Mehr Technik, weniger Bürokratie und dadurch mehr Zeit für die Bewohner: Oberösterreich will seine 134 Alten- und Pflegeheime schrittweise zu „Heimen der Zukunft“ weiterentwickeln. Soziallandesrat Christian Dörfel, die Linzer Vizebürgermeisterin Karin Leitner und Gemeindebund-Präsident Christian Mader präsentierten nun die nächsten Schritte. Eine neue Heimverordnung soll ab 2027 die Grundlage schaffen – von flächendeckendem WLAN über Sturzsensoren bis zu Telemedizin und Pflegedokumentation per Sprache.
Das sollte im Jahr 2026 eigentlich selbstverständlich sein: WLAN in allen Pflegeheimen. Derzeit verfügt laut Land rund ein Drittel der oberösterreichischen Alten- und Pflegeheime noch über keine entsprechende WLAN-Infrastruktur. Das soll sich ändern. Die digitale Grundausstattung wird künftig als Voraussetzung gesehen, um moderne Pflege- und Assistenzsysteme überhaupt einsetzen zu können.
Der Entwurf für die neue Heimverordnung soll noch im Oktober in Begutachtung gehen und mit Jänner 2027 in Kraft treten. Danach sollen die Einrichtungen – abhängig von den finanziellen Möglichkeiten der regionalen Träger – technisch Schritt für Schritt aufgerüstet werden.
Vom Sturzsensor bis zur Spracherkennung
Die Palette möglicher Anwendungen ist breit: Sturzsensoren können automatisch Alarm auslösen, mobile Endgeräte sollen Informationen direkt am Pflegebett verfügbar machen und digitale Systeme die Dokumentation vereinfachen. Auch Spracherkennung soll künftig verstärkt zum Einsatz kommen, damit Pflegekräfte weniger Zeit mit Tippen und Verwaltungsarbeit verbringen.
„Die OÖ Pflegestrategie 2040 zielt darauf ab, den Wunsch der Menschen zu erfüllen, solange wie möglich selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben zu können. Neben der Unterstützung der häuslichen Pflege und dem Ausbau alternativer Wohnformen bleiben die Alten- und Pflegeheime aber auch weiterhin zentrale Einrichtungen. Mit der neuen Heimverordnung schaffen wir die rechtliche Grundlage, um sie zu ‚Heimen der Zukunft‘ weiterzuentwickeln. Digitale Hilfsmittel sollen einen Modernisierungsschub bringen, den Heimalltag erleichtern und das Image der Pflege weiter verbessern.“
Soziallandesrat Christian Dörfel
Geplant sind darüber hinaus Ortungs- und Assistenzsysteme für Menschen mit Demenz, elektrische Mobilisierungshilfen sowie Telemedizin. Damit könnten etwa medizinische Einschätzungen in bestimmten Fällen erfolgen, ohne Bewohner für jeden Termin transportieren zu müssen. 2027 soll außerdem der Pflegetechnologiefonds neu aufgelegt werden, um entsprechende Investitionen zu unterstützen.
Soziallandesrat Christian Dörfel (ÖVP) bringt das Ziel auf eine einfache Formel: „Weniger Zeit für Bürokratie und damit mehr Zeit für die Menschen.“ Technik solle das Pflegepersonal dabei unterstützen und nicht den persönlichen Kontakt ersetzen.
Personalstand auf neuem Höchststand
Parallel dazu meldet das Land auch bei der Personalsituation Fortschritte. Mitte 2026 waren in der stationären Langzeitpflege in Oberösterreich 8.255 Mitarbeiter beschäftigt – laut Land ein neuer Höchststand. Das macht sich auch bei den verfügbaren Pflegeplätzen bemerkbar. Ende 2022 konnten noch 1.316 Betten wegen Personalmangels nicht belegt werden. Ende Juni 2026 waren es noch 630. Damit hat sich die Zahl innerhalb von dreieinhalb Jahren mehr als halbiert.
Pflegebedarf wird weiter steigen
Der technologische Ausbau ist allerdings nicht nur Modernisierung um ihrer selbst willen. Oberösterreich steht wie ganz Österreich vor einer alternden Bevölkerung und damit langfristig vor einem steigenden Pflegebedarf. Gleichzeitig bleibt qualifiziertes Personal eine der knappsten Ressourcen.
Foto: Margot Haag / Land OÖ















