Die Geschichte von Runtastic ist ein Beispiel dafür, wie internationale Konzerne Unternehmen zur Profitmaximierung kaputtmachen. Jetzt wiederholt sich alles mit „tractive“, die Erfolgsstory des Paschinger Unternehmen dürfte nach einem Millionenregen für die Gründer nun jäh enden – zumindest in OÖ. 270 Arbeitsplätze wackeln. In OÖ wird wohl einmal mehr nix bleiben – weder Standort noch Jobs.
Runtastic wurde nach schnellem Wachstum um 220 Millionen Euro 2015 an den Konkurrenten Adidas verkauft, der stampfte die Marke ein, 270 Mitarbeiter im oö. Zentralaraum mussten in weiterer Folge gehen. Dasselbe Muster wiederholt sich nun bei „tractive“ – der Paschinger Hersteller von GPS-Trackern für Haustiere wurde ebenfalls von Florian Gschwandtner als Start-Up (mit)gegründet, jetzt um viele Millionen ins Ausland verkauft, auch hier müssen nun wohl bis zu 270 Mitarbeiter am Standort OÖ gehen. Soziale Verantwortung für Mitarbeiter oder das Ziel, Jobs in OÖ zu erhalten, das alles spielt in der Start-Up-Szene keine Rolle. „Es geht den meisten nur schnell zu wachsen und Millionenprofite abzuschöpfen“, kritisiert ein User, der bei Runtastic beschäftigt war.
Runtastic: Aufstieg, Verkauf und Auslöschung der Marke
Aus einem Projekt zur Verfolgung von Segelrennen entwickelten die Gründer eine Technologie, die sich später auf Laufen, Radfahren und andere Sportarten übertragen ließ. 2009 gründeten Florian Gschwandtner, Christian Kaar, René Giretzlehner und Alfred Luger das Unternehmen in Pasching.
Mit der Smartphone-Revolution traf Runtastic den Nerv der Zeit. Die App zeichnete Laufstrecken per GPS auf, analysierte Trainingsdaten und baute eine Community rund um Fitness und Bewegung auf. Bereits 2013 stieg der Medienkonzern Axel Springer mit 50,1 Prozent ein – damals wurde Runtastic mit rund 22 Millionen Euro bewertet.
Geschichte wiederholt sich. Der neuen Generation von Unternehmern vulgo „Start-Up Gründern“ geht es oft nicht mehr darum, etwas Bleibendes zu schaffen, sondern schnell so viele Millionen Euro wie möglich zu machen.
Spektakulärer Verkauf an Adidas
2015 folgte der große Coup: Adidas übernahm sämtliche Anteile an Runtastic für 220 Millionen Euro. Für die Gründer und Investoren war das einer der größten Exits der österreichischen Start-up-Geschichte. Adidas wollte mit dem Deal vor allem den Zugang zu Millionen Nutzern gewinnen. Damals versprach Adidas, Runtastic weitgehend eigenständig weiterzuführen. Die Gründer blieben zunächst an Bord, Pasching entwickelte sich zu einem wichtigen Digitalstandort des Konzerns. In den folgenden Jahren wurde die Marke schrittweise in den Adidas-Konzern integriert. 2019 verschwand der Name Runtastic weitgehend, die App wurde zu „Adidas Running“ umbenannt. Gleichzeitig verlagerte Adidas immer mehr Entscheidungen in die Konzernzentrale.
Stellenabbau und Ende des Standorts
Im März 2023 wurden zunächst 70 Mitarbeiter abgebaut. Kurz darauf kündigte Adidas das Ende der App „Adidas Training“ an. Ein Jahr später beschloss Adidas, die österreichischen Standorte in Pasching, Wien und Salzburg weitgehend aufzulösen, weitere rund 180 Arbeitsplätze fielen weg.
Geschichte wiederholt sich
Diese Entwicklung wiederholt sich nun mit der Marke „tractive“, dessen Entstehungsgeschichte stark jener von Runtastic ähnelt. Mitbegründer des Unternehmens, das mit GPS-Trackern für Haustiere binnen kürzester Zeit explodierte, war Start-Up-Vorzeigegesicht Florian Gschwandtner. Auch dieses Unternehmen wurde kürzlich an den italienischen Technologiekonzern Bending Spoons verscherbelt, der Verkaufspreis soll (laut Recherchen des ORF OÖ) zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Euro liegen. Auch hier sollen 270 Jobs, fast alle davon in Oberösterreich, nun gestrichen werden.
Warum der Fall Runtastic kritisch gesehen wird
Runtastic ist ein Lehrbeispiel dafür, wie internationale Konzerne innovative, erfolgreiche Start-Ups übernehmen: Zunächst bleiben Marke, Standort und Unternehmenskultur erhalten – manchmal auch mit der Aussage, dass Stellen und Standort nicht gefährdet seien, in weiterer Folge werden Zuständigkeiten oder die Produktion schrittweise zentralisiert. Am Ende bleiben oft nur die Produkte bestehen, während die ursprünglichen Standorte und Arbeitsplätze verschwinden. tractive ist das aktuellste Beispiel, auch bei der Motorradmarke KTM ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten (auch wenn dieses Unternehmen kein Start-Up ist).
Kommentar
Geschichte wiederholt sich. Der neuen Generation von Unternehmern vulgo „Start-Up Gründern“ geht es oft nicht mehr darum, etwas Bleibendes zu schaffen – etwa eine Marke, die besteht und die FÜR etwas steht; die auch in der Region verankert ist und die auch (soziale) Verantwortung für Region, Mitarbeiter und Gesellschaft übernimmt – und nicht das Hauptziel hat, schnell zu wachsen, sich aufzuhübschen und dann um dreistellige Millionenbeträge irgendwohin verscherbelt werden. Hauptsache die Kassa stimmt – ohne jede Rücksicht auf den Standort, die Region und die Mitarbeiter.
Leider wird diese dunkle Seite mancher „Vorzeigeunternehmer“ medial völlig ausgeblendet. Der einzige Gewinner solcher Entwicklungen sind die Bankkonten einiger weniger – das sei ihnen auch vergönnt. Stolz sein braucht man auf solche „Erfolgsmodelle“, die vor Ort nur Rauch und Asche, aber keine Jobs, Standorte oder eine Marke hinterlassen, allerdings nicht.














