“Was Besseres konnte Linz eigentlich gar nicht passieren”

Mit der Städtebaulichen Kommission, dem Kooperativen Planungsverfahren und der Zukunftswerkstatt hat die Stadt Linz drei Instrumente zur gezielten Stadtplanung in der Hand. Vizebürgermeister und Infrastruktur-Referent Markus Hein spricht im jahresendlichen LINZA-Talk über die Entwicklung von Linz, die großen Bauprojekte, aber auch über Persönliches.

Sie haben 2015 mit der Infrastruktur ein Ressort übernommen, vor dem sich jeder andere nahezu gefürchtet hat. Warum haben Sie trotzdem den Sprung ins kalte Wasser gewagt?
Sagen wir mal so: Aufgezeigt hat damals keiner, als es um die Zuteilung des Verkehrs-Ressorts ging. Als gelernter Informatiker/Techniker war das für mich aber von Anfang an hochinteressant – trotz der vielen Baustellen, die es zu beheben galt. Stadtplanung und Verkehr in einer Hand – das macht schon Sinn bei den vielen nötigen Absprachen und Abstimmungen.

Sie arbeiten teilweise sehr eng mit renommierten Architekten wie Andreas Kleboth zusammen. Im Gegenzug gibt es immer wieder starken Gegenwind von Interessensvertretungen. Sind Sie ein “guter Hein” oder ein “böser Hein”, was die Stadtplanung betrifft?
Stadtplanung ist keine exakte Wissenschaft. Ein richtig oder falsch ist in vielen Fällen subjektive Einschätzung. Kritiken muss man sich immer ganz genau anschauen. Wenn man zum Beispiel gegen Bodenversiegelung ist, aber gleichzeitig auch nicht in die Höhe bauen will, ist das ein Unding. Das ist ungefähr so, wie wenn ich mehr Bäume haben will, aber kein Parkplatz wegfallen soll. Die Argumente mancher Kritiker schließen sich gegenseitig aus.

Speziell das Thema Hochhaus wird in Linz mit großer Inbrunst diskutiert…
Es ist ja nicht so, dass wir in Linz nur Hochhäuser bauen. In den letzten 15 Jahren sind vielleicht zehn oder elf gebaut worden. Mit kommt oft vor, es wird mehr über dieses Thema diskutiert als wirklich gebaut. Für eine Stadt ist aber ein vielfältiges Angebot an Wohnraum notwendig. Wir haben nichts davon, wenn wir nur Sozialwohnungen errichten.

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Markus Hein zur Verzögerung beim Bau der Neuen Donaubrücke: “Die Stadt Linz kann sich keinen Vorwurf machen, weil die Fehler von externen Planern gmacht wurden.”

Viel Staub aufgewirbelt hat die Verzögerung des Baus der Neuen Donaubrücke, obwohl die Stadt dabei keine Schuld trifft. Hätte man aus Ihrer Sicht etwas anders oder besser machen können?
Nein, weil die Stadt die Vergaben ordnungsgemäß in einem EU-weiten Verfahren ausgeschrieben hat. Wenn der externe Planer einen Fehler macht, ist es unmöglich, dass wir diesen entdecken. Im konkreten Fall geht’s um fachspezifische Statikfragen, die durch die besondere Konstruktion der Brücke bedingt sind.

Themenwechsel: Mit der Gründung der Städtebaulichen Kommission gelang ein großer Wurf. Wie sehen Sie die Arbeit der Kommission bisher?
Die Post City war die Geburtsstunde der Städtebaulichen Kommission. Diese hat heuer weitere dreimal getagt – beim Schillerpark, beim Lutz Neubau und bei den Nestle-Gründen. Die Kommission hat dabei ordentlich ihre Zähne gezeigt. Bei der Post City etwa hatten wir unterschiedliche Ansichten, was die Nutzung betrifft. Hier gab es klare und strenge Vorgaben, die am Ende auch der Post als Bauherr gefallen haben.

Linz erlebt derzeit einen Hotel-Boom, acht neue Häuser wurden eröffnet oder folgen in den kommenden Jahren. In kurzer Zeit steigt die Zahl der Hotelbetten um etwa 50 Prozent. Wie weit kann die Stadtplanung hier regulierend eingreifen?
Das muss der freie Markt regeln. Die Stadt bringt sich aber ein, damit die Objekte nachhaltig und stabil gebaut werden, um sie später auch anders nutzen zu können.

Ein riesiges städtebauliches Projekt ist der “Garten EBEL” am Kasernengelände Ebelsberg. Man hat den Eindruck, das Projekt schläft etwas ein. Was ist der Stand der Dinge?
Wir arbeiten intensiv daran. Die Flächenwidmung ist zum Beispiel schon so weit gediehen, dass wir sie bald ins Verfahren schicken können. Für die Stadt Linz wird ein hoher zweistelliger Millionenbetrag fällig werden, schließlich müssen Kindergärten und eine Schule gebaut werden, eine Brücke über die Traun und vieles mehr. Bei solchen hohen Beträgen ist klar, dass die Verhandlungen länger dauern.

