Weitere 850.000 Euro gibt das Land Oberösterreich frei, damit der Kasberg in die Wintersaison 2026/27 starten kann. Doch das ist nur ein kleiner Teil der öffentlichen Unterstützung: Bis zu zehn Millionen Euro stehen bis 2028 für Übernahme, Betrieb und Investitionen bereit. Dazu kommt ein Skigebiet mit alten Anlagen, großen Investitionsbedarf und einer problematisch niedrigen Lage.
„Wir haben versprochen, dass wir den Kasberg nicht im Stich lassen – und wir halten Wort“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Die jetzt beschlossenen 850.000 Euro sollen erst mal den laufenden Betrieb sowie die Vorbereitung und Aufnahme der kommenden Wintersaison finanzieren. Das Geld ist somit nur eine erste Geldspritze, weitere werden folgen (müssen).
17 zusätzliche Millionen zugesagt
Der Landtag hat dafür allerdings einen wesentlich größeren Rahmen geschaffen: Bis zu zehn Millionen Euro stehen für die Jahre 2026 bis 2028 zur Verfügung. Finanziert werden sollen neben dem Betrieb notwendige Ersatzinvestitionen und die Planung eines zukunftsfähigen Beschneiungskonzepts. Zusätzlich wurden laut ORF bis zu sieben Millionen Euro für Personal-, Rückbau- und Rekultivierungsverpflichtungen vorgesehen. Macht in Summe 17 Millionen Euro an Investition in ein „Wackel“-Skigebiet, da fehlt aber noch der zu erwartende jährliche Abgang, der ebenfalls (möglicherweise dauerhaft) abzudecken sein wird.
100.000 Gäste – aber kleines Skigebiet
Keine Frage: Der Kasberg ist für das Almtal touristisch wichtig und besonders bei Familien, Schulen und Vereinen beliebt. In der Saison 2024/25 wurden wegen einer großen Solidaritätswelle gegen das Zusperren mehr als 100.000 Gäste gezählt – das entspricht dem jahrelangen Schnitt (2017, vor der Pannenserie mit technischen Problemen bei den Liftanlagen, waren es um die 90.000) und zeigt, dass eine Aufwärtsentwicklung schwierig sein dürfte.
Zwischen 2017 und 2013 sank die Zahl der Betriebstage meist wegen Schneemangel von 120 auf 77 – ein Minus von rund 36 Prozent.
Ausländische Gäste sind in ein so kleines Skigebiet mit 23 Pistenkilometern, schwer anzulocken. Zum Vergleich: Zum Vergleich: Hinterstoder kommt auf fast doppelt so viele Kilometer, die Schladminger 4-Berge-Skischaukel auf 123 und die gesamte Skiregion Dachstein West auf 160 Kilometer Skipisten.
Hauptproblem: die Höhenlage
Das größte Problem lässt sich allerdings auch mit Landesmillionen nicht beseitigen: die niedrige Lage. Die Talstation liegt bei rund 620 Metern Seehöhe. Zum Vergleich: Der Pfenningberg bei Linz ist 616 Meter hoch.Was das bedeutet, zeigte nicht nur die letzte Saison 2025/26. Wegen der warmen Witterung musste der Saisonstart verschoben werden. Statt Anfang Dezember konnte der Betrieb erst deutlich später aufgenommen werden. Zwischen 2018 und 2023 sank die Zahl der Betriebstage (wegen Schneemangel) von 120 auf 77 – ein beträchtliches Minus von rund 36 Prozent.

Eine leistungsfähigere Beschneiungsanlage soll künftig für mehr Schneesicherheit sorgen. Doch auch moderne Schneekanonen haben physikalische Grenzen: Ist es zu warm und zu feucht, kann selbst damit nicht beschneit werden. Gerade bei einem Skigebiet, das bis mit dem Hauptlift fast auf Flachland-Niveau herunterreicht, bleibt das ein beträchtliches Risiko. Das ist auch einer der Gründe, warum die bisherige Betreibergesellschaft 2023 Insolvenz anmelden musste.
Kasberg soll unter das Dach des Landes wechseln
Auch organisatorisch steht ein großer Schritt bevor: Die Kasberg-Lifte sollen künftig in die Seilbahnholding des Landes Oberösterreich integriert und damit quasi „verstaatlicht“ werden. Damit würde das Land nicht mehr nur Fördergeld bereitstellen, sondern selbst wesentlich stärker in die Verantwortung für den Skibetrieb rücken. Unter dem Dach der Landesholding befinden sich bereits die Landes-Skigebiete Hinterstoder und Wurzeralm. Für den Kasberg bedeutet das mehr Planungssicherheit – für das Land allerdings auch, dass wirtschaftliche Risiken und notwendige Investitionen künftig noch unmittelbarer und mit nach oben hin offenem Dispo beim Steuerzahler landen…
Kommentar
Das Grundproblem lässt sich am Kasberg nicht weginvestieren: Ist es tatsächlich sinnvoll, ein so kleines Skigebiet auf 620 Metern Seehöhe am Leben zu erhalten – und kann es langfristig so viele Gäste anziehen und Einnahmen erwirtschaften, dass sich die notwendigen Millioneninvestitionen tatsächlich rechnen – oder wird der Kasberg zum dauerhaften Zuschussbetrieb des Landes?
Letze Saison hat man sich selbst das Ziel gesetzt, 90.000 Skikarten zu verkaufen. Mit 100.000 sind es dann gut zehn Prozent mehr geworden, dennoch muss das Land jetzt fast eine Million Euro zuschießen. Heißt: Selbst mit 100.000 Skifahrern lässt sich kein ausgeglichen Ergebnis erzielen, geschweige denn eine Rücklage für Investition oder für den Folgebetrieb erwirtschaften.
Ins Treffen werden immer wieder Skifahrer, Familien, Schulen und Vereine aus der Region geführt, die das Skigebiet unbedingt brauchen würden. Aber: Sind dafür Millioneninvestitionen gerechtfertigt, wenn es von Grünau im Almtal nach Hinterstoder gerade mal (durchaus zumutbare) 33 Autokilometer sind?
Ebenfalls offen: Warum wurde und wird kein pfiffiges Alternativ-Konzept für das Almtal angedacht? Mit 17 Millionen Euro ließe sich hier gewiss etwas Neues Andenken – als Wanderdorf, sanfter Tourismus, Mountainbike- (oder E-Bike-)Region, eine Themenregion oder ähnliches. Auf kurz oder lang wird man sich vom Skifahren in diesen Höhenlagen sowieso verabschieden müssen. Besser man ist Erster (und Gestalter, Vorreiter) als Letzter bei diesem Umstieg.















