Über 200 Ampelanlagen gibt es in Linz bereits – und ständig kommen neue dazu. Oft besteht aber gar keine Notwendigkeit: Selbst bei relativ kleinen Bauprojekten werden in den jeweiligen Straßen neue Ampeln errichtet, statt auf mehr Eigenverantwortung zu setzen, denn diese beginnt bereits bei vermeintlichen Nebensächlichkeiten. Eines dieser Beispiele sind drei neue „Fahrradampeln“ beim Rad-Highway in der Lederergasse.
Die beiden Ampeln dienen nicht dazu, um die Querung des Rad- und Fußgängerverkehrs über die breite Gruberstraße oder die Lederergasse zu regulieren. Sie sollen vielmehr den Fußgängern die Überquerung des Fahrradstreifens ermöglichen. „Jetzt hätten Fahrradfahrer auf knapp 40 Metern drei Ampeln in dieselbe Richtung zu überwinden“, kritisiert FP-Verkehrssprecher Manuel Matsche die neuen Lichtanlagen, die Radfahrern ein „Stop- and Go-Paradies“ bescheren würden.

Bei der Stadt dürfte man die Unsinnigkeit der Ampeln erkannt haben, diese wurden bereits vor dem Inbetriebnahme mit eigens hergestellten Hussen abgedeckt und damit unsichtbar gemacht.
Hat Linz zu viele Ampeln?
Bis 2027 werden alle Linzer Signalanlagen modernisiert. 5,2 Millionen Euro müssen dafür aufgewendet werden. Im Zuge dieser Maßnahme wäre es wohl kein Fehler gewesen, die Sinnhaftigkeit auch vieler Ampeln auf den Prüfstand zu stellen und neu bewerten. Nur zehn Prozent weniger Ampeln brächten bereits eine gewaltige Einsparung von einer halben Million Euro. In vielen Bereichen täte es mittlerweile wohl ein einfaches Stopp- oder Vorrangschild auch.
Tatsächlich geht es vielen Verkehrsteilnehmern genauso: Minutenlang steht man an oft roten Ampeln an unbedeutenden Kreuzungen, an denen kein einziges anderes Auto quert und man völlig gefahrlos die gut einsehbare Straße überqueren könnte. Das betrifft auch ganz besonders Fußgänger und Radfahrer.
Ampeln – gebaut für die Ewigkeit
Ein zusätzliches Problem: Wurde eine Ampel aufgrund einer Verkehrszählung oder wegen vor vielen Jahren eruierter Unfallzahlen errichtet, bleibt diese gewöhnlich für alle Ewigkeit bestehen. Eine neuerliche Evaluierung – etwa nach zehn Jahren – findet nicht mehr statt, der Abbau von einmal aufgestellten Ampeln ist quasi undenkbar. Warum eigentlich?
„Ampel-Diät“ auch ökonomisch sinnvoll
Aber nicht nur die derzeit laufende Modernisierung der Linzer Ampeln kostet enorm viel: Die Errichtung einer vollwertigen Anlage geht schnell einmal in die mehreren 100.000 Euro – und da reden wir nur von den Errichtungskosten. Wartung, regelmäßige Neuprogrammierung und Instandhaltung gehen zusätzlich ins Geld. Eine prägnante Beschilderung mit Stopp- und Vorrangtafeln samt Haltelinien käme hingegen gerade einmal auf ein paar tausend Euro – und das noch dazu fast völlig wartungsfrei.
Zwei Wochen Wartezeit an Ampeln
Klar ist auch, dass es an vielbefahrenen Durchzugsstraßen, gefährlichen Fußgänger- Übergängen oder unübersichtlichen Kreuzungen keinen Spielraum bei der Sicherheit geben darf. Aber es gäbe mehr als genug Linzer Ampeln, die man überdenken sollte. Das würde übrigens auch volkswirtschaftlich Sinn machen: Jeder von uns wartet im Schnitt zwei Wochen seines Lebens an roten Ampeln.
Kommentar: Mehr Eigenverantwortung
Gerade in den Städten ändert sich derzeit das Mobilitätsverhalten massiv in Richtung Öffis und Fahrräder, die Ampeln bleiben aber. Zudem werden immer mehr Tempo 30-Zonen eingerichtet. Weniger Tempo bedeutet auch kürzere Reaktionswege, weniger Gefahr und damit auch weniger Unfallopfer. Das muss bei der Neubewertung bestehender Ampeln unbedingt mit einfließen.
Es braucht eine regelmäßige Überprüfung, ob die entsprechenden Anlagen (und die völlig verrückte hohe Anzahl) in dieser Form überhaupt noch Sinn machen. Wann hat die Politik eigentlich aufgehört, den Menschen zuzutrauen, dass sie Verkehrszeichen wie eine Stopp- oder Vorrangtafel richtig deuten können?
Es ist ja kein Geheimnis, dass die Politik die Eigenverantwortung in allen Lebensbereichen einschränken will. Man solle aber die Menschen nicht unterschätzen, sondern genau diese Eigenverantwortung stärken, wo es möglich ist. Das ist den Bürgern durchaus zuzutrauen.
Es braucht weniger Ampeln sowie eine Verflüssigung des Verkehrs in Hinblick auf die wachsende sanfte Mobilität und die Transformation des Verkehrs. Linz baut aber immer noch Ampeln wie im düstersten Auto-Zeitalter der 1970er-Jahre des vorigen Jahrtausends.


























