Nix wird es mit der erhofften, relativ geräuschlosen Diversion für Ex-Bürgermeister Klaus Luger. Gut so, denn Luger benahm sich im August 2024 eher wie ein bockiges Kind denn als geläuterter Delinquent und meinte lediglich, er „gehe ohne Groll“ und nehme den bröckelnden Rückhalt der Linzer SPÖ (die ihm kurz zuvor noch das einstimmig uneingeschränkte Vertrauen aussprach) „zur Kenntnis, ohne wehleidig zu sein“.
Hintergrund der LIVA-Luger-Causa ist ein Gutachten, das Luger als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender in Auftrag gegeben hatte. Es sollte den Auswahlprozess für die künstlerische Leitung der Linzer Veranstaltungs-GmbH (LIVA) aus dem Jahr 2017 genauer untersuchen und insbesondere aufklären, wer dem späteren Brucknerhaus-Intendanten Dietmar Kerschbaum vor dessen Hearing die entscheidenden Fragen im Voraus zugespielt hatte. Dabei war Luger es selbst, der diese Grenzüberschreitung beging.
Der Prozess war für Ende Dezember 2025 geplant, kurz davor erhielt er vom Gericht ein Diversionsangebot bei Zahlung von 20.000 Euro Bußgeld. Die Schadenssumme von 19.000 Euro zahlte Luger an die LIVA bereits zuvor zurück. Doch jetzt zog das Oberlandesgericht Linz diese Diversion ein, es kommt nun doch zum Prozess.
„Die Statements des OLG lesen sich, was Lugers Verhalten betrifft, vernichtend: Von „besonderen Charakterdefiziten“ und „unethischem Machtmissbrauch“ ist da die Rede.“
Rückblick: Schuldig schien sich Luger selbst nach dem Auffliegen der Sache nicht zu fühlen, denn aus eigenem Antrieb wäre er wohl gar nicht zurückgetreten: Er sagte, weil die breite Zustimmung innerhalb der Linzer SPÖ zu erodieren beginne, sei das für ihn ein Zeichen, „als Bürgermeister zurückzutreten“. Tatsächliche Einsicht oder Reue klingen anders.
Der Gipfel an – man muss fast schon sagen Unverfrorenheit – war Lugers Aussage, er würde „ohne Groll gehen“. Groll? Weil er aufgeblattlt wurde? Oder weil seine Genossinnen und Genossen, die zuvor fast schon genötigt worden sein sollen, treu hinter ihm zu stehen, absprangen, als sie das Ausmaß dieser Tat begriffen? Oder Groll den Medien gegenüber, die die ganze Sache erst ins Rollen brachten?
Nicht nur darum war es wichtig und richtig, dass das Oberlandesgericht Linz (OLG) die Diversion für den Ex-Bürgermeister jetzt doch noch einkassiert hat. Die Statements des OLG lesen sich, was Lugers Verhalten betrifft, vernichtend: Von „besonderen Charakterdefiziten“ und „unethischem Machtmissbrauch“ ist da die Rede. „Besondere Charakterdefizite“ – noch mehr Magenstamperl geht’s fast nicht.
Luger selbst? Er duckt sich seit seinem Rücktritt weg, ist mehr oder weniger untergetaucht und meidet die Öffentlichkeit wie Graf Dracula die Knoblauchzehe, statt ENDLICH reinen Tisch zu machen. Dazu gehört vor allem eine echte, ehrliche Entschuldigung, büßen, ein ausführliches Statement in Form eines großen Medieninterviews (melden Sie sich, Herr Luger, wir machen das gerne) oder einer „Alles auf den Tisch“-Pressekonferenz.
Aber dazu ist Luger vermutlich nicht imstande oder willens, sonst hätte er es schon längst getan. Er hoffte vielmehr, sich mit einer vergleichsweise günstigen, geräuschlosen Diversion und einer quasi Nichtverurteilung reinzuwaschen, danach schnell Gras über die Sache wachsen zu lassen und danach schadlos aus der LIVA-Affäre hervorzugehen. In unserer schnelllebigen Zeit vergisst man in wenige Wochen, so das Kalkül.
Wie so oft ist der Machtmensch Luger falsch abgebogen, statt sich ehrlich, offen und aufrichtig hinzustellen und Abbitte zu leisten. Linz hätte es ihm – auch aufgrund seiner vielen Meilensteine, die er in elf Jahren als Linzer Bürgermeister setzen konnte, verziehen. Aber der Zug ist jetzt wohl abgefahren.



























