
Spieler im Meisterteam – das war schon was. Nach meiner Karriere als Aktiver hat mir der Trainerjob auch sehr gut gefallen. Mir war aber auch klar, dass das mit Familie und Kinder schwierig sein würde, ständig in der Welt herumzureisen. Als hauptverantwortlicher Trainer bist du im Falle des Misserfolges auch mal über Nacht weg – und musst vielleicht einen Job irgendwo im Ausland annehmen. Als Manager war das nicht ganz so kurzlebig. Beim SK VOEST konnte ich mir zudem als Leiter der Poststelle ein berufliches Standbein aufbauen, das war mir aus den erwähnten familiären Gründen einfach wichtig.

Du bist gebürtiger Wiener, durch den Fußball damals aber in Linz hängengeblieben. Bereust du das heute manchmal – Wien hätte gerade als Kicker vielleicht noch bessere Möglichkeiten geboten?
Überhaupt nicht. Natürlich hätte ich da oder dort mehr verdienen und mit einem größeren Auto herumfahren können. Aber was wir in Linz erreicht haben, ist auch nicht ohne: Meistertitel, Meistercup gegen Barcelona, zweimal den Intertoto-Cup gewonnen (Vorgänger-Bewerb zum UEFA-Cup, Anm.), Vizemeister-Titel 1980 – das war schon was.

Und wie begann das damals später mit dir und ASKÖ DONAU Linz?
Den erste Kontakt gab‘s damals, als ich als Manager den Baumi zum SK VOEST holen wollte. Der Kurt war aber bereits damals bei der Metro am Karrieresprung und hat nicht so recht gezogen. Mein erstes Engagement später als Trainer bei Donau war schwierig, weil ich niemanden kannte und ich nicht richtig aufgenommen wurde. Wir beendeten die Zusammenarbeit, um sie ein Jahr später – nach dem Abstieg mit Trainer Erwin Spiegel – wieder fortzusetzen. Ich habe dann meine eigene Regeln aufgestellt – etwa dass der explosive Baumi nicht mehr auf der Trainerbank sitzen und mit dem Schiri streiten darf.

Die Nähe zur Donau ist dir geblieben. Heute bist du noch manchmal in der LINZ AG Arena als Zuschauer. Wo gibst du dir sonst noch die „Kugel“?
Bei Donau bin ich immer dabei, weil hier wirklich ein sehr familiäres Umfeld ist, wo alle zusammenhalten. Auch Blau-Weiß Linz sehe ich mir oft an, meist sind meine VOEST-Spez‘ln Karl Wascher und Joe Kreuzer mit dabei.

Und zum LASK zieht es dich überhaupt nicht?
Nein, für die zahl‘ ich sicher keinen Cent. Außer ich werde mal von jemanden eingeladen, dann könnt‘ ich mir‘s vielleicht überlegen (grinst).

Interview: wilson holz

 

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