Die Linzerin Christina Kremser engagiert sich seit Jahren für Stadttauben. Nun bringt sie einen konkreten Vorschlag in die Debatte um das neue Linzer Fütterungsverbot ein: Statt allein auf Verbote, Strafen und Vergrämung zu setzen, sollte Linz betreute Taubenhäuser schaffen. Dass dieses Modell funktionieren kann, zeigt ausgerechnet ein Projekt mitten in der Stadt – an der Johannes Kepler Universität.
Das Thema Stadttauben polarisiert. Kot auf Fassaden und Plätzen, Nester an Gebäuden und größere Ansammlungen sorgen immer wieder für Beschwerden. Der Linzer Gemeinderat hat deshalb mittlerweile ein ganzjähriges Fütterungsverbot auf öffentlich zugänglichen Flächen beschlossen. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Strafe von bis zu 218 Euro.
„Die Tiere sollen nicht wahllos mit Brot und Essensresten gefüttert werden, sondern an bestimmten Stellen artgerechtes Körnerfutter bekommen – verbunden mit einer kontrollierten Regulierung des Bestandes.“
Für Christina Kremser die falsche Lösung. Die Linzerin gehört zu einer Gruppe, die sich ehrenamtlich um Stadttauben kümmert, und unterstützt die Petition „Linz braucht eine nachhaltige Lösung für Stadttauben – kein pauschales Fütterungsverbot!“. Ihr Vorschlag: Die Tiere sollen nicht wahllos mit Brot und Essensresten gefüttert werden, sondern an bestimmten Stellen artgerechtes Körnerfutter bekommen – verbunden mit einer kontrollierten Regulierung des Bestandes.

Vorbild steht bereits an der JKU
Dass das keine graue Theorie ist, zeigt die JKU. Dort wurde Ende 2023 auf Initiative der Nachhaltigkeitsstabstelle ein betreutes Taubenhaus eingerichtet. Die Vögel bekommen einen festen Aufenthaltsort, gleichzeitig werden gelegte Eier gegen Attrappen ausgetauscht. So soll die Population langfristig reduziert werden. Auch der Kot konzentriert sich stärker am betreuten Standort und kann dort entfernt werden. Die JKU bezeichnet das Projekt als erfolgreich und berichtet von deutlich weniger Verunreinigungen. „Warum also das Modell nicht auch an anderen Linzer Problemstellen ausprobieren?“, fragt Kremser.
Geeignete Dächer oder andere Standorte könnten zur Verfügung gestellt und die Betreuung gemeinsam mit ehrenamtlichen Taubenhelfern organisiert werden. Das Ziel wäre nicht mehr Fütterung im öffentlichen Raum, sondern das Gegenteil: Die Tiere sollen gezielt dorthin gelockt werden, wo Fütterung, Reinigung und Fortpflanzung kontrolliert werden können.
Vergrämung kostet ebenfalls Geld
Hinzu kommt die Kostenfrage. Netze, Spikes und andere Abwehrmaßnahmen müssen montiert, kontrolliert und teilweise erneuert werden. Rund um die Eisenbahnbrücke gab es bereits eine öffentliche Debatte über hohe Kosten für Taubennetze. Die tatsächlich genannten Summen gingen dabei allerdings auseinander: Während Tierschützer von rund 300.000 Euro sprachen, erklärte die Stadt, ein neues Netz koste „weit unter 100.000 Euro“ und sei aufgrund der technischen Anlagen auf der Brücke auch mit Taubenschlägen weiterhin notwendig.
Kremser möchte deshalb nicht einfach das Fütterungsverbot kippen. Sie plädiert vielmehr für ein umfassenderes Stadttaubenmanagement: ungeeignete Fütterung verhindern, gleichzeitig betreute Taubenhäuser schaffen, artgerechte Fütterung dort ermöglichen und durch Eiertausch die Zahl der Tiere langfristig reduzieren.
Linz müsste dafür nicht einmal bei null beginnen. Das Versuchslabor steht bereits am JKU-Campus.
Link zur Petition: „Linz braucht eine nachhaltige Lösung für Stadttauben“

















