Kaum ist das Land Oberösterreich alleiniger Eigentümer des Linz Airport, gibt es die nächste politische Debatte um dessen Geschäft. Grünen-Landesrat Stefan Kaineder fordert ein sofortiges Ende der Lebendtiertransporte über Hörsching. Anlass sind mehrere Frachtflüge mit Rindern nach Turkmenistan. Ob die Tiere dort tatsächlich geschlachtet werden, ist allerdings bislang nicht bestätigt. Der Flughafen verweist darauf, dass die Transporte veterinärmedizinisch kontrolliert und nach internationalen Vorschriften abgewickelt werden.
Nach Angaben des Facebook-Kanals „Linz Airport Reporter“ sollen bis Mitte Oktober insgesamt elf Flüge stattfinden. Pro Flug würden rund sechs Dutzend Rinder mit einem Airbus der mexikanischen Frachtfluggesellschaft MAS nach Asgabat gebracht – insgesamt wären das rund 792 Tiere.
Die Tiere stammen demnach aus Ungarn und werden zunächst auf dem Landweg nach Hörsching gebracht. Von dort geht es per Flugzeug weiter nach Turkmenistan.
Kaineder reagierte scharf. „Rinder sind fühlende Lebewesen und keine Frachtstücke, die wir beliebig um die halbe Welt schicken können“, erklärte der Grünen-Landesrat. Er fordert ein sofortiges Ende derartiger Transporte über den Linzer Flughafen.
Sind es überhaupt Schlachtrinder?
Ein wesentlicher Punkt bleibt allerdings offen: Bislang ist nicht bestätigt, dass es sich tatsächlich um Schlachtrinder handelt. Nach den vorliegenden Informationen könnten die Tiere ebenso zur Zucht nach Turkmenistan gebracht werden. Kaineders Kritik basiert damit zumindest teilweise auf einer bislang nicht gesicherten Annahme.
Der Linz Airport verweist zudem darauf, dass bei der veterinärmedizinischen Kontrolle nichts beanstandet worden sei. Die Tiere verfügten demnach über ungarische Ohrmarken, eine amtliche Gesundheitsbescheinigung und die Freigabe des zuständigen ungarischen Grenztierarztes. Die Transporte würden nach den „Live Animals Regulations“ der IATA abgewickelt.
Kaineder sieht dennoch das Land in der Verantwortung. Durch die vollständige Übernahme des Flughafens müsse Oberösterreich auch Verantwortung dafür übernehmen, „welche Geschäfte dort stattfinden“. Ein landeseigener Flughafen dürfe seiner Ansicht nach keine Drehscheibe für derartige Tiertransporte sein.
Ausgerechnet die Luftfracht
Die Forderung trifft einen für Hörsching besonders wichtigen Geschäftsbereich. Der Frachtverkehr gilt als zweites großes Standbein des Linz Airport. 2025 wurden dort insgesamt 47.865 Tonnen Luftfracht umgeschlagen, davon 15.215 Tonnen tatsächlich per Flugzeug transportiert. ooe.ORF.at
Bemerkenswert: Als Turkish Airlines Anfang 2026 seine Frachtflüge von Linz nach Istanbul einstellte, bezeichneten die Grünen das selbst als „nächste Hiobsbotschaft“. Kaineder verwies damals darauf, dass nun auch die „profitable Seite des Flughafens“ einen Einschnitt erleide, und forderte tragfähige Zukunftsideen.
Der Airport befindet sich ohnehin in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Nach starken Passagierverlusten und dem Einbruch während der Corona-Jahre mussten Stadt und Land bereits finanziell einspringen.
















