Linz fliegt ab Ende März wieder auf – oder besser gesagt nach Frankfurt. Bis zu 36 Millionen Euro an Steuergeld lässt sich das Land diesen (bestellten) Liniendienst kosten. Linz wird damit an den größten deutschsprachigen Star Alliance Hub angebunden, obwohl bereits nach Wien mit der attraktiven Zugverbindung bis unters Abflugterminal eine attraktive Verbindung in die Lufthansa-/AUA-Welt besteht. Dennoch ist die Wiederaufnahme der Frankfurt-Linie zu begrüßen, obwohl damit fast mehr Gefahren als Chancen verbunden sind. Unser Kommentar der Woche stellt dazu sechs Fragen.
- WARUM sollte eine Strecke funktionieren, die zuvor schon schwächelte und über die Jahre seit der Corona-Krise nicht und nicht mehr aus dem Tiefflug herauskam? Viele Unternehmen haben mittlerweile komplett umgestellt und fliegen via Wien zu ihren Terminen in Europa und der Welt. Zudem ist kaum vorstellbar, dass Langstreckentarife ab Linz via Frankfurt künftig mit Wien oder München konkurrieren können, wenn mit DAT Air aus Dänemark eine eigenständige Airline (mit eigenen Tarifen), die nicht zum Star Alliance-Verbund gehört, an den Start geht. Gepäck durchbinden ist das eine, einen gemeinsamen günstigen Tarif anzubieten, ist weit komplizierter.
- WARUM sollte die Frankfurt-Strecke ein Zugpferd sein, dank dem auch andere Fluglinien Linz quasi wiederentdecken sollen (so jedenfalls das Wunschdenken der Politik)? Das Gegenteil ist wohl der Fall: Andere Carrier würden ( zu Recht) darauf pochen, Linz nur mit kräftiger finanzieller Unterstützung anzufliegen, was wiederum aufgrund der restriktiven EU-Regelungen nur schwer und nur in besonderen Ausnahmen möglich ist. Auf jeden Fall wird mit so einer massiven Förderung der Wettbewerb verzerrt.
- WARUM sollte Ryanair – das hofft man jedenfalls – jetzt ab Linz noch mehr Ziele anbieten, wenn gleichzeitig andere Verbindungen mit (sehr) viel Geld ins Fliegen gebracht werden? Das Argument, dass sich ja auch Ryanair um die Frankfurt-Verbindung hätte bewerben können, geht ins Leere: Die irischen Billigflieger stehen mit Lufthansa/Austrian auf Kriegsfuß, eine Durchbindung der Fluggäste in Frankfurt wäre nicht machbar gewesen.
- WARUM hat man bis heute kein schlüssiges Konzept vorgelegt, wie es mit dem Linz Airport grundsätzlich weitergehen soll, in welche Richtung man mit dem Unternehmen überhaupt fliegen will? Die (bestellte und bezahlte) Wiederaufnahme der Frankfurt-Strecke erscheint wie ein Hüftschuss im Glauben, damit wären alle Probleme beseitigt. Mit so viel Geld wäre mehr Fantasie möglich gewesen als more of the same (das nachweislich nicht funktionierte).
- WARUM hat man sich so auf die Wiederaufnahme der Frankfurt-Verbindung eingeschossen, obwohl es mit dem ÖBB-Shuttle ja bereits eine Anbindung an das Star Alliance Netz gibt? Wäre es um so viel Geld nicht sinnvoller gewesen, die Anbindung an andere globale Streckennetze wie ONE WORLD (British Airways/London-Heathrow) oder SKY TEAM (Air France/Paris oder KLM/Amsterdam) zur realisieren? Warum gab es dazu keine professionelle Analyse und hat man sich blind auf Frankfurt festgelegt? Klar ist: Durch die Anbindung an einen anderen Luftfahrtverband hätte man auch Lufthansa/Austrian stärker unter Druck setzen können und den Abfluss nach Wien möglicherweise merklich eindämmen können, was wiederum für mehr Antrieb gesorgt hätte, sich mehr um Linz zu kümmern.
- WARUM – wenn schon ein zweiter Star Alliance Hub – Frankfurt und nicht Istanbul? Der dortige neue Mega-Airport von Turkish Airlines schickt sich an, zu einem der drei größten Flughäfen der Welt mit nahezu endlosen (boomenden) Asien-Connections zu wachsen. Istanbul (80,1 Mio. Passagiere 2024 / Frankfurt 61,6 Mio.) hat jetzt schon viele der (europäischen) Frankfurt-Verbindungen sind auch ab Wien verfügbar.
Es war jedenfalls ein mutiger Schritt, in Zeiten von Negativ-Budgets und steigenden Schulden 36 Millionen in eine seit Jahren schwächelnde Linienverbindung zu stecken. Zudem ist mit dieser Summe noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn auch der reguläre Betrieb des Linz Airports trudelt in den roten Zahlen herum. Dazu kommt noch eine dringend nötige (bis 2030), etwa 25 Millionen Euro teure Pistensanierung, die wohl eine wochenlange Totalsperre des Flugbetriebes erfordert (Salzburg schloss seinen Airport 2019 bei der Pistensanierung für fünf Wochen). Am Ende des Tages könnte der Linz Airport zum Fass ohne Boden werden. Ein Airport ohne Konzept ist er jetzt schon.
Titelfoto: Linz Airport



























