Hochhäuser in Linz: „Geordneter Wettbewerb statt Wildwuchs“

Linz wächst immer weiter in den Himmel, aktuell befinden sich vier weitere Hochhausprojekte in der Planungsphase. Von festen Regeln oder bestimmten Anforderungen an architektonische Qualität, Höhe oder Standort ist aber nach wie vor keine Spur. Damit soll jetzt Schluss sein: Stadtplaner Lorenz Potocnik fordert zukünftig einen verpflichtenden Architekturwettbewerb für alles, was höher als 26 Meter gebaut werden soll.

„Die Stadt hat nach wie vor kein starkes Instrument, das die Qualität der Hochhausprojekte in Linz wirklich steuern kann“, so Potocnik. „Der bestehende Gestaltungsbeirat hat in Wirklichkeit nur beratende Funktion, er kann mehr oder weniger fertige Projekte nachbearbeiten oder verzögern.“ Derzeit würden Hochhäuser anlassbezogen irgendwohin nach Wunsch der Investoren gebaut, ohne Rücksicht auf eine langfristige Stadtplanung, Umfeld oder Nachhaltigkeit. „Diese Planung by Chaos wird uns ordentlich auf den Kopf fallen“, glaubt Potocnik.

Stadtplaner Lorenz Potocnik (NEOS) fordert ein Ende der Anlassplanung.

Stadtplaner Lorenz Potocnik (NEOS) fordert ein Ende der Anlassplanung.

Seit den 1970er-Jahren keine Weiterentwicklung
Gelernt hat Linz aus der Vergangenheit leider wenig. Diese Vorgehensweise wird seit den 1970er-Jahren praktisch unverändert beibehalten. Das Lenau-Hochhaus etwa ist damals einfach im Nichts entstanden. Das heutige Arcotel war nicht das Ergebnis einer vorausschauenden Städteplanung, sondern ist aus der sehr engen Verflechtung des damaligen Bürgermeisters Hillinger mit Investor Jahn und Architekt Perotti entstanden. Ebenso das Lentia 2000 in Urfahr oder das MIBAG-Hochhaus. All diese Hochhäuser wurden entgegen aller Empfehlungen ohne Weitsicht errichtet.

Keine zusätzlichen Kosten für die Stadt Linz
Einen dringend nötigen Qualitätsschub würde ein verpflichtendes Wettbewerbsverfahren bringen, so wie es die öffentliche Hand bereits macht. Um den berechtigten Vorbehalten der Bevölkerung entgegenzukommen und größtmögliche Transparenz bei den Entscheidungen zu schaffen, bieten sich zusätzlich öffentliche Jurysitzungen an. Potocnik: „Für die Stadt entstünden keine Kosten, da diese die Investoren und Projektentwickler tragen müssten.“
Als Gegenleistung gäbe es seitens der Stadt die entsprechende Widmung. Für die Besetzung der Jury wünscht sich Potocnik eine Absprache mit der Kammer für Architekten und Ingenieurskonsulenten.

 

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