330 Studienplätze jährlich, rund 200 Absolventen und drei Viertel bleiben für ihre weitere ärztliche Ausbildung in Oberösterreich: Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) fordert angesichts der Budgetdebatte eine langfristige finanzielle Absicherung der Medizinischen Fakultät der JKU. Im Gemeinderat soll dazu eine Resolution an die Bundesregierung eingebracht werden.
Die Medizinische Fakultät ist längst zu einem wichtigen Faktor für den Gesundheitsstandort Linz geworden. Erst 2014 gestartet, stehen mittlerweile 330 Studienplätze pro Jahr zur Verfügung. Rund 200 Studierende schließen derzeit jährlich ihr Medizinstudium in Linz ab. Besonders interessant für Oberösterreich: Nach Angaben der JKU beginnen etwa 75 Prozent anschließend ihre ärztliche Ausbildung im Bundesland. Damit kommen aus der Linzer Medizin-Ausbildung rechnerisch derzeit rund 150 angehende Ärzte pro Jahr, die zunächst im oberösterreichischen Gesundheitssystem weiterarbeiten.
Genau diese Nachwuchsschiene sieht der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) gefährdet, sollte es keine rechtzeitige finanzielle Absicherung der Fakultät geben. Hintergrund ist das Auslaufen der bisherigen besonderen Finanzierung auf Grundlage der Art.-15a-Vereinbarung mit Ende 2028.
„Wir müssen alles unternehmen, damit sich diese Entwicklung nicht weiter in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin verschärft. Die Medizinische Fakultät in Linz ist dabei ein wichtiger Baustein, weil wir Ärzte am besten dort für unsere Region gewinnen, wo wir sie auch ausbilden.“
50 Millionen Euro fehlen für nächsten Ausbau
Die JKU schlägt Alarm: Für die Jahre 2029 und 2030 werden zusätzlich 50 Millionen Euro benötigt, um die bereits mit dem Wissenschaftsministerium verhandelte zweite Ausbauphase umzusetzen. Geplant sind unter anderem vier zusätzliche Lehrstühle sowie rund 50 weitere Stellen für medizinisches Fachpersonal. Derzeit bestehen gemeinsam mit dem Kepler Universitätsklinikum 16 klinische Lehrstühle; langfristig sollen bis 2039 insgesamt 35 Abteilungen des KUK universitär besetzt werden. „Die Medizinische Fakultät ist für Linz und ganz Oberösterreich längst unverzichtbar. Wir brauchen angesichts des Ärztemangels mehr gut ausgebildete Mediziner und dürfen bei deren Ausbildung keine Unsicherheit zulassen“, fordert Raml.
Die Dimension des Standorts ist innerhalb weniger Jahre kräftig gewachsen: Zum zehnjährigen Bestehen 2024 wies die JKU bereits 22 Lehrstühle, drei klinische Forschungsinstitute, 130 Lehrordinationen und zwölf Lehrkrankenhäuser aus. Rund 12.500 Quadratmeter Lehr- und Forschungsfläche standen zur Verfügung. Seit 2017 wurden zudem rund 25 Millionen Euro Drittmittel eingeworben.
Vom Hörsaal direkt ins heimische Gesundheitssystem
Für Raml ist vor allem entscheidend, was nach dem Studium passiert. Lange Wartezeiten auf Facharzttermine und Schwierigkeiten bei der Suche nach Kassenärzten würden zeigen, wie wichtig eigener medizinischer Nachwuchs sei. Auch die JKU argumentiert mit diesem regionalen Effekt. Gleichzeitig geht es längst nicht mehr ausschließlich um die Ausbildung von Ärzten: Die universitären Kliniken verbinden Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Klinische Studien können Patienten zudem Zugang zu neuen Therapieansätzen ermöglichen.
Resolution aus Linz nach Wien
Die FPÖ will deshalb im Linzer Gemeinderat eine Resolution an die Bundesregierung einbringen. Darin soll der Bund aufgefordert werden, noch vor Auslaufen der bisherigen Finanzierung eine langfristige, ausreichende und rechtlich verbindliche Lösung für die Zeit ab 2029 zu schaffen.
Das grundsätzliche politische Bekenntnis gibt es bereits: Im Regierungsprogramm ist festgehalten, dass die Medizinische Fakultät Linz nach dem Ende der 15a-Vereinbarung weiterbestehen und nach einer Evaluierung weiterentwickelt werden soll. Eine verbindliche Zusage für die zusätzlich benötigten Mittel für 2029 und 2030 steht laut JKU allerdings noch aus.
Raml hofft deshalb auf ein gemeinsames Signal des Linzer Gemeinderates Richtung Wien: „Bei der Zukunft unserer medizinischen Versorgung sollte es keinen parteipolitischen Streit geben. Die Bundesregierung hat sich zum Weiterbestand und zur Weiterentwicklung der Medizinischen Fakultät bekannt. Diesem Bekenntnis müssen jetzt rechtzeitig konkrete finanzielle und rechtliche Garantien folgen.“

















