2027 wird spannend: Ende September wird in Linz und Oberösterreich gewählt. Speziell auf Landesebene droht der ÖVP ein seit 1945 nie dagewesenes Szenario: Der Landeshauptmann-Sessel könnte verloren gehen. Aktuelle Umfragen weisen jedenfalls immer stärker in diese Richtung: War die ÖVP 2021 mit 37,6 Prozent noch fast doppelt so stark wie die Blauen (19,8 Prozent), liegt mittlerweile entweder die FPÖ klar vorne oder es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Das oö. Landhaus ohne einen ÖVP-Landeshauptmann? Bislang undenkbar, noch nie seit 1945 war dieses Szenario auch nur ansatzweise möglich. 2027 könnte es aber wie in der Steiermark 2024 zu diesem ganz großen Umbruch kommen. Laut einer Umfrage des renommierten SPECTRA-Instituts von August 2026 führt die FPÖ sattelfest mit 32 zu 26 Prozent, im November 2025 wies eine ebenfalls von SPECTRA erhobene Umfrage für die FPÖ sogar einen 10-Prozentpunkte-Vorsprung aus.

Lediglich eine (von der ÖVP selbst beauftragte) Umfrage attestiert der Landeshauptmann-Partei noch einen (sehr dünnen) Vorsprung von 32 zu 31 Prozent. Die Alarmglocken schrillen im Gleißner-Haus – und das wohl nicht zu unrecht.
Christian Stocker ist der beste Wahlhelfer der FPÖ. Passiert im Bund bis zur Wahl im Herbst 2027 nichts, ist der Landeshauptmann-Posten wohl weg.
Wien als „Wahlhelfer“
Einer der Gründe: Zu lange hat man sich auf die durchaus beachtlichen und positiven Vergleichswerte zu den anderen Bundesländern verlassen. Oberösterreich steht bei fast allen maßgeblichen Zahlen im Vergleich gut oder sehr gut da. Aber was hilft das, wenn die Unzufriedenheit wächst, die Landespolitik sich langweilig und auch gegenüber dem blauen Koalitionspartner in großen Teilen deckungsgleich präsentiert und der Wunsch nach Veränderung immer stärker wird? Dazu kommt die enorme Unzufriedenheit mit der ÖVP-geführten Regierung im Bund. Christian Stocker ist der beste Wahlhelfer der FPÖ. Passiert im Bund bis zur Wahl im Herbst 2027 nichts, ist der Landeshauptmann-Posten wohl weg. Bleibt die Frage:
Kann Manfred Haimbuchner Landeshauptmann von Oberösterreich?
Warum nicht? Manfred Haimbuchner bringt jedenfalls reichlich Regierungserfahrung mit – und steht für einen (wohltuend) anderen politischen Stil als FPÖ-Bundeschef Herbert Kickl. Während Kickl auf Bundesebene stark auf Konfrontation, Fundamentalopposition und scharfe Rhetorik setzt, sucht Haimbuchner seit Jahren Mehrheiten und Kompromisse. Sein Credo: Wer gestalten will, muss auch mit anderen reden. Selbst vom politischen Gegner erwartet er nicht Unterwerfung, sondern Verhandlungsbereitschaft.
Man darf gespannt sein, was die ÖVP bis zur Wahl themenmäßig noch aus dem Hut zaubern will, um die Nummer-1-Position in Oberösterreich im September 2027 über die Ziellinie zu bringen.
Eher Kunasek als Kickl
Die Unterschiede wurden mehrfach sichtbar: Haimbuchner hielt sich sogar von den Corona-Demonstrationen fern, widersprach Teilen des damaligen FPÖ-Kurses und verteidigte – anders als Kickl – ausdrücklich das Funktionieren von Justiz und Strafverfolgungsbehörden. Haimbuchner wirkt durchaus staatsmännisch und herzeigbar. Sein Kurs erinnert viele Beobachter an den steirischen Landeshauptmann Mario Kunasek: im Ton verbindlicher und regierungsorientiert, ohne deshalb auf klare „blaue“ Positionen und Ansprüche zu verzichten.
Man darf gespannt sein, was die ÖVP bis zur Wahl themenmäßig noch aus dem Hut zaubern will, um die Nummer-1-Position in Oberösterreich im September 2027 über die Ziellinie zu bringen. Die aktuelle Linie scheint (noch) nicht so recht zu greifen.
Kommentar
LH in Gefahr
Am 25. November 1945, bei der ersten freien Landtagswahl nach dem Krieg, erreichte die ÖVP 59,1 Prozent der Stimmen und 30 von 48 Mandaten. Kurz darauf, am 13. Dezember 1945, kürte der neu gewählte oberösterreichische Landtag Heinrich Gleißner zum ersten demokratisch gewählten Landeshauptmann Oberösterreichs nach dem Krieg. Das ist mittlerweile 81 Jahre her, seitdem sitzt auf dem Landeshauptmann-Sessel ein „Schwarzer“.
Gäbe es hier 2027 tatsächlich einen Wechsel, wäre das das größte Polit-Beben seit über 80 Jahre, das bis nach Wien wirkt. Apropos Wien: Genau dort wären wohl auch die Hauptschuldigen für den (möglichen) Absturz der ÖVP zu suchen.Es ist jedenfalls eine brandgefährliche Situation für die OÖVP: In der Steiermark hat sich der Dammbruch von 2024 mittlerweile verfestigt. Bei der Wahl vor zwei Jahren betrug dort der Vorsprung der FPÖ auf die ÖVP bereits komfortable acht Prozentpunkte, mittlerweile sind es 24 (!) – konkret: 43 Prozent FPÖ, nur mehr 19 für die ÖVP.
Diese Zahlen sollten für Stelzer & Co. eine Warnung sein: Ist der „LH“ erst einmal weg, wird man ihn wohl nicht mehr so schnell wiederbekommen.
Wie sich die OÖVP noch über die Ziellinie retten könnte? Zuvorderst mit einem Regierungs- und Personalwechsel in Wien – je früher, desto besser. Mit der aktuellen Konstellation im Bund STOCKERt die ÖVP in Oberösterreich weiter im Umfragen-Niemandsland herum. Zudem fehlen der Landespartei die wirklichen Wahlkampfthemen und Ideen. Stelzer & Co. fällt jetzt auch auf den Kopf, dass man jahrelang keinerlei Unterschiede zum (blauen) Mitbewerb sichtbar machte und über die vielen Jahre zwar gut, aber auch zu monoton, unauffällig und mit relativ wenig Emotionen regierte. Beispiel: Einen wirklich volksnahen Landeshauptmann Stelzer, zum Beispiel einmal ohne Anzug oder gar mit kurzer Freizeithose, kennt man kaum. Den echten Landesvater zum Anfassen muss er 2027 besser hinbekommen.