Was für einen realistischen Zeitplan gibt es für den Garten EBEL?
2021/22 startet die Umsetzung und die ersten Bagger werden auffahren. Die ersten baulichen Maßnahmen werden dabei wohl die bestehenden und denkmalgeschützten Kasernengebäude betreffen.

Auch das Kooperative Planungsverfahren wurde zur Erfolgsgeschichte – nicht nur beim Garten EBEL, sondern auch beim Projekt Wimhölzel/Hinterland und dem Kapuzinerquartier.
Ich denke, das ist ein optimales Instrument, wenn es um große Projekt geht und es viele Stakeholder gibt, die alle ein gemeinsames Ziel haben. Es ist spannend anzusehen, wie sich das betreffende Projekt dann in gemeinsamer Arbeit Step by Step entwickelt.

Eine andere Geschichte ist die kürzlich ins Leben gerufene Zukunftwerkstatt. Von dort kam aber bislang wenig an Output – Stichwort Donauinsel.
Die Grundidee der Zukunftswerkstatt ist auch der Grund, warum man so wenig von ihr hört: Hier entwickelt eine autarke Gruppe ein Projekt. Ich habe jetzt erstmals das Ergebnis der Donauinsel-Idee präsentiert bekommen. Dabei wurde erstmals richtig klar, wie komplex die Umsetzung ist. Ich war jedenfalls positiv überrascht – und wie dass man auch mit einfachen Ideen und geringen finanziellen Mitteln große Gestaltungsmöglichkeiten hat.

Das heißt, die relativ kostenintensive Donauinsel in ihrer ursprünglichen Form mit Seitenarm und einer Fußgängerbrücke über die Donau ist gestorben?
Solange die Finanzsituation so ist, wie sie ist, haben wir andere Projekte, die wichtiger sind – so ehrlich muss man sein. Eine Fußgängerbrücke alleine würde 15 oder mehr Millionen Euro kosten. Um dasselbe Geld bekomme ich eine Traunbrücke beim Kasernenareal in Ebelsberg auch – mit einem vielfach größeren Nutzen.

Und der Donau-Seitenarm?
Auf einem Plan schaut so ein Seitenarm sehr nett aus, ist wasserrechtlich und wassertechnisch de facto aber unmöglich. Man würde nur ein Rinnsal, ein stehendes Gewässer ohne Durchfluss realisieren können, das ökologisch kippt. Zu Jahrmarkt-Zeiten hätten wir dann die Problematik mit den vielen Wildpinklern und dem Müll. Es wurden aber dennoch einige spannende Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir diese Fläche zukünftig besser bespielen und nutzen können. Es wäre zum Beispiel ein idealer Platz, um hier eine Sommerbühne oder ein Sommerkino zu installieren.

Markus Hein zur Rückkehr des LASK auf die Gugl: "Der LASK ist eine Marke, der der Stadt guttut. Was Besseres konnte Linz eigentlich gar nicht passieren."

Markus Hein zur Rückkehr des LASK auf die Gugl: “Der LASK ist eine Marke, der der Stadt guttut. Was Besseres konnte Linz eigentlich gar nicht passieren.”

Der LASK-Deal mit dem Linzer Stadion wird im Dezember-Gemeinderat endgültig eingetütet. Wie sehen Sie jetzt – mit etwas zeitlichem Abstand – die Entscheidung für den Standort Gugl und gegen Pichling?
lch glaube nach wie vor, dass Pichling ein sehr guter Standort gewesen wäre, er war politisch aber nicht mehr durchsetzbar. Dass der LASK sozusagen ins Herzen der Stadt zurückkehrt, begrüße ich absolut. Der LASK ist eine Marke, die der Stadt guttut. Was Besseres konnte Linz eigentlich gar nicht passieren.

Ab Juli 2020 casht die Stadt Linz vom LASK  jährlich 520.000 Euro an Baurechtszins für das Stadion. Bislang war das Gugloval vermutlich ja ein riesiger Abgangsposten…
lch sage mal so: Reich sind wir mit dem Linzer Stadion bisher nicht geworden (lacht).

Weihnachten steht vor der Tür – was schenkt Vizebürgermeister Hein seinen Liebsten: Nützliches, Wertvolles oder vielleicht sogar ein paar Goldbarren?
(Lacht) In Anbetracht des unsicheren Euro-Kurses ist die Sache mit den Goldbarren vielleicht gar keine so schlechte Idee. Aber als Techniker schenke ich gerne technische Gerätschaften. Für meine Frau wird’s ein neues Smartphone, für die Tochter gibt’s einen neuen Laptop. Und beim Geschenk für den Sohnemann ist noch alles offen.

Interview: wilson holz

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